Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit wie viel Lärm kann man rechnen?

09.08.2010
Für bessere Lärmvorhersagen: PTB-Wissenschaftler messen am Modell, wie der Schall sich ausbreitet, wenn LKW einen Supermarkt beliefern.

Wer in der Nähe eines Supermarktes wohnt, hört meistens sehr genau, wann dieser Markt beliefert wird: Der Lärm der LKW stört nicht nur, er liegt auch oftmals ohne weitergehende Schallschutzmaßnahmen über den erlaubten Grenzwerten. Ein Grund dafür ist, dass die in der Planungsphase berechneten Lärmimmissionen mit den später tatsächlich auftretenden nicht übereinstimmen.

Die Modelle, die den Schallberechnungen zugrunde liegen, weisen im Allgemeinen Ungenauigkeiten auf, weil sie typische Schallphänomene unberücksichtigt lassen. Deshalb hat die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Kooperation mit dem Institut für Angewandte Mechanik der Technischen Universität Braunschweig ein variables Modell einer Anlieferzone erstellt und daran gemessen, wie sich der Schall von Ladevorgängen unter verschiedenen Bedingungen ausbreitet. Auf der Grundlage dieser akustischen Messungen sollen Schwächen des Prognoseverfahrens behoben werden.

Lärmbelastungen durch Ladevorgänge von LKW treten in Wohngebieten vor allem an Nahversorgungsmärkten auf. Deshalb muss bereits im Genehmigungsverfahren vor dem Bau eines Supermarkts nachgewiesen werden, dass die Nachbarschaft nicht unzulässigem Lärm ausgesetzt wird. Doch die rechnerischen Prognosen, mit denen das geschieht, weisen prinzipielle Unsicherheiten bei den errechneten Schallpegeln auf. Sie berücksichtigen die komplexe geometrische Situation oft nicht ausreichend, wenn der Schall zum Beispiel an Häuserfassaden gebeugt oder von ihnen reflektiert wird. Aus diesem Grund werden Lärmbelastungen im Genehmigungsverfahren oft mit zu großen Unsicherheiten prognostiziert.

Das hat Folgen für die Wohnsituation, die Städteplanung und die Umwelt: Wird die Lärmbelastung niedriger eingestuft, als sie dann tatsächlich ist, werden die Anwohner durch die Ladevorgänge einer zu hohen Lärmbelastung ausgesetzt. Wird das Lärmpotential fälschlich als zu hoch eingestuft und werden dadurch kleine Supermärkte in Wohngebieten nicht genehmigt, dann öffnen mehr und mehr Supermärkte ihre Türen in Randbezirken. Das führt wiederum zu Zersiedelung und längeren Autofahrten, bei denen mehr Treibhausgase ausgestoßen werden.

Die Entwicklung eines neuen Berechnungsmodells wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert. Die Grundlage bilden akustische Messungen, die in der PTB durchgeführt wurden. Um die Schallausbreitung zu messen, haben die Wissenschaftler ein variables Modell eines LKW samt Supermarktfassade im Maßstab 1:8 aufgebaut. Dessen einzelne Bestandteile können verändert werden, um die Ausbreitung von Schallwellen unter verschiedenen räumlichen Bedingungen zu ermitteln. Die Messungen finden in einem Halbfreifeldraum statt, dessen Wände und Decke mit Schall absorbierenden Materialien ausgekleidet sind. Auf diese Weise wird das Verhalten des Schalls „unter freiem Himmel“ nachgebildet: Nur der Boden des Raumes und die Bauteile des Modells können den Schall reflektieren.

Bei der Schallermittlung an Modellen können die PTB-Wissenschaftler auf einen großen Erfahrungsreichtum zurückgreifen. Messungen an Modellen sparen enorme Kosten, die entstehen würden, wenn man für Schall-Messungen reale Gebäude baulich verändern müsste. Inzwischen sind die Messungen abgeschlossen. Sie bilden die Basis für die rechnerischen Modelle zur Schallprognose, die am Institut für Angewandte Mechanik der TU Braunschweig weiterentwickelt werden. ptb/msi

Ansprechpartner
Dr. Martin Schmelzer, PTB-Arbeitsgruppe 1.72 Angewandte Akustik,
Tel.: (0531) 592-1547, E-Mail: martin.schmelzer@ptb.de

Imke Frischmuth | idw
Weitere Informationen:
http://www.ptb.de
http://www.ptb.de/de/aktuelles/archiv/presseinfos/pi2010/pitext/pi100809.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Modernes, ökologisches Familienhaus für Naturverbundene
03.08.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Die Stadt wird zur Bühne und Häuser zu Leinwänden
03.08.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie