Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Auto jederzeit im Griff: Verbesserte Steuergeräte können Unfallgefahr reduzieren

14.08.2000


Das Auto steckt heute voller Elektronik. Verpackt ist sie in sogenannte Steuergeräte die, zusammen mit ihrer Software, als elektronische Helfer das Fahren leichter und sicherer machen sollen. Über die Beherrschbarkeit der zunehmend komplexeren Steuerungssoftware mit Hilfe modellbasierter Prozesse berichtet der Informatiker Prof. Dr. Werner Damm von der Universität Oldenburg.

Unser "liebstes Kind", das Auto, steckt voller Elektronik. Verpackt ist sie in sogenannte Steuergeräte, die als elektronische Helfer das Fahren leichter und sicherer machen sollen. Begriffe wie Antiblockiersystem (ABS), Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP), Airbagauslöser und Bremsassistent haben längst Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch gehalten. Die Komplexität von Steuergeräten und ihrer Software wird in Zukunft weiter zunehmen, bis hin zu einer möglichen Verschiebung der Rollen zwischen Fahrer und Steuergeräten: Wo heute der Fahrer das Fahrzeug führt, übernimmt dies vielleicht schon bald immer mehr das Fahrzeug selbst.
Über die Beherrschbarkeit der zunehmend komplexeren Steuerungssoftware mit Hilfe modellbasierter Prozesse berichtet Prof. Dr. Werner Damm, Universität Oldenburg, in der jüngsten Ausgabe des Universitätsforschungsmagazins EINBLICKE ("Unfallpotenziale durch verbesserte Steuergeräte reduzieren", EINBLICKE Nr. 31, S. 8-10). Damm ist außerdem Vorstandsmitglied des Informatik-Institut OFFIS (Oldenburger Forschungs- und Entwicklungs-Institut für Informatik-Werkzeuge und -Systeme; An-Institut der Universität), dass an der Verbesserung der Qualität modellbasierter Entwurfsprozesse arbeitet.

... mehr zu:
»OFFIS »Prozess »Steuerungssoftware

Fahrzeuge enthalten heute, je nach Klasse und Ausstattung, zwischen 20 und 60 Steuergeräte, die ständig komplizierter werden. Ein derartiger Eingriff der Elektronik in das Fahrverhalten kann jedoch Gefahren bergen und unter Umständen selber zur Unfallursache werden. Die Automobil- und Zulieferindustrie reagiert darauf mit stärkeren Qualitätskontrollen, um ein Fehlverhalten der Steuergeräte möglichst früh zu erkennen und zu vermeiden. Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von OFFIS zielen auf eine Weiterentwicklung der entsprechenden Technik und vor allem auf fehlerfreies und risikoloses Arbeiten der Steuergeräte. So werden bei der Entwicklung von Steuergeräten heute immer häufiger sogenannte modellbasierte Entwurfsprozesse eingesetzt: Dabei wird im Vorfeld der eigentlichen Entwicklung ein Modell der Steuerung erstellt, das vielfältigen qualitätssichernden Schritten unterzogen werden kann. Diese Modelle werden sowohl für die Systementwicklung als auch für die Softwarespezifikation verwendet. Entscheidender Vorteil eines solchen modellbasierten Prozesses ist, dass damit bereits in einer frühen Phase eine vollständige Verhaltensspezifikation des Steuergerätes vorliegt. Der Entwickler kann durch eine animierte Simulation die gewünschten Funktionen absichern, automatisch für im Testfahrzeug integrierte Rechnersysteme aus den Modellen Codes erzeugen und damit auch während des Fahrbetriebs das Modell-Steuergerät vollständig integrieren.
Die Qualitätsverbesserungen der Steuergeräte durch einen modellbasierten Prozess sind erheblich. Dennoch können nach wie vor Fehler übersehen werden, da selbst einfache Steuergeräte eine hohe Zahl von Systemzuständen annehmen können, die in Probefahrten nicht vollständig erfasst werden, da nur einzelne Verhalten eines Steuergeräts nachgefahren werden können. Sogenannte Modellprüfungsverfahren könnten hier Abhilfe in Form einer vollständigen Analyse eines Systems schaffen. OFFIS arbeitet daran, diese "Laborergebnisse" in die industrielle Praxis zu übertragen und damit formale Verifikationstechniken zu schaffen.
Das Oldenburger Forschungs- und Entwicklungsinstitut OFFIS ist in zahlreichen, durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die EU und durch die Industrie geförderten Projekten tätig. Mit führenden Automobilherstellern, wie zum Beispiel BMW oder Daimler Chrysler bestehen enge Kooperationen. Im Luftfahrtbereich kooperiert OFFIS mit der DASA und Aerospatial, um die Verifikationstechniken für den künftigen Airbus-Entwicklungsprozess einsetzbar zu machen. Auch im Bereich Bahntechnik plant OFFIS eine enge Zusammenarbeit mit der Industrie.

Kontakt: Prof. Dr. Werner Damm, Fachbereich Informatik:, Tel.: 798-4502, E-Mail: damm@informatik.uni-oldenburg.deoder damm@offis.de, Internet: http://ca.informatik.uni-oldenburg.de/

Gerhard Harms |

Weitere Berichte zu: OFFIS Prozess Steuerungssoftware

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Leuchtende Mikropartikel unter Extrembedingungen
28.02.2017 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren
22.02.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften