Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wärme aus Neptuns Garten: Dämmen mit Seegras, Hanf und Co.

24.10.2013
„Pflanzen sind ideale Wärmespeicher.“ Das sagt Andreas Skrypietz, Projektleiter der Klimaschutz- und Informationskampagne „Haus sanieren – profitieren“ der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Hanf etwa könne vorübergehend Feuchtigkeit binden, ohne die Dämmwirkung einzubüßen.

„Ein Merkmal dieses Dämmstoffes ist, dass es lange dauert, bis die einmal gespeicherte Wärme weitergegeben wird“, so Skrypietz. Auf diese Art schütze Hanf im Sommer die Innenräume vor Überhitzung. In Kooperation mit dem Netzwerk Nachhaltiges Bauen und dem Norddeutschen Zentrum für Nachhaltiges Bauen gibt die Kampagne in einer vierteiligen Serie einen Überblick über die wichtigsten Dämmmaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen, die derzeit am Markt erhältlich sind.


Die zerkleinerten und gereinigten Seegrasfasern werden als Dämmstoff entweder geschüttet, gestopft oder mit Einblasgeräten in Dächern, Decken und Wänden verwendet.
© Richard Meier

Beim Anbau von Hanf werden keine Pflanzen- und Insektenschutzmittel eingesetzt
Mit natürlichen Dämmmaterialien aus Pflanzen könnten Dächer, Wände und Böden isoliert werden. Ob als Matten, Mörtel oder Stroh - die Verarbeitung sei einfach, sauber und angenehm, da kein Juckreiz auf der Haut entstehe.
„Sanierer können Stoffe wie Flachs oder Hanf bedenkenlos und ohne chemische Zusätze gegen Insekten nutzen“, weiß Skrypietz. Hanf enthalte keine wertvollen Nährstoffe und sei deshalb für Tiere als Futter uninteressant. Wegen seiner Robustheit würden beim Anbau keine Pflanzen- und Insektenschutzmittel und auch kein Dünger eingesetzt und die Ackerböden nicht belastet. „Der Sanierer hat es hier mit einem Wohlfühl-Dämmstoff zu tun“, so Skrypietz.

Silberhorn: "Hanf und Flachs gute Schalldämpfer"
„Hanf und Flachs halten nicht nur die Wärme im Haus, sie sind auch gute Schalldämpfer“, ergänzt Christian Silberhorn, Geschäftsführer des Norddeutschen Zentrums für Nachhaltiges Bauen. Schall-Schwingungen würden aufgenommen und nicht weiter getragen, sondern in den feinen Fibrillen der Fasern aufgenommen und in Wärme umgewandelt. Die weit verbreiteten Pflanzen seien in großen Mengen verfügbar und wüchsen schnell.

Vom Meeresstrand aufs Dach: Neptunbälle wachsen unendlich nach

Auch das Meer bietet wesentlich mehr als Wasserkraft. Das als „Neptunbälle“ bekannte Seegras etwa wird auch zu Dämmzwecken eingesetzt. Aus seinen Fasern, die an den Stränden der Ostsee und des Mittelmeeres zu finden sind, wurde das Dämmmaterial entwickelt. Das zerkleinerte und gereinigte Fasermaterial wird als Dämmstoff entweder geschüttet, gestopft oder mit Einblasgeräten in Dächern, Decken und Wänden verwendet. „Der natürliche Borsalzgehalt sorgt für einen chemiefreien Einsatz und führt dazu, dass das Material nicht schimmelt und sehr haltbar ist“, so Silberhorn. Die Wärmedämmeigenschaften seien mit denen herkömmlicher Dämmstoffe identisch und überträfen diese sogar bei dem immer bedeutender werdenden sommerlichen Wärmeschutz. Seegras wachse zudem quasi unendlich nach und verbrauche weder Anbauflächen noch Frischwasser oder Dünger. Die „Ernte“ vom Strand sei umweltschonend, und die Herstellung selbst erfordere nur wenig Energie.

Pflanzliche Dämmstoffe sind leicht zu entsorgen
Laut der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe wird bei der Herstellung von Dämmstoffen aus Mineralwolle etwa zehnmal mehr Energie verbraucht als bei Hanf- oder Zellulose-Dämmplatten. „Wer Umwelt und Klima schonen will, sollte also über den Einsatz pflanzlicher Dämmmaterialien nachdenken“, rät Silberhorn. Die aus Pflanzen hergestellten Dämmstoffe seien konventionellen Materialien in einigen Bereichen überlegen und zudem häufig leichter zu entsorgen.
Ob nachträgliches Dämmen sinnvoll ist, zeigt der Energie-Check der DBU
Hausbesitzer, die wissen möchten, ob eine nachträgliche Dämmung an ihrem Haus Sinn macht, können den kostenlosen Energie-Check der DBU-Kampagne in Anspruch nehmen. Bei der Erstberatung nimmt ein eigens geschulter Handwerker, Architekt oder Energieberater die verschiedenen Gebäudeteile „unter die Lupe“ und bewertet sie nach ihrer Energieeffizienz. Eine Broschüre, die im Anschluss ausgehändigt wird, gibt Aufschluss über die weiteren Schritte zum sanierten Eigenheim. Eine Liste mit Energie-Checkern in ganz Deutschland finden Hausbesitzer auf www.sanieren-profitieren.de.
HINTERGRUND
Am 27. Oktober 2013 verleiht die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) den mit 500.000 Euro höchstdotierten Umweltpreis Europas, den Deutschen Umweltpreis. Eine der beiden Preisträgerinnen ist die Gründerin und Geschäftsführerin der Firma Hock, Carmen Hock-Heyl. Sie wird geehrt, weil sie Dämmmatten für den Hausbau aus dem Öko-Rohstoff Hanf am Markt etabliert hat. Aus diesem Anlass stellt die DBU-Kampagne „Haus sanieren – profitieren“ in einer vierteiligen Serie die wichtigsten am Markt erhältlichen nachwachsenden Dämmstoffe vor. „Haus sanieren – profitieren“ berät mit Hilfe eines kostenlosen Energie-Checks Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern, die ihre Immobilie energetisch sanieren möchten. Weitere Infos: www.sanieren-profitieren.de.

| DBU-Presseabteilung
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de
http://www.sanieren-profitieren.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Doppelhaus mal anders - Elegantes Glas-Ensemble am Hang
02.05.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Bauübergabe der ALMA-Residencia
26.04.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten