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Innovative Forschung, die sich in Praxis vor Ort umsetzt: Das ist die aus ultra-hochfesten Betonplatten und mit einem weltneuen Klebeverfahren verbundene, filigrane Brückenkonstruktion der Gärtnerplatzbrücke. Sie überspannt, rund 140 Meter lang und fünf Meter breit, die Fulda in Kassel und wird am 11. Juli eröffnet und mit einem kleinen Brückenfest als "Projekt im Land der Ideen gefeiert.
"Dieses Bauwerk repräsentiert innovative Technologie aus der Universität Kassel in Deutschland- und weltweit", so der Kanzler der Universität Kassel, Dr. Hans Gädeke, anlässlich der Eröffnung der Brücke in seinem Dank an die federführenden Bauexperten Prof. Dr.-Ing. habil. Michael Schmidt und Prof. Dr.-Ing. Ekkehard Fehling von der Universität Kassel. "Wir sind der Stadt Kassel sehr verbunden, dass sie Wissenschaftlern der Universität Gelegenheit gibt, ihre innovativen Materialien und Verfahren in die Praxis umzusetzen", so Gädeke weiter. Denn das bedeutet angesichts technischer Innovationen auch, dass noch nicht alle Verfahren, Materialien und Abläufe standardisiert sind, erläuterte Gädeke. "Ich freute mich mit den Kasseler Bürgerinnen und Bürgern, die nach zeitlicher Verzögerung nun ihre geliebte Fuldaüberquerung zu Fuß oder per Rad endlich wieder nutzen können. Dafür hat Kassel jetzt aber eine Weltattraktion mehr."
Weltweites Vorzeigeprojekt
Die Gärtnerplatzbrücke ist die erste größere Brücke in Deutschland, bei der an der Universität Kassel von den Professoren Schmidt und Fehling entwickelte innovative Methoden und Materialien verwendet wurden. Der in Kassel entwickelte ultra-hochfeste Beton (UHPC) ist stahlähnlich fest und wesentlich dauerhafter als normaler Beton. Die Betonplatten sind lediglich 8,5 cm dick - rund ein Viertel einer üblichen Baukonstruktion. Wurden solche Teilstücke bislang aufwändig mit Dübeln und Bolzen verbunden, werden die 72 superfesten Betonplatten bei der Gärtnerplatzbrücke nun mit einem Spezialharz auf die tragende Konstruktion Kleben und zwischen den Betonbauteilen aufgeklebt. Diese neue Verbindungsart ist für den neuen Beton besonders geeignet, wie zahlreiche Vorversuche zeigten. Zudem übertrifft der von der Universität Kassel entwickelte ultra-hochfeste Beton der Bauteile für die Gärtnerplatzbrücke die an ihn gestellten Anforderungen deutlich. Nach Auswertung von nahezu 200 Prüfungen, die die amtliche Materialprüfanstalt für das Bauwesen in Kassel während der Herstellung der Betonteile im Betonwerk der Firma ELO in Eichenzell durchgeführt hat, steht fest, dass die bereits hohen Festigkeitsanforderungen von mindestens 165 N/mm2 der Bauausschreibung noch um bis zu 10 Prozent übertroffen wurden. Die Betonplatten und die filigranen, bis zu 36 m langen Träger sind auch sonst fehlerfrei. Dies beweist, dass der ultrahochfeste Beton nicht nur ein "Laborprodukt" der Universität, sondern auch großtechnisch geeignet ist, so Fehling und Schmidt. Weitere bautechnische Neuheiten sind
das weitgehende Ersetzen von Bewehrungsstäben aus Stahl durch Stahlfasern,
die Herstellung schlanker, gekrümmter Betonbalken (Obergurt, über der Flussöffnung) durch Verbiegen geradlinig hergestellter UHPC- Spannbetonfertigteile, damit Ausnutzung der hohen Verformbarkeit des UHPC und die wirtschaftliche Herstellung im Fertigteilwerk,
die Verbindung der Stahlkonstruktion mit UHPC - Bauteilen über eine gleitfeste geschraubte Verbindung mit Hilfe hochfester, vorgespannter Schrauben. Das spart Platz in den filigranen UHPC-Bauteilen bei sehr hoher Tragfähigkeit.
Monitoring für innovative Technologie
Doch die Gärtnerplatzbrücke ist nicht nur ein Ergebnis von Forschung, sie wird auch weiterhin Forschungsgegenstand sein. Über 80 Messeinrichtungen wurden installiert und in Betrieb genommen, die den Forschern der Universität ebenso wie nationalen und internationalen Forschergruppen über Jahre hin wichtige Daten für die Materialforschung über das praktische Verhalten des neuen Werkstoffs "unter Verkehr" liefern werden. Jede noch so kleine Bewegung oder Veränderung wird automatisch und online sofort an die Universität übermittelt. Die Brücke dient so auch zukünftig der universitären Forschung; die Bauwerksüberwachung (Structural Health Monitoring) erforscht mit Hilfe modernster Sensorik und Auswertemethodik Temperatur, Feuchte, Verformungen, Beschleunigungen sowie Neigungswinkel unter Belastung.
Auch andere Städte nutzen mittlerweile das Know how der Kasseler Uni und der am Bau der Gärtnerplatzbrücke beteiligten regionalen Unternehmen wie ELO, Fulda, und Beck Bau in Eschwege: sie arbeiten bereits an dem fünften Brückenbauwerk mit ultrahochfestem Beton. Die Kasseler Wissenschaftler wollen sich nun weiteren Herausforderungen stellen: Eine hoch belastete Brücke für PKW- und LKW-Straßenverkehr befindet sich in Planung.
Erster Schritt zu nano-optimierten Hochleistungsbaustoffen
"Wir wollen in der Forschung weitere Schritte in Richtung nano-optimierter Hochleistungswerkstoffe gehen. Wir erwarten weitere Leistungssteigerungen durch nano-optimierte Baustoffe hin zu "smart materials", erläutert Schmidt. So könne die Herstellung und Verwendung von Nanopartikeln nicht nur zur Steigerung der Festigkeit und Dauerhaftigkeit führen, sondern denkbar sei auch, über nanoskalige Beschichtungen von Baustoffen zur Selbstreinigung und Zersetzung von Umweltschadstoffen beizutragen, optimierte bauchemische Produkten und neuen Konstruktionsweisen mit den optimierten Baustoffen zu entwickeln bis hin zu energiegewinnenden Baumaterialien. Dabei sei die interdisziplinäre Zusammenarbeit am Kasseler Zentrum für Nanostrukturforschung (CINSaT) wichtig, ebenso wie mit der Bau- und -chemischen Industrie. Die Bedeutung des Zukunftsthemas für die Wissenschaft zeigt das DFG-Schwerpunktforschungsprogramm "Nachhaltiges Bauen mit Ultra-Hochfestem Beton (UHPC)", dessen Sprecher Prof. Michael Schmidt ist. Das DFG-Forschungsprojekt in Kassel soll dazu dienen, diesen neuen Beton für neue Anwendungsgebiete weitere zu entwickeln und zu einer allgemein anwendbaren Standardbauweise zu machen. Schließlich gelte die Nanotechnologie in Deutschland als eine der aufstrebenden Schlüsseltechnologien und als eine der chancenreichsten Querschnittstechnologien der Welt.
Ein Ort im Land der Ideen
Jürgen Grosch, Leiter des Investment & Finanz Centers der Deutschen Bank Kassel, übergab den Professoren Fehling und Schmidt den Pokal, mit dem die Gärtnerplatzbrücke als "Ausgewählter Ort 2007" ausgezeichnet wird. Damit gehört das Projekt offiziell zu den von der Standortinitiative "Deutschland - Land der Ideen" und ihrem Projektpartner Deutsche Bank ausgezeichneten "365 Orten im Land der Ideen". Grosch hob in seiner Laudatio besonders die Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit des Projekts hervor: "Leistungsfähige, aber energiesparende Baustoffe und Bauweisen aus dem Flugzeugbau sind die beeindruckenden Fakten der Gärtnerplatzbrücke. Doch das Projekt steht für weitaus mehr: Es ist ein Symbol dafür, wie mit Innovationskraft, Leistungsbereitschaft und interdisziplinärer Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen und Institutionen aus Ideen Erfolge für unser aller Zukunft werden. Das hat Vorbildcharakter." Der Kanzler der Universität Kassel, Dr. Hans Gädeke, freut sich, dass seine Universität mittlerweile zum zweiten Mal diese Auszeichnung erhält: Die Gärtnerplatzbrücke hatte sich als einer von über 1.500 Orten am Wettbewerb "365 Orte im Land der Ideen" beteiligt, der gemeinsam von der Deutschen Bank und der Standortinitiative "Deutschland - Land der Ideen" durchgeführt wurde. Die Deutsche Bank als exklusiver Partner der Initiative ermöglicht diese einzigartige Aktion. "Mit '365 Orten im Land der Ideen' entsteht ein Netzwerk von Leistungskraft, visionärem Denken, kreativer Leidenschaft und unternehmerischem Mut in Deutschland", begründet Jürgen Grosch das Engagement.
"Deutschland - Land der Ideen" ist die gemeinsame Standortinitiative der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft, vertreten durch den Bundesverband der Deutschen Industrie. Ziel ist es, im In- und Ausland ein Bild von Deutschland als innovatives und weltoffenes Land zu vermitteln. Schirmherr der Initiative ist Bundespräsident Horst Köhler.
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Ingrid Hildebrand | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
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Supraleitungssensoren der PTB ermöglichen hochempfindliche Messungen der magnetischen Kernresonanz dünner Helium-3-Schichten - aktuelle Veröffentlichung in Science
Tieftemperatur-Spezialisten der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) haben mit ihren SQUIDs dazu beigetragen, dass die magnetischen Momente von Atomen des seltenen Isotopes 3He (Helium-3) extrem empfindlich gemessen werden konnten. Mithilfe dieser Sensoren wurden hochempfindliche Kernresonanzspektrometer entwickelt, die jetzt tiefe Einblicke in den Zustand der Materie bei extrem tiefen Temperaturen lieferten.
Konkret sperrte ...
Gut 99 Prozent des gesamten Eises an Land ist in den riesigen Eisschilden der Antarktis und Grönlands gespeichert, nur knapp ein Prozent dagegen in Gletschern.
Die Schmelzwasser dieser Gletscher trugen im Zeitraum 2003 bis 2009 etwa genauso viel zum Anstieg des Meeresspiegels bei, wie die beiden Eisschilde: rund einen Drittel. Dies ist eines der Resultate einer internationalen Studie mit Beteiligung von UZH-Geographen.
Wieviel alle Gletscher zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen, wurde noch nie so genau ...
Siemens hat das weltweit erste kabellose Ultraschallgerät vorgestellt. Der Schallkopf ist mit einer Hand gut bedienbar und überträgt das Ultraschallbild per Radiofrequenz auf den Bildschirm.
Das Fehlen der Kabel ist vor allem bei Operationen oder interventionellen Eingriffen von Vorteil, wo beispielsweise Nadeln mit Hilfe von Ultraschall visualisiert werden. Die Kabel am Schallkopf behindern die Person, die das Gerät bedient, und sie können trotz steriler Schutzhüllen ein Infektionsrisiko darstellen.
Das kabellose Acuson Freestyle arbeitet bis zu ...
Siemens will mit einem großen Touch-Display Bahnbetreibern helfen, Störungen besser zu bewältigen.
Das Display mit rund 1,50 Metern Diagonale veranschaulicht alle Daten und Fakten, um Entscheidungen treffen zu können. Herzstück der Lösung ist eine Software, die mit Hilfe mathematischer Optimierungsalgorithmen bisher entkoppelte Systeme wie Wartung oder Zugdisposition vernetzt.
Bisher reagieren einzelne Abteilungen von Bahnbetreibern weitgehend unabhängig auf Störfälle, weil sie über das ...
Forschern des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Festkörperphysik IAF und des Karlsruher Instituts für Technologie KIT ist es gelungen, 40 Gbit/s bei 240 GHz und über eine Entfernung von einem Kilometer per Funk zu übertragen.
Mit ihrer jüngsten Demonstration haben sie einen neuen Weltrekord erzielt und knüpfen damit erstmals nahtlos an die Kapazität von Glasfaser an. Solche Richtfunkstrecken könnten zukünftig Lücken in der Versorgung mit Breitband-Internet schließen, indem die drahtlosen Links das Netz an schwer zugänglichen Stellen oder im ländlichen Raum ergänzen.
Digital, mobil und ...
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