Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf dem Weg zum automatisierten Fahren: Forschungsaktivitäten an der OTH Amberg-Weiden

18.06.2014

Die Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden, Fakultät Elektro- und Informationstechnik, arbeitet seit etwa 10 Jahren unter Federführung von Prof. Dr.-Ing. Alfred Höß im Rahmen mehrerer nationaler und europäischer Forschungsprojekte am Thema Fahrerassistenzsysteme sowie teil- und hochautomatisiertes Fahren. Alle Projekte wurden und werden in enger Abstimmung mit der Automobilindustrie, vor allem ihren Zulieferern und der Halbleiterindustrie, durchgeführt.

Hintergrund für diese Arbeiten sind die steigende Belastung beim Fahren durch stark zunehmende Verkehrsdichten (der gesamte Verkehrsfluss muss erfasst und interpretiert werden), das Ziel, die Sicherheit auf den Straßen zu erhöhen (Unfallvermeidung bzw. Unfallfolgenreduktion) und eine im Zuge des demographischen Wandels älter werdende Bevölkerung - auch ältere Menschen wollen mobil bleiben.


Das Fahrzeug mit den Sensoren und Radarbereichen.

Hier setzt die Idee des teil- und hochautomatisierten Fahrens an: Die erarbeitete Fahrassistenz und Automatisierung minimiert die Belastung beim Fahren, speziell dann, wenn der/die Fahrer(in) über einen längeren Zeitraum hinweg mit derselben Aufgabe befasst ist, z. B. bei dichtem Verkehr auf der Autobahn.

Psychologen sprechen hier von mentaler Unterbelastung. Aber auch in mentalen Überlastsituationen, etwa dem Ein- und Durchfahren einer engen Autobahnbaustelle, können Assistenzsysteme wertvolle Hilfe bieten.

Während die ersten Aktivitäten auf Fahrerassistenz in vergleichsweise einfachen Szenarien ausgerichtet waren (etwa adaptive Fahrgeschwindigkeitsregelung auf Autobahnen), so konnten Dank enormer Fortschritte bei Sensoren, Signalverarbeitungsalgorithmen sowie den Rechnerplattformen zunehmend komplexere Szenarien unterstützt werden.

Auch das Forscherteam an der OTH Amberg-Weiden verfolgt deswegen seit 2007 die Vision vom automatisierten Fahren. Die Reihe der an der Hochschule durchgeführten und laufenden Forschungsprojekte auf diesem Gebiet verdeutlicht diesen Weg:

• 2005 bis 2008: AUTOSAFE (BMBF-Projekt, www.autosafe-online.de): Übergeordnetes Ziel dieses Projekts war die Erforschung eines modularen Systems für die integrale Sicherheit im Straßenverkehr. AUTOSAFE wurde bearbeitet von Siemens VDO Automotive (heute Continental Automotive), Porsche Engineering Group, Infineon Technologies sowie von Siemens Restraint Systems (heute Continental Safety Engineering International). Die Fakultät Elektro- und Informationstechnik der OTH Amberg-Weiden unterstützte vor allem die Software-Entwicklung des Projekts in den Bereichen AutoSAR, Bildverarbeitung, Pre-Crash-Sensierung und Wireless-Connections.

• 2008 bis 2011: HAVEit (EU Projekt, www.haveit-eu.org): Im Rahmen des Projekts „Highly Automated Vehicles for Intelligent Transport – HAVEit“ konnte die OTH Amberg-Weiden Kompetenzen auf dem Gebiet des teil- und hochautomatisierten Fahrens gewinnen. Beteiligt waren 17 europäische Partner aus 6 Ländern, darunter zwei Fahrzeughersteller (Volkswagen und Volvo), Automobilzulieferer sowie Forschungseinrichtungen und weitere Hochschulen. Ziel war die Erhöhung der Verkehrssicherheit und die damit verbundene Optimierung von Kraftstoffverbrauch und Emissionen. Als Projektpartner war die OTH Amberg-Weiden primär für die Sensierung des seitlichen und rückwärtigen Fahrzeugbereichs (mittels Nah- und Mittelbereichsradaren), die Fusion dieser Sensorinformationen und die Generierung von darauf aufbauenden Warnungen zuständig. Die Ergebnisse wurden in das Versuchsfahrzeug des Projektpartners Continental Teves integriert und in diesem demonstriert.

• 2012 bis heute: URBAN-KA (BMWi-Projekt, www.urban-online.org): Dieses Forschungsprojekt ist ausgerichtet auf eine Erhöhung der Sicherheit im Stadtverkehr. Die OTH Amberg-Weiden ist als Unterauftragnehmer von Continental Teves eingebunden und beschäftigt sich mit Radar-Sensoren inklusive geeigneter Algorithmen für Stadt-Assistenzfunktionen. Besondere Anforderungen ergeben sich hier vor allem aus der hohen Komplexität von Stadtszenarien.

Was kommt als Nächstes?

Zur Vorbereitung der weiteren Schritte in Richtung des automatisierten Fahrens werden Fahrzeuge über einen Server im Hintergrund Daten austauschen. Am effektivsten ist dies über Mobilfunk (LTE/UMTS) möglich. Sensoren im Fahrzeug erfassen die nähere Umgebung und geben diese Umfelddaten an den Server weiter. Diese Daten dienen zur Erhöhung der Sicherheit der anderen Fahrzeuge und tragen dazu bei, automatisiertes Fahren auch bei höheren Geschwindigkeiten zu ermöglichen. Die Telekommunikations-Infrastruktur ist bereits vorhanden, praktisch jeder Verkehrsteilnehmer ist heute schon „online“. Bei der Entwicklung der Software kann die Fakultät Elektro- und Informationstechnik in Amberg auf den Vorarbeiten im Projekt AUTOSAFE (Wireless Connections) aufbauen.

Dr. Wolfgang Weber | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.oth-aw.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Leuchtende Mikropartikel unter Extrembedingungen
28.02.2017 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren
22.02.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie