Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Uni Bonn entwickelt Hochleistungsdämmstoff

15.03.2016

Agrarwissenschaftler der Universität Bonn wollen einen neuartigen Putz mit herausragenden Wärmedämmeigenschaften entwickeln. Basis sind langjährige Untersuchungen und Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung mit nachwachsenden Rohstoffen, insbesondere mit sogenannten Großgräsern (Miscanthus x giganteus). Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Vorhaben mit rund 1,1 Millionen Euro.

Die Agrarwissenschaftler der Universität Bonn um Prof. Dr. Ralf Pude haben langjährige Erkenntnisse aus der Kultivierung von mehrjährigen Nachwachsenden Rohstoffen. Das Großgras Miscanthus x giganteus aus Asien wächst auch in heimischen Breiten erstaunlich schnell und wird bis zu vier Meter hoch. „Im Winter reifen die Halme ab und liefern einen außergewöhnlich stark strukturierten Porenraum, der sich vorzüglich als Dämmstoff eignet“, berichtet Prof Pude.


Nehmen den neuartigen Dämmputz aus Miscanthus-Partikeln in Augenschein: Prof. Dr. Ralf Pude (links) von der Universität Bonn und Michael Petry von der Firma Petry Oberflächentechnik.

© Foto: Volker Lannert/Uni Bonn

Einzigartige Porenverteilung dient als „Wärmefalle“

Zusammen mit Michael Petry von der Firma Petry Oberflächentechnik erforschte Prof. Pude seit mehreren Jahren, für welche technischen Zwecke sich die besonderen Eigenschaften des Großgrases am besten nutzen lassen. Ein Bestandteil, das sogenannte schwammartige Parenchym, zeigt eine einzigartige Porenverteilung und sorgt im Dämmstoff dafür, dass die Wärmeenergie den so entstandenen Porenraum schwer durchdringen kann.

Die Wissenschaftler bringen nun speziell präparierte Miscanthus-Partikel in ein wasserabweisendes Bindemittel ein, wodurch eine porenreiche Masse entsteht, die erstmalig mit einer Spritztechnik aufgebracht werden kann. Diese Verarbeitung verhindert, dass sich das Miscanthus-Gewebe mit Wasser vollsaugen und dadurch seine wärmedämmenden Eigenschaften verlieren kann. Zum anderen wirkt es wie ein Klebstoff. Eine nur zwei Zentimeter dicke Schicht aus dem entwickelten Dämmstoff zeigt bei internen Messungen hervorragende Dämmwerte.

Miscanthus übernimmt große Teile der Produktion auf dem Feld

„Die Miscanthus-Pflanze nimmt uns bereits große Teile der Produktion ab – sie liefert ein Halbfertigprodukt auf dem Feld“, sagt Petry. Deshalb bedarf es in der weiteren Fertigung nur noch eines passenden Bindemittels, um daraus einen Dämmstoff mit maßgeschneiderten Eigenschaften für die unterschiedlichsten Zwecke zu kreieren. Die Erkenntnisse der letzten zehn Jahre führen nun zu einem Forschungsvorhaben, bei dem die Entwicklung eines mineralischen Dämmputzes im Vordergrund steht. Die Wissenschaftler sind zuversichtlich, dass sich der „Miscanthus-Putz“ für bautechnische Anwendungen hervorragend eignet.

Die Erfinder haben ein Patent angemeldet

Die Wissenschaftler haben vor wenigen Monaten für ihre Erfindung ein Patent angemeldet. Mit Hilfe der Förderung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro soll der neuartige Dämmputz nun entwickelt, optimiert und weitere Projektpartner gefunden werden. „Wir stehen kurz vor dem Durchbruch zu einzigartigen Hochleistungsdämmstoffen aus Nachwachsenden Rohstoffen, bei der die Pflanzen den sonst notwendigen Primärenergieeinsatz leisten“, sagt Prof. Pude.

Kontakt für die Medien:

Prof. Dr. Ralf Pude
Geschäftsführer der Außenlabore Agrar, Geodäsie, Ernährung
Leiter des Fachbereichs Nachwachsende Rohstoffe
Universität Bonn
Tel. 02225/99963-37
E-Mail: r.pude@uni-bonn.de

Johannes Seiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Baufritz-Holzhäuser: Zwei bessere Hälften
24.08.2016 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Sonnenhäuser wissenschaftlich bewertet
21.07.2016 | FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Meteoriteneinschlag im Nano-Format

Mit energiereichen Ionen lassen sich erstaunliche Nanostrukturen auf Kristalloberflächen erzeugen. Experimente und Berechnungen der TU Wien können diese Effekte nun erklären.

Ein Meteorit, der in flachem Winkel auf die Erde trifft, kann gewaltige Verwüstungen anrichten: Er schrammt über die Erdoberfläche und legt oft eine lange...

Im Focus: Flexibel statt starr

Gezielter und effizienter Transport zellulärer Frachten durch physikalischen Mechanismus

Damit Zellen richtig funktionieren können, müssen Frachten innerhalb der Zelle ständig von einem Ort zum anderen transportiert werden, wobei es ähnlich zugeht...

Im Focus: Elektronen am Tempolimit

Elektronische Bauteile werden seit Jahren immer schneller und machen damit leistungsfähige Computer und andere Technologien möglich. Wie schnell sich Elektronen mit elektrischen Feldern letztendlich kontrollieren lassen, haben jetzt Forscher an der ETH Zürich untersucht. Ihre Erkenntnisse sind wichtig für die Petahertz-Elektronik der Zukunft.

Geschwindigkeit mag keine Hexerei sein, doch sie ist die Grundlage für Technologien, die nicht selten wie Magie anmuten. Moderne Computer etwa sind so...

Im Focus: Forscher beobachten, wie Chaperone defekte Proteine erkennen

Proteine, auch Eiweiße genannt, erfüllen in unserem Körper lebenswichtige Funktionen: Sie transportieren Stoffe, bekämpfen Krankheitserreger oder fungieren als Katalysatoren. Damit diese Prozesse zuverlässig funktionieren, müssen die Proteine eine definierte dreidimensionale Struktur annehmen. Molekulare Faltungshelfer, die sogenannten Chaperone, kontrollieren den Strukturierungsprozess. Ein Forscherteam unter der Beteiligung der Technischen Universität München (TUM) konnte nun herausfinden, wie Chaperone besonders gefährliche Fehler in diesem Strukturierungsprozess erkennen. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin "Molecular Cell" veröffentlicht.

Chaperone sind sozusagen die TÜV-Prüfer der Zelle. Es handelt sich um Proteine, die wiederum andere Proteine auf Qualitätsmängel untersuchen, bevor diese die...

Im Focus: Mikroskopieren mit einzelnen Ionen

Neuartiges Ionenmikroskop nutzt einzelne Ionen, um Abbildungen mit einer Auflösung im Nanometerbereich zu erzeugen

Wissenschaftler um Georg Jacob von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz haben ein Ionenmikroskop entwickelt, das nur mit exakt einem Ion pro Bildpixel...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Electronics Goes Green“ – die weltweit größte Fachtagung zu Nachhaltigkeit in der Elektronik

30.08.2016 | Veranstaltungen

Aachen macht (3D-)Druck

30.08.2016 | Veranstaltungen

Fachkonferenz: Sichere Trinkwasserversorgung in Entwicklungsländern

30.08.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Laser, LED und OLED: Duell im Scheinwerferlicht

30.08.2016 | Seminare Workshops

Zuverlässige Schalter

30.08.2016 | Seminare Workshops

Krebserkrankungen: Tumorkachexien molekular abschalten

30.08.2016 | Biowissenschaften Chemie