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Ziegelsteine aus dem Klärwerk

08.09.2009
Umweltinstitut an der Universität Witten/Herdecke entwickelt neuen Baustoff aus Klärwerksrückständen / EU-Förderung für Praxisanwendung

Das Institut für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke (www.uni-wh-utm.de) entwickelt einen neuartigen Baustein "EcoBrick".

Er soll mit Energie und Reststoffen aus der Abwasserklärung hergestellt werden. Dadurch spart er bei der Herstellung mehr als 50 % Energie und 10 % Rohstoffe gegenüber konventionellen Bausteinen. Gleichzeitig sinken die Wärmeverluste gegenüber Kalksandsein oder Ziegelstein um mehr als 20 %, so dass sich der Energieverbrauch für die Gebäudeheizung reduziert.

EcoBrick ist nicht nur für Deutschland interessant, sondern mehr noch für die europäischen Beitrittsstaaten und Schwellenländer weltweit. Dort boomt einerseits der Bausektor und gleichzeitig existiert noch keine geordnete Abwasserentsorgung oder Klärschlammbehandlung.

Bisher scheiterte die Rohstoff sparende Beimengung von Recyclingstoffen zu Ziegeln aus Ton, Beton oder Kalksandsteinen: Der Wasseranteil der Beimengung erhöhte den Energieverbrauch beim Brennen enorm oder die Zuschlagstoffe störten die chemische Reaktion beim Abbinden. Der technologische Durchbruch wurde durch eine Erfindung am Umweltinstitut an der Universität Witten/Herdecke erzielt.

Anstatt das Recyclingmaterial direkt bei der Herstellung von Kalksandstein aus Sand, Kalk und Wasser einzumischen, wird erst ein Granulat aus schadstofffreiem, vorbehandeltem Klärschlamm mit Kalk und Sand produziert. Dieses Granulat kann dann im Kalksandstein verteilt werden, so dass sich die Produktqualität nicht verschlechtert. Farbe und Festigkeit sind nur unwesentlich verändert, ähnlich wie bei gutem Recyclingpapier. "Natürlich waren wir alle begeistert, als die ersten Prototypen aus dem Labor so gut aussahen", so Professor Dr. Karl-Ulrich Rudolph vom Umweltinstitut an der Universität Witten/Herdecke. "Trotzdem wird es noch ein langer Weg sein, bis wir die grosstechnische Umsetzung unter industriellen Bedingungen getestet, optimiert und demonstriert haben".

Das Umweltinstitut an der Universität Witten/Herdecke wird dabei durch das EU-Programm "EU-LIFE+" mit 3,3 Mio. Euro gefördert. Die EU hat aus einer Vielzahl von Anträgen insgesamt 195 Projekte ausgewählt, darunter 18 aus Deutschland. Unter den 195 Siegern befanden sich nur acht Universitäten. Die Universität Witten/Herdecke hat als einzige deutsche Universität ein EU Life+ Projekt gewonnen und wurde gleichzeitig mit dem größten Vorhaben unter allen Universitäten Europas am höchsten prämiert.

Im EU-LIFE+-Programm fördert die Europäische Union die praxisorientierte Umsetzung innovativer Technologien und Methoden im Bereich Natur und Umweltschutz (http://ec.europa.eu/life). Die Universitäten konkurrieren hier direkt mit der Industrie und großen, zumeist staatlich geförderten Forschungsinstituten. Mehr als 50 % der Kosten müssen durch den Anwender oder Industriebeteiligte getragen werden, was in Zeiten der Wirtschaftskrise die "Latte der Anforderungen" besonders hoch gehängt hat. Gefördert werden nur solche Projekte, die sich gesichert in der Praxis umsetzen lassen und gleichzeitig so deutliche technisch-ökologische Vorteile oder Kostenersparnisse bringen, dass sich ein industrieller Investor dafür findet. Projektpartner sind der mittelständische Kalksandsteinfabrikant Brinkhege Engineering aus Hilter, Osnabrück, und das Ver- und Entsorgungszentrum VEZ aus Freren im Emsland, der regional führende Klärschlammverwerter. Fachliche und finanzielle Unterstützung kommen außerdem von Aqua Europa, dem industriellen Fachverband aus Brüssel, und der Technischen Universität Prag.

Bereits vor zwei Jahren war die Universität Witten/Herdecke europaweit im EU-LIFE-Programm am erfolgreichsten und hatte mit 12,5 Mio. € Gesamtprojektvolumen das größte Vorhaben für den Wasserverband Wittlage gewonnen, und zwar für das Projekt "IWPM" (Integrierte Abwasserbehandlung; www.eu-life-iwpm.de). Der Erfolg bei der Realisierung dieses Vorhabens war Voraussetzung dafür, dass das Umweltinstitut an der Universität Witten/Herdecke von der EU jetzt erneut gefördert wird. "Wenn es um die Kombination von Innovation und Anwendung geht, ist die Universität Witten/Herdecke aufgrund der Flexibilität und Praxisnähe hervorragend aufgestellt und international wettbewerbsfähig", sagt der wissenschaftliche Geschäftsführer der Universität Witten/Herdecke, PD Dr. Martin Butzlaff.

Weitere Informationen am Institut für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke (www.uni-wh-utm.de),

Prof. Dr. Dr. Rudolph oder Daniel Gregarek, Tel.: 02302 / 914 01 0, mail@professor-rudolph.de

Kay Gropp | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh-utm.de

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