Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

„Mehr Licht!“? - FH Dortmund untersucht Licht-Gestaltung im öffentlichen Raum

25.01.2011
Zu viel, zu hell, zu lange. Obwohl Licht generell positiv gesehen wird, ist ein Mehr selbst beim Thema Beleuchtung nicht immer besser.

Zu dieser Schlussfolgerung kommen auch Dennis Köhler, Dr. Stefan Hochstadt und Prof. Dr. Manfred Walz vom Fachbereich Architektur der Fachhochschule Dortmund, die sich wissenschaftlich mit Licht im öffentlichen Raum beschäftigen.

Die Beleuchtung öffentlicher Plätze verursacht immense Kosten für die Kommunen und kann sogar negative Effekte haben, z. B. auf Tiere. Deshalb fordern die Wissenschaftler ein Lichtkonzept, eine individuelle Lichtleitplanung für jede Stadt, bei der Kommunalpartner, Werbetreibende und Bürger an einen Tisch geholt werden. Die einzelnen Partner haben unterschiedliche Ansprüche, die um die Aufmerksamkeit der Menschen wetteifern. Mit einer gemeinsamen Lichtplanung können möglichst viele Aspekte berücksichtigt werden, ohne sich gegenseitig „auszublenden“.

Nach einer Bestandsaufnahme, die Ort und Art der Leuchtstellen kartiert, sollte jede einzeln hinterfragt werden. Dient sie der Straßenbeleuchtung, hat sie Werbewirkung oder gestaltet sie in raumplanerischer Hinsicht? Müssen alle Straßenlaternen die ganze Nacht durch leuchten? Kann deren Licht vielleicht so ausgerichtet werden, dass möglichst viel Licht dort landet, wo es hin soll, nämlich auf der Straße und den Gehwegen, aber möglichst wenig im Schlafzimmer der Anwohner, die dadurch schlechter schlafen?

Entscheidend sind oft wirtschaftliche Faktoren, aber auch da gilt es, genau hinzusehen. Denn nicht der Stromverbrauch, sondern die Wartung und der Austausch der Leuchtmittel verursachen den größten Teil der Kosten. Auch bei der Wahl der Leuchtmittel spielen nicht nur EU-Normen eine Rolle: Natriumdampf-Lampen erzeugen ein gelbliches Licht, das weniger Insekten anlockt, für die Weißlicht-Lampen oft zur tödlichen Falle werden. Menschen hingegen können im gelben Licht Gesichter weniger gut erkennen, wodurch sich wiederum das subjektive Sicherheitsempfinden verringert. In welchen Räumen welche Argumente den Ausschlag geben sollten, können am besten die entscheiden, die sie nutzen, deshalb werden für die Bestandsaufnahme in den Städten die Bürger nach ihren Erwartungen und Wünschen befragt.

„Dabei bekommen wir die besten Hinweise, wo sich Einsparungen anbieten“, berichtet Dennis Köhler aus bisherigen Projekten.

Für die Umsetzung solcher weit reichenden Lichtkonzepte gelte üblicherweise eine Zeitachse von fünf bis zehn Jahren, gibt Prof. Manfred Walz zu bedenken. Schnelle und relativ kostengünstige stadträumliche Effekte erzielen Kommunen oft mit einer so genannten „Effekt-Beleuchtung“. Vor bunten, auffälligen Lichtprojektionen aber warnt Köhler: „Man läuft Gefahr, dem Gebäude einen Lichtpullover überzustülpen, der ihm überhaupt nicht passt!“ Man solle sich vorher die Frage stellen, welche Räume man inszenieren will und mit welchem Charakter. „Sonst werden sie bespielt – im schlechtesten Sinn des Wortes“, fügt Dr. Stefan Hochstadt an, denn auch dazu eigne sich Licht – leider. Bei Gebäuden kann gezieltes Licht beispielsweise architektonische Besonderheiten oder Details hervorheben, statt einfach durch viel Helligkeit denselben Eindruck wie bei Tage zu produzieren. Deswegen gilt für die Lichtgestaltung: nicht unbedingt mehr, heller, länger – sondern einfach anders.

Kasten:
Hintergründe gibt es im Buch „LichtRegion – Positionen und Perspektiven im Ruhrgebiet“, das im Klartext-Verlag erschienen ist und von der RWE-Stiftung unterstützt wurde. Die Herausgeber Dennis Köhler, Prof. Dr. Manfred Walz und Dr. Stefan Hochstadt vom Fachbereich Architektur der Fachhochschule Dortmund zeigen die Besonderheiten der Region und die Vorteile eines gemeinsamen Lichtkonzeptes.

Nicht zuletzt die Luftbilder vom Ruhrgebiet bei Nacht des Fotografen Hans Blossey geben ungewöhnliche Einblicke und regen an, sich selbst auf nächtliche Erkundungstour zu begeben. Orientierungshilfen gibt es, ergänzend zum Buch, unter dem Stichwort Geokartierung auf http://www.fh-dortmund.de/licht-raum.

Kontakt: Dennis Köhler, 0231-755-4418, dennis.koehler@fh-dortmund.de

Cornelia von Soosten | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-dortmund.de/licht-raum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Bauübergabe der ALMA-Residencia
26.04.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

nachricht Mehr Sicherheit und Effizienz im Tunnelbau - DFKI-Software steuert Wartungsroboter für Bohrwerkzeug
19.04.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie