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Forschung ist nicht selten ein Prozess der kleinen Schritte. Dass das an der Hochschule Bochum neu entwickelte Verfahren des "GeoJetting" zur Erschließung von Erdwärme eine andere Gangart kennt, zeigt nicht zuletzt die Auszeichnung mit dem erstmals im Juni verliehenen Ruhr2030 Award des Initiativkreises Ruhr.
Dieser 50.000 Euro-Forschungspreis wurde an Professor Dr. Rolf Bracke, Dipl.-Ing. Volker Wittig und Tim Türich vom GeothermieZentrum Bochum verliehen. Die drei Wissenschaftler haben innerhalb von 3 Jahren ein neuartiges Bohrverfahren entwickelt. Damit wird ein einfacherer und schnellerer Einbau von Erdwärmetauschern ermöglicht; mit deren Hilfe können Gebäude aller Größenordnungen ihre Wärme aus dem Boden ziehen.
Das von den Bochumern entwickelte Bohrverfahren arbeitet mit 1000 bar Wasserdruck und ermöglicht eine deutlich höhere Eindringgeschwindigkeit als bisher. "Wir sind damit fünf Mal so schnell wie andere traditionelle Bohrverfahren", so Volker Wittig.
Das patentierte Verfahren findet jetzt seine Anwendung bei einem eigens gegründeten Unternehmen, der "Vaillant GeoSysteme". Dieses Joint Venture mit dem führenden Hersteller im Bereich der Heizungs- und Klimatechnik stellt sich heute der Öffentlichkeit vor.
"Mit der Ansiedlung der Vaillant geoSYSTEME GmbH verzeichnet die Stadt Bochum einen weiteren Erfolg in der Entwicklung des Geothermie-Clusters", so Dipl.-Wirt.Ing. Joachim Hantusch von der Wirtschaftsförderung Bochum.
Vor zwei Jahren erst hatte die Stadt Bochum aufgrund der Forschungs- und Entwicklungskapazitäten an der Hochschule Bochum, am GeothermieZentrum Bochum und an der Ruhr-Universität Bochum die Federführung im Themenfeld Geothermie (Nutzung der Erdwärme) für die Metropole Ruhr übernommen. Durch das Eingehen strategischer Kooperationen weitete sie diese auf ganz NRW aus.
Die weltweit operierende Vaillant Group plant als Geothermie-Systemanbieter in den nächsten fünf Jahren einen Marktanteil bei den wärmepumpengestützten Systemen von 15 %.
Die Erfolgserwartungen, die Fachleute unisono mit Politik und Wirtschaft in die neue Technik setzen, sind groß. Sieht die Vaillant Group hier den größten Wachstumsmarkt der Branche, suchen Wissenschaft wie Politik Alternativen zu fossilen Brennstoffen als Energielieferant. Nahezu 90 % des Energiebedarfs von Wohngebäuden entfällt auf das Heizen und auf die Warmwasserbereitung. Deshalb kommt gerade der heimischen Energiequelle Geothermie eine große Bedeutung zu. Sie kann nahezu überall beim Heizen und Kühlen von Gebäuden zum Einsatz kommen.
Die Hochschule Bochum hat wichtige Beiträge sowohl bei der Entwicklung der neuen Technik als auch für die Entstehung des Gemeinschaftsunternehmens mit Vaillant geleistet. Mit Unterstützung der PROvendis Patentverwertungsgesellschaft der NRW-Hochschulen erhielt das geoJETTING die nationalen und internationalen Schutzrechte. Auch bei deren anschließender Vermarktung haben die Hochschule und PROvendis eng kooperiert.
Dabei wurde mit Vaillant ein namhafter Käufer gefunden, was schließlich den Anstoß zu der Firmengründung gab. Die Hochschule Bochum ist schon oft Geburtsort für Unternehmensgründungen gewesen. Dieses Mal ist sie dennoch besonders stolz, dass der Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu einer ersten gemeinsamen Ausgründung mit einem Wirtschaftsunternehmen geführt hat.
Natürlich wird - wie bei anderen Forschungsprojekten des GeothermieZentrums Bochum - auch bei dieser Technologie die Entwicklung weitergehen. Dafür ist auch das Preisgeld des Initiativkreises Ruhr eine gute Ressource, weiß Volker Wittig. Ein Folgeverfahren ist bereits auf dem Weg. Und die Hochschule Bochum wird die Vision des GeothermieZentrums für das Ruhrgebiet unterstützen, die auch zum Motto der beiden Gründer Tim Türich und Volker Wittig geworden ist: "Vom Kohlebergbau zum Wärmebergbau - mit Know-how von der Ruhr".
Detlef Bremkens | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.hochschule-bochum.de/
www.geothermie-zentrum.de/
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