Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Passivhäuser der Zukunft planen

07.09.2012
Passivhäuser sind rund um den Globus auf dem Vormarsch. Dabei muss das Klima der entsprechenden Länder bei dieser speziellen Bauweise berücksichtigt werden.
Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP hat jetzt in Kooperation mit dem Passive House Institute US (PHIUS) die Planungssoftware WUFI® Passive für Passivhäuser in Nordamerika entwickelt. Grundlage dafür war das am Fraunhofer IBP entwickelte hygrothermische Gebäudesimulationsprogramm WUFI® Plus.

Passivhäuser zeichnen sich durch einen extrem niedrigen Energiebedarf aus. Strenge Zertifizierungsrichtlinien regeln beispielsweise die Grenzwerte für den Primärenergiebedarf oder die Luftdichtheit eines Gebäudes. In Zeiten schwindender fossiler Energieträger und eines nachhaltigen Einsatzes erneuerbarer Energien werden solche Standards in der Gebäudeplanung wichtiger denn je. Passivhäuser belegen, dass eine zukunftsfähige Lösung zuverlässig funktioniert. Gegenüber dem in den USA bestehenden Durchschnitt von 215kWh/(m²a), spart das Passivhaus 65 bis 85 Prozent der Endenergie ein – und für den geringen dann noch bestehenden Rest gibt es eine Vielzahl ökonomisch tragfähiger nachhaltiger Versorgungslösungen.

WUFI® Passive – Ein Planungstool für die USA

Der ursprünglich in den USA entwickelte und in deutschsprachigen und skandinavischen Ländern entstandene Trend zum Passivhaus hat längst auch viele andere Nationen erreicht. Passivhausplaner in Nordamerika standen häufig vor dem Problem, das in Deutschland entwickelte Planungstool an die feucht-warmen Klimabedingungen, die in einigen Regionen der USA herrschen, anzupassen. »Zur realitätsnahen Abbildung des energetischen und feuchtetechnischen Verhaltens von Passivhäusern in Klimazonen, in denen das Kühlen und Entfeuchten der Raumluft eine größere Rolle spielen, sind instationäre und meist mit Stundenwerten arbeitende Planungsmodelle erforderlich«, erläutert Dr. Hartwig Künzel vom Fraunhofer IBP die Sachlage.

Trekhaus - ein amerikanisches Passivhaus.
© Courtesy Robert Hawthorne and Passive House Institute US

Aufgrund des inzwischen erlangten Bekanntheitsgrades der Fraunhofer IBP Softwarefamilie WUFI® sowie des langjährigen Engagements des Instituts im Bereich Hygrothermik in Nordamerika, wandte sich PHIUS an das Fraunhofer IBP. Ziel war es, auf Basis des Gebäudesimulationsprogramms WUFI® Plus, ein neues Planungspaket zu entwickeln, das an die Anforderungen und Bedürfnisse der amerikanischen Passivehouse Community angepasst war. Entstanden ist dabei ein benutzerfreundliches Tool, das in seiner Anwendung schnell erlernbar ist und Eingabefehler frühzeitig aufzeigt.

»Die ersten Schulungen laufen bereits und bisher waren die Rückmeldungen der Teilnehmer durchweg sehr positiv«, freut sich Katrin Klingenberg, Executive Director bei PHIUS. Ende September wird das neue WUFI® Passive vom Leiter des WUFI® Plus Entwicklungsteams Florian Antretter auf der 7th Annual North American Passive House Conference in Denver, USA vorgestellt.

Internationale Standards schaffen

In einem nächsten Schritt möchten die Forscher am Fraunhofer IBP gemeinsam mit PHIUS die vorhandenen Modelle mit Partnern aus anderen Ländern weiterentwickeln, um einen internationalen Konsens bei der Definition klimaspezifischer Anforderungen an Passivhäuser zu erreichen. Als Ergebnis soll den Passivhausplanern weltweit ein umfassendes Planungs- und Zertifizierungswerkzeug zur Verfügung gestellt werden. In Zukunft sollen darüber hinaus Module zur Berücksichtigung von lokalen Energieerzeugungssystemen in das neue Planungspaket integriert werden. »Damit wären dann auch Plusenergiehäuser planbar – und diesem Gebäudemodell gehört die Zukunft«, betont Prof. Gerd Hauser, Leiter des Fraunhofer IBP und Begründer des deutschen Gebäudeenergieausweises.

Die Aufgaben des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik, IBP konzentrieren sich auf Forschung, Entwicklung, Prüfung, Demonstration und Beratung auf den Gebieten der Bauphysik. Dazu zählen z. B. der Schutz gegen Lärm und Schallschutzmaßnahmen in Gebäuden, die Optimierung der Akustik in Räumen, Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und Optimierung der Lichttechnik, Fragen des Raumklimas, der Hygiene, des Gesundheitsschutzes und der Baustoffemissionen sowie die Aspekte des Wärme-, Feuchte- und Witterungsschutzes, der Bausubstanzerhaltung und der Denkmalpflege. Über eine ganzheitliche Bilanzierung werden Produkte, Prozesse und Dienstleistungen unter ökologischen, sozialen und technischen Gesichtspunkten analysiert, um damit die Nachhaltigkeit, die nachhaltige Optimierung und die Förderung von Innovationsprozessen zu bewerten. Die Forschungsfelder Bauchemie, Baubiologie und Hygiene sowie das Arbeitsgebiet Betontechnologie komplettieren das bauphysikalische Leistungsspektrum des Instituts. Der Standort Kassel verstärkt die traditionellen Aktivitäten auf den Gebieten der rationellen Energieverwendung und bündelt die Entwicklung von anlagentechnischen Komponenten.

Weitere Ansprechpartner
Pressereferentin: Tanja Fleck
Telefon +49 8024 643-626
tanja.fleck@ibp.fraunhofer.de
Fraunhofer-Institut für Bauphysik, Standort Holzkirchen

WUFI® Passive: Florian Antretter
Telefon +49 8024 643-242
florian.antretter@ibp.fraunhofer.de
Fraunhofer-Institut für Bauphysik, Standort Holzkirchen

Janis Eitner | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.ibp.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Holzhäuser bei grauer Energie im grünen Bereich
22.06.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Wie Menschen Schäden an Gebäuden wahrnehmen
22.06.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften