Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zukunft für stillgelegte Kernkraftwerke

28.10.2013
Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 hat die Bundesregierung den Entschluss gefasst, bis 2022 endgültig aus der Atomenergie auszusteigen.

Diese Entscheidung bedeutet nicht nur die Notwendigkeit nach dem Ausbau erneuerbarer Energien, sondern wirft weitere Fragen auf. Was passiert mit den stillgelegten Kernkraftwerken (KKW)? Wie können diese sinnvoll rückgebaut werden und mit welchen Mitteln? Aber auch: Welche Technologien eignen sich am besten zur Speicherung der alternativ gewonnen Energie?

Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP sowie das Energiespeicherunternehmen Gravity Power GmbH sehen großes Potenzial in der gemeinsamen Beantwortung dieser Fragen. Deshalb haben sie sich nun zu einer strategischen Kooperation entschlossen. Sie werden ihr jeweiliges Know-how nutzen, um den Betreibern von KKWs ein Konzept zur Nutzung ihrer stillgelegten Kraftwerke anzubieten.

Kernkraftwerke bestehen zu einem Großteil aus Beton – insgesamt sprechen Experten von fast einer halbe Million Tonnen Stahl und Beton pro Kraftwerk – dementsprechend fallen beim Rückbau auch sehr große Mengen Altbeton an. Obwohl nur ein relativ geringer Prozentsatz des in einem Kernkraftwerk eingesetzten Materials tatsächlich radioaktiver Strahlung ausgesetzt war, rechnen die Wissenschaftler mit einer nur sehr geringen Marktakzeptanz für diesen Altbeton.

Statt ihn wieder zu verwerten soll der Bauschutt je nach Strahlungsbelastung in Endlagern bzw. auf herkömmlichen Deponien entsorgt werden. »Genau hier setzen wir mit unserer Kooperation mit Gravity Power an. Zur Umsetzung der neuen Speichertechnologie des Unternehmens wird eine große Menge Beton benötigt, den wir mit Hilfe unseres neuen Verfahrens zum Recycling von Altbeton zur Verfügung stellen können. Dafür eignet sich der Altbeton aus Kernkraftwerken«, erklärt Christof Karlstetter, Leiter der Gruppe »Betontechnologie« am Fraunhofer IBP.

Zwei neue Technologien – eine Lösung

Das Fraunhofer IBP arbeitet bereits seit einiger Zeit an der sogenannten elektrodynamischen Fragmentierung, einem Verfahren zum Recycling von Beton. Dabei wird der Altbeton nicht, wie bisher üblich, lediglich zertrümmert, sondern mittels elektrischen Entladungen in Sekundenbruchteilen in seine ursprünglichen Bestandteile wie z.B. Kieselstein, Zementstein etc. zerlegt. Diese Gesteinskörnung kann in neuem Beton wiederverwendet werden. Auch große Tonnagen lassen sich mit dem Verfahren schnell und kosteneffizient verarbeiten.

Gravity Power hat eine neue Speichertechnologie entwickelt und patentiert, die seit Jahrzehnten bewährte Technologien aus dem Tunnel- und Bergbau sowie der Pumpspeicherindustrie zu einem wasserdicht versiegelten, unterirdischen Speichersystem kombiniert. Um Energie zu speichern, wird hydraulisch ein massiver Kolben in einem 500 bis 800 Meter tiefen vertikalen Schacht mit einem Durchmesser von zirka 80 Metern angehoben. Soll die Energie frei gesetzt werden, senkt sich der Kolben langsam durch sein Eigengewicht und drückt das Wasser durch eine Turbine zur Stromproduktion. Dafür muss der Kolben jedoch ein möglichst hohes Gewicht haben. Um das zu erzielen, kann er auch mit recyceltem Beton aus KKWs befüllt werden.

Das Fraunhofer IBP und Gravity Power haben deshalb gemeinsam vor, den Betreibern von Kernkraftwerken anzubieten, den durch den Rückbau gewonnenen Altbeton elektrodynamisch zu fragmentieren und mit dem so neu gewonnenen Beton unterirdische Gravity Power Energiespeicher auf dem Gelände der alten Anlagen zu bauen. »Auf diese Weise könnten wir mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die Betreiber von Kernkraftwerken könnten ein erhebliches Entsorgungsproblem lösen. Gleichzeitig könnte das Gelände alter Kraftwerke dank des dort verfügbaren Platzes und der bereits vorhandenen Netzanschlüsse sehr gut als Standort dringend benötigter Speicher für erneuerbare Energien genutzt werden«, erklärt Horatio von John, Geschäftsführer der Gravity Power GmbH.

Dipl.-Journ. Assja Terseglav
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP, Standort Holzkirchen
Fraunhoferstr. 10 | 83626 Valley | Germany
Telefon: +49 8024 643-642 | Telefax: +49 8024 643-366
assja.terseglav@ibp.fraunhofer.de

Assja Terseglav | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.ibp.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit
18.01.2017 | Technische Universität Chemnitz

nachricht Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“
17.01.2017 | EML European Media Laboratory GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise