Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Auto aus dem 3D-Drucker

28.08.2012
Ein neues Pkw-Modell soll fundierte Erkenntnisse zu den Strömungsverhältnissen liefern

Im großen Windkanal der TU Berlin wird ein kleines, weißes Auto aus Gips und Epoxydharz getestet. 120 Zentimeter lang, 45 Zentimeter breit und 40 Zentimeter hoch markiert es vielleicht den Beginn eines neuen Forschungszeitalters am Fachgebiet für Experimentelle Strömungsmechanik.


Der Student Hanns-Joachim Schmidt (l.) und der wissenschaftliche Mitarbeiter Dirk Wieser montieren das neue Automodell „DrivAer“ für mehrere Messreihen im Windkanal der TU Berlin. Das Modell wurde im Institut für Mathematik „ausgedruckt“
© TU Berlin/Pressestelle/Ulrich Dahl

Das Auto heißt „DrivAer“, und das Besondere an ihm ist, dass es ein realistisches Modell eines Autos ist. „Bisher forschten auch wir am sogenannten Ahmed-Körper, um die außerordentlich komplizierten Strömungen an einem Auto zu entschlüsseln“, sagt Christoph Strangfeld, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Fahrzeug-Aerodynamik am Fachgebiet von Professor Oliver Paschereit. „Aber dieses 1984 entwickelte Modell abstrahiert so stark von der Wirklichkeit – es hat zum Beispiel keine Vorderhaube, keine Räder, keine Spiegel, keine gekrümmten Flächen und Heckschrägen – ,dass die gewonnenen Forschungsdaten nur bedingt aussagekräftig sind. Und für die Autoindustrie selbst haben sie eigentlich keinen Wert.“ Mit „DrivAer“ soll sich das ändern.

Entwickelt wurde „DrivAer“ in den Computern der TU München zusammen mit Audi und BMW. „DrivAer“ ist eine Art Hybrid aus den verschiedenen Pkw-Modellen der beiden Autohersteller. Dass er nun als reales Objekt im Windkanal der TU Berlin der Forschung zur Verfügung steht, ist möglich, weil am TU-Institut für Mathematik ein 3D-Labor existiert und die Wissenschaftler dort über das Know-how verfügen, aus den Computerdaten ein reales Automodell dreidimensional auszudrucken. Eine Herausforderung war „DrivAer“ trotzdem. „Wir haben einige Erfahrung bei der 3D-Digitalisierung und -Visualisierung sowie beim 3D-Druck – angefangen bei komplizierten Strukturen, die mathematische Zusammenhänge als reale Objekte abbilden, über Architektur- und Geomodelle wie etwa die topografische und geologische Darstellung Berlins bis hin zu Modellen menschlicher Organe aus computertomografischen Untersuchungen –, aber das Auto war bisher eines der aufwendigsten Projekte, für das wir einen 3D-Druck erstellt haben“, erzählt Joachim Weinhold, wissenschaftlicher Mitarbeiter im 3D-Labor.

Der „DrivAer“ wird in den nächsten Wochen im Windkanal immer wieder einer Windstärke von 150 Kilometern pro Stunde ausgesetzt. 64 Sensoren in seinem Inneren messen Kräfte und Drücke am Heck. Im Rahmen einer Diplomarbeit werden Hunderte von Daten gesammelt, ausgewertet und mit jenen der TU München verglichen.

„Wir wollen mit den Messungen die Strömungsphänomene am Auto besser verstehen, um zum einen den Widerstandswert zu verkleinern, also die Kraft jener Wirbel, die sich am Heck bilden und das Auto nach hinten ziehen und somit abbremsen. Und zum anderen wollen wir Erkenntnisse gewinnen, wie die Strömungen durch Konstruktionselemente im Auto aktiv beeinflusst werden können. Dafür aber brauchen wir realistische Daten“, so Strangfeld. Denn letztendlich gehe es allein darum, Kraftstoff beziehungsweise Energie zu sparen, fügt Dirk Wieser hinzu, ebenfalls wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Fahrzeug-Aerodynamik. Gerade im beginnenden Zeitalter der Elektromobilität ist dies entscheidend, denn manchem Skeptiker legt ein E-Auto mit einer Batterieladung zu wenige Kilometer zurück.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Christoph Strangfeld, Institut für Strömungsmechanik und Technische Akustik der TU Berlin, Fachgebiet Experimentelle Strömungsmechanik, 10623 Berlin, Müller-Breslau-Str. 8, Tel.: 030/314-26486, E-Mail: strangfeld@tu-berlin.de

Stefanie Terp |
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Leuchtende Mikropartikel unter Extrembedingungen
28.02.2017 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren
22.02.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

29.05.2017 | Physik Astronomie

Deutschlandweit erstmalig: Selbstauflösender Bronchial-Stent für Säugling

29.05.2017 | Medizintechnik

Professionelle Mooszucht für den Klimaschutz – Projektstart in Greifswald

29.05.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz