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Strohballenhaus überlebt starke Erdbeben

07.04.2009
US-Forscher konzipieren nachhaltig gebaute Häuser für Pakistan

In einer Erdbeben-Simulation an der University of Nevada in Reno hat das vier mal vier Meter große Gebäude aus Strohballen auch Schwingungen widerstanden, die um 200 Prozent stärker waren, als das Erdbeben in Kalifornien im Jahr 1994.

Außer, dass eine Wolke aus Staub und Strohteilchen aus den Wänden kamen, hat das Haus, das von der Ingenieurin Darcey Donovan konstruiert wurde, die Versuche unbeschadet überstanden, berichtet das Wissenschaftsmagazin Science Daily.

Seit 2006 arbeitet Donovan an einer kostengünstigen Variante eines erdbebensicheren und erdbebentauglichen Gebäudes für die entlegenen pakistanischen Provinzen am Fuße des Himalayas. "Für die Konstruktion dieses außergewöhnlichen Gebäudes hat die Ingenieurin Strohballen verwendet, die mit Lehm verputzt waren", meint Rudolf Bintinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gruppe Angepasste Technologien (GrAT) http://www.grat.at an der TU-Wien im pressetext-Interview. Offensichtlich habe man hier Wert darauf gelegt, möglichst günstig mit lokal verfügbaren Ressourcen zu arbeiten, so der Experte. "Wir haben auch in Österreich Erfahrungen mit Strohhäusern, denn diese weisen sehr viele Vorteile auf." Einerseits sei die Wärmedämmung von Stroh sehr gut. "Auch die Wärmespeicherkapazität von Stroh ist sehr hoch und entspricht etwa dem drei- bis vierfachen von Mineralwolle."

Die Gruppe Angepasste Technologien ist federführend, was die Forschung und Entwicklung im Bereich Strohbau http://www.s-house.at betrifft. "Seit Ende der 90er Jahre arbeiten wir daran, den Strohbau auch in Österreich salonfähig zu machen. Bis heute gibt es ca. 300 Gebäude in Österreich. Die Tendenz ist steigend", so Bintinger. "Der Strohballen ist als Baustoff nicht nur für Katastrophengebiete geeignet - die GrAT arbeitet daran, die Rahmenbedingungen für diesen Baustoff auch in Österreich weiter zu verbessern." Dazu gehöre auch die Zulassung des Strohs als ganz normaler Baustoff.

"Dank optimierter Ressourcen und technischem Kow-how wird Stroh als Bau- und Dämmstoff für Planer, Baumeister und Zimmereibetriebe immer interessanter. Aktuelle Beispiele und verbesserte Nutzungsbedingungen geben sowohl Produzenten wie auch Anwendern die Möglichkeit, nachhaltige sowie ökologische Raumlösungen zu generieren", erklärt Bintinger. Mit dem S-House wurde das "Faktor 10"-Konzept im Baubereich umgesetzt und den Kriterien nachhaltigen Bauens entsprochen. Durch die Verwendung nachwachsender Rohstoffe und die Minimierung fossiler und mineralischer Materialien verringert sich der Ressourcenverbrauch ebenfalls beträchtlich. Der Vergleich einer Strohwandkonstruktion mit einem konventionellen Wandaufbau habe gezeigt, dass die Strohwand in allen Berechnungskriterien um bis zum Faktor zehn besser abschneidet. Durch die Verwendung von Stroh als Baustoff können somit die negativen Auswirkungen auf die Umwelt wesentlich verringert werden, schließen die Experten.

Zufrieden mit dem Ergebnis zeigt sich auch Donovan, die auch Gründerin und CEO der Non-Profit-Organisation "Pakistan Straw Bale and Appropriate Building" (PAKSBAB) ist. Die meisten der insgesamt 100.000 Todesopfer beim schweren Erdbeben in Pakistan 2005 waren jene, die von herabstürzenden Gebäudetrümmern getroffen wurden oder deren Häuser direkt über ihnen zusammenstürzten. "Neben einer geeigneten Gebäudekonzeption, die auch solchen Beben standhält, ist der Kostenfaktor ein weiteres wichtiges Argument", so Donovan. "Strohhäuser gibt es überall, aber die, die wir brauchen, müssen einfach hergestellt werden", betont die Ingenieurin. Daher habe man das ganze Gebäude aus Strohballen gebaut. Die Ballen wurdn mit einer im Punjab üblichen Strohpresse gepresst. Neben seiner Standhaftigkeit wies das Strohgebäude auch noch eine um 80 Prozent bessere Energiebilanz als konventionelle Häuser auf, die Baukosten lagen sogar nur bei der Hälfte.

"Auch die GrAT plant ein ähnliches Projekt", so Bintinger. "Strohballenbau in Wiederaufbaugebieten in Pakistan mit einem lokalen pakistanischen Partner (Aga Khan Foundation) sowie einem Schweizer Projektpartner", erklärt Bintinger abschließend.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.unr.edu

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