Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Kuppelbau aus reinem Eis – Weltneuheit in Obergurgl

26.01.2011
Ein Bauingenieur-Team der Technischen Universität (TU) Wien baut diesmal auf Eis statt auf Stahlbeton: In Obergurgl entstand in einem ausgeklügelten Bauverfahren eine Eiskuppel mit 10m Durchmesser, die nun als Bar genutzt wird.

Bauwerke aus Eis und Schnee zu formen – damit hat wohl jeder als Kind experimentiert. Eis als Baumaterial ist allerdings auch in der Wissenschaft ein Thema. In der Forschungsgruppe von Prof. Kollegger vom Institut für Tragkonstruktionen wird untersucht, wie man große, stabile Kuppeln aus Eis bauen kann.


Die Eiskuppel, von innen beleuchtet
TU Wien


Die Eiskuppel wird errichtet - zunächst mit Hilfe eines stützenden Holzturmes.
TU Wien

Nach einer ausführlichen Vorbereitungs- und Forschungsphase wurde in Obergurgl nun weltweit zum ersten Mal eine neue Eiskuppelbauweise in der Praxis getestet. Das Bauwerk mit einem Durchmesser von über 10 Metern wird jetzt als Bar genützt – zumindest solange die Wintertemperaturen das erlauben.

Eis als Baumaterial ist eigentlich nichts Neues: Ganze Eis-Hotels wurden bereits errichtet. „Allerdings ist das Eis dabei meist kein tragendes Bauelement, sondern dient nur als Verkleidung für die eigentliche Konstruktion“, erklärt Prof. Kollegger. Beim Projekt der TU Wien allerdings entstand eine Eiskuppel, die ganz alleine, ohne zusätzliche Verstärkungen durch andere Baumaterialien stabil stehen bleibt. Schon in den vergangenen Jahren gab es dazu theoretische Berechnungen und mehrere Experimente. Mit der nun entwickelten Technik lassen sich Eiskonstruktionen errichten, die groß und stabil genug sind, um tatsächlich als benutzbares Bauwerk zu dienen.

Langsame Verformung wie am Gletscher

Zunächst wird bei der neuen Kuppelbau-Technik eine 20 Zentimeter dicke Eisplatte in maßgeschneiderte Bauteile zersägt, dann müssen die zweidimensionalen Platten in eine dreidimensionale Struktur umgeformt werden. Das TU-Forschungsteam nützt dazu eine Eigenschaft des Eises, die man als „Kriechverhalten“ bezeichnet. Wird das Eis durch Druck belastet, kann es sich langsam, stetig und kontinuierlich verformen, ohne dabei zu brechen. Das Fließen von Gletschern folgt demselben Prinzip. „Die Eis-Platten werden auf Holzstapeln platziert. Unter der Last des eigenen Gewichtes beginnt sich das Eis dann ganz von selbst zu verformen, und ein gebogenes Kuppelsegment entsteht“, erklärt Sonja Dallinger, Assistentin am Institut für Tragkonstruktionen. Sie leitete direkt vor Ort in Obergurgel das Bauexperiment.

Die größte Herausforderung besteht darin, einen Bruch der einzelnen gekrümmten Bauteile beim Zusammenfügen zu einer Kuppel zu verhindern. Zu diesem Zweck wird zunächst ein Holzturm errichtet und die Kuppelsegmente werden mit Stahlseilen zusammengehalten. Erst wenn alle Segmente am richtigen Ort fixiert worden sind, kann der Holzturm entfernt werden und die Eiskuppel steht ganz von alleine.

Beton und Eis – ähnlicher als man denkt

Dass ein Forschungsteam, das sich normalerweise mit Betonbau beschäftigt, ein Eis-Projekt in Angriff nimmt, ist naheliegender als man zunächst glauben könnte: „Beton und Eis haben vieles gemeinsam“, erklärt Sonja Dallinger. Beide Werkstoffe sind gießfähig und spröde. Auch Beton zeigt, ähnlich wie Eis, ein Kriechverhalten.

Die coolste Bar Österreichs

Errichtet wurde die Eiskuppel vor dem Wellness-Bereich des Hotels Alpina der Familie Platzer in Obergurgl. Familie Platzer betreut auch das Forscherteam der TU Wien in ihrem Vierstern-Deluxe-Hotel. Das TU-Bauwerk wird dort nun als Eis-Bar genutzt. Die Getränke bleiben dort garantiert schön kalt – aber ob man sich in dieser Bar im klassischen Cocktail-Kleid wohlfühlt, muss sich wohl erst zeigen.

Rückfragehinweise:
Prof. Johann Kollegger
Institut für Tragkonstruktionen
Technische Universität Wien
T: +43-1-58801-21202
T: +43-664-605882121
johann.kollegger@tuwien.ac.at
Dipl.-Ing. Sonja Dallinger
Institut für Tragkonstruktionen
Technische Universität Wien
T: +43-1-58801-21262
T: +43-664-605882121
sonja.dallinger@tuwien.ac.at

Dr. Florian Aigner | idw
Weitere Informationen:
http://www.tuwien.ac.at/index.php?id=10999

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit
18.01.2017 | Technische Universität Chemnitz

nachricht Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“
17.01.2017 | EML European Media Laboratory GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie