Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lärmschutzwände - Wie alte Reifen vor Lärm schützen

03.12.2008
Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung der TU Chemnitz hat mit Hilfe von Gummirecyclinggranulaten die Eigenschaften von Lärmschutzwänden verbessert

Fast 50.000.000 Kraftfahrzeuge waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Anfang 2008 in Deutschland angemeldet; mehr als 15.000 Lokomotiven und Triebwagen zogen bei der letzten Erhebung des Bundesamtes Anfang 2005 einen Bestand von über 12.000 Reise- und fast 103.000 Güterwagen über Deutschlands Gleise.

Tendenz steigend. Neben einer wachsenden Mobilität ergibt sich dadurch eine immer höhere Lärmbelastung - mit negativen Auswirkungen für Menschen und Umwelt. Lärmschutzwände entlang von Straßen und Zugstrecken sollen die gesundheitsschädlichen Dauergeräuschpegel senken.

"Die Errichtung von Lärmschutzwänden ist ein Grundgedanke des Umweltschutzes und wird auch in den nächsten Jahren von besonderem Interesse sein", schätzt Dr. Sandra Gelbrich ein, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung der TU Chemnitz.

Die Forscher der Professur haben eine Werkstoffkombination entwickelt und umfassend analysiert, die die akustischen, mechanischen und materialtechnischen, aber auch die wirtschaftlichen und ökologischen Anforderungen an Lärmschutzsysteme optimal erfüllt. Unterstützt wurden die TU-Wissenschaftler dabei von den regionalen Unternehmen Betonwerk Schuster GmbH, Mülsener Recycling- und Handelsgesellschaft sowie FASA AG.

"Wir haben ein Lärmschutzsystem auf Basis von Recyclinggranulaten entwickelt, geprüft und zertifiziert", erklärt Gelbrich. Dieses System besteht aus einer Tragschicht aus Normalbeton mit Stahlbewehrung und einer neuen Vorsatzschale aus modifiziertem Leichtbeton. Dieser Leichtbeton wird gemischt aus Zement, Gesteinskörnungen sowie aufbereiteten, mineralisch beschichteten Recyclinggummigranulaten aus Altreifen und speziellen Zusätzen. Die Eignung als Lärmschutzwand ist durch Messungen der TU Chemnitz sowie der SLG Prüf- und Zertifizierungs-GmbH in Hartmannsdorf bei Chemnitz nachgewiesen.

Dabei wurden die vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung 2006 in den "Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Lärmschutzwände" geforderten Werte deutlich übertroffen. "Insbesondere der Schallabsorptionsgrad erreichte Werte von bis zu elf Dezibel, was eine Klassifizierung der neuen gummimodifizierten Lärmschutzwand als hochabsorbierend erlaubt", berichtet Gelbrich und ergänzt: "Die besondere Innovation unserer Forschung ist die mineralische Beschichtung und anschließende Einbindung von Granulaten aus recyceltem Gummi in die Betonmatrix."

Das Recycling von Gummi ist aufgrund der Materialeigenschaften schwierig. Alte Reifen wurden deshalb in der Vergangenheit häufig verbrannt. Eine Alternative ist, die Gummireifen zu granulieren bzw. zu mahlen. So zerkleinert können sie nun dank der neuen Entwicklung entlang von Straßen und Schienen für Ruhe sorgen. Um die Haftung zwischen der Betonmatrix und den Granulaten zu verbessern, haben die Forscher der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung eine mineralische Beschichtung entwickelt, die hauptsächlich aus Polyurethanharz und Steinmehl besteht. Dadurch wird der Werkstoffverbund elastischer und das Verbundverhalten besser: Die Kriech- und Schwindneigung sinkt, ebenso die Rissempfindlichkeit; Elastizität und Dämpfung steigen. Weitere Vorteile der Neuentwicklung sind eine sehr gute Frost-Tausalz-Beständigkeit, eine gute Steinwurfresistenz, hohe Haftverbundfestigkeit, hoher Schallschutz sowie gute Druck- und Verschleißfestigkeit.

In Zusammenarbeit der Forschungspartner mit dem Straßenbauamt Döbeln entstanden im Rahmen des Projektes zwei großformatige Referenzfelder mit jeweils drei Lärmschutzplatten pro neuer Lärmschutzwand. Diese wurden im Rahmen des Ausbaus der Bundesstraße B87 westlich des Ortsausganges von Torgau bei Leipzig errichtet. "Im Rahmen dieses Referenzobjektes führen wir auch weiterhin jährlich materialtechnische, statische sowie schalltechnische Prüfungen zur Bestimmung der Langzeiteigenschaften durch", sagt Gelbrich.

Das Projekt wurde drei Jahre von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) im Rahmen des Förderprogramms PRO INNO II unterstützt.

Weitere Informationen erteilt Dr. Sandra Gelbrich, Telefon 0371 531-32192, E-Mail sandra.gelbrich@mb.tu-chemnitz.de.

Katharina Thehos | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“
17.01.2017 | EML European Media Laboratory GmbH

nachricht Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten
16.01.2017 | Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Geothermie: Den Sommer im Winter ernten

18.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Kompositmaterial für die Wasseraufbereitung

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht

18.01.2017 | Informationstechnologie