Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das «NEST» macht Experimente am Bau möglich

10.01.2012
Gebäude stehen für lange Zeit. Doch genau das behindert die Experimentierfreude am Bau.

Die Empa bietet mit dem Forschungsprojekt «NEST» nun einen Ausweg aus diesem Dilemma: Im NEST ist nur das tragende Rückgrat von Dauer – alle Räume, samt ihrer Fassaden, sind dagegen austauschbar. In den einzelnen Forschungsmodulen lassen sich Raumkonzepte, Energiemanagement und Materialien der Zukunft ausprobieren. Ende des Jahres könnte NEST reif für die Baueingabe sein.


Das geplante Forschungshaus NEST auf dem Empa-Gelände in Dübendorf. (Grafik: Empa / Gramazio & Kohler)

Die Baubranche gilt als konservativ und eher «resistent» gegen visionäre Konzepte. Kein Wunder: Gebäude müssen schliesslich von Anfang an funktionieren – so verlangt es die Bauherrschaft. Wenn sich Architekten oder Bauunternehmen Experimente erlauben, drohen schnell Schadenersatzklagen.

Doch dieses Problem ist lösbar, glaubt Peter Richner, Direktionsmitglied der Empa und Leiter des Departements «Bau- und Maschineningenieurwesen». Mit seinen Kollegen hat er das Gebäudelabor «NEST» erdacht, das vom Empa-Gelände in Dübendorf aus der Bauforschung neue Impulse verleihen könnte: In ein Stahlbetonskelett mit fünf offenen Stockwerken lassen sich Forschungsmodule einschieben, die sich dann im Alltagseinsatz bewähren müssen. Möglich sind sowohl Wohn- als auch Büroräume – einstöckige Konstruktionen ebenso wie zweistöckige Bauten oder ganze Stockwerke in Leichtbauweise. Die Initiative zu dem Projekt wird getragen von der Empa, Eawag, ETH Zürich und EPF Lausanne.

Bewährungsprobe für visionäre Baukonzepte

Das Stahlbetonskelett – der «backbone» – stellt dabei die Versorgung der Raummodule sicher: Treppenhäuser und Versorgungslifte, Wasser, Heizung, Strom und Internetanschlüsse sind im backbone installiert; spezielle, normierte Anschlüsse verbinden die Module mit der Infrastruktur.

Auf mehr als 600 Quadratmeter Nutzfläche pro Stockwerk werden die Forschungsmodule installiert. Sie sind in ihrer Ausgestaltung völlig unabhängig: Hier können visionäre und pragmatische Ideen, modernistische und traditionelle Wohnkonzepte gegeneinander antreten: Auch ungewöhnliche Ideen wären machbar, etwa ein «Flatscreen-Loft», in dem die Fenster radikal weggelassen und durch Webcams aussen und Flachbildschirme innen ersetzt worden sind. Direkt daneben liesse sich ein Passiv-Wohnmodul für wissenschaftliche Gäste verankern, das auf modernen Naturwerkstoffen basiert und natürlichen Komfort mit minimaler Technik zu erzeugen vermag. Das Nachbarmodul wiederum verfolgt den gegenteiligen Ansatz: Neueste Heizungs- und Lüftungselektronik sorgt fürs Wohlbefinden – alles wird gesteuert via Smartphone.

Das experimentelle Gebäude soll jedoch nicht nur schrille Ideen generieren, sondern schneller als anderswo möglich zu brauchbaren Zukunftskonzepten führen. Was gut ist, setzt sich durch – was weniger gut funktioniert, wird nach zwei Jahren durch ein anderes Modul ersetzt. Darwinismus im Hausbau.

Wie lebt es sich in der Wohnung von morgen?

Freilich hätte eine Kombination reiner Schaustück-Module noch wenig wissenschaftliche Aussagekraft. Darum sollen ins NEST Menschen einziehen und ihre Erfahrungen dokumentieren. Geplant ist eine gemischte Nutzung aus Grossraumbüros, Konferenzsälen und Wohnungen: So haben die NEST-Bewohnenden die Chance zu erfahren, wie Häuser der Zukunft auf die Menschen wirken.

Für die verschiedenen Projektphasen möchte Departementsleiter Richner Wettbewerbe ausschreiben. Themen wie «Gebäudeautomation vs. passive Klimatisierung» wären möglich; verschiedene Varianten einer Altbausanierung könnten untersucht werden. Und da jedes Modul an einem eigenen Versorgungsstrang hängt, lassen sich Wärmeflüsse, Kältebedarf im Sommer, Strom- und Wasserverbrauch aufzeichnen und exakt vergleichen. Schliesslich dient NEST auch dem Wasserforschungsinstitut Eawag als Forschungslabor: Die Wasserver- und -entsorgung wird erprobt, neue Recyclingvarianten für so genanntes Grau- und Schwarzwasser können am realen Objekt und unter definierten Bedingungen getestet werden.

Industriepartner sind gesucht

Noch existiert das wohl ehrgeizigste Bauforschungsprojekt der Schweiz nur auf dem Papier. Zurzeit laufen die Detailplanungen, um für den backbone die Baueingabe vorzubereiten, die Ende 2012 erfolgen soll. Nun läuft die Suche nach der Finanzierung und nach Industriepartnern im In- und Ausland, die bei der ersten Versuchsbelegung von NEST mit an Bord sein wollen. Auch nach der ersten Versuchsphase wird NEST ständig sein Gesicht verändern und den heissen Fragen rund ums Wohnen und Arbeiten auf der Spur sein. In Seminaren und Konferenzreihen wird dieses Wissen dann der Bauwirtschaft vermittelt.

Weitere Informationen
Dr. Peter Richner, Bau- und Maschineningenieurwesen,
Tel. ++41 58 765 41 40, peter.richner@empa.ch

Sabine Voser | EMPA
Weitere Informationen:
http://www.empa.ch/NEST

Weitere Berichte zu: Baueingabe Empa Forschungsmodule Modul NEST Stahlbetonskelett Stockwerk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen
23.03.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Neues Mehrfamilienhaus-Konzept vom Ökohaus-Pionier
21.03.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen