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Höhere Lebensqualität für Städte in Osteuropa

05.02.2014
Ein Zentrum für kulturelle Events, ein Museum der Alltagskultur, ein Freiluft-Treffpunkt für alle Generationen und ein Beratungszentrum für Existenzgründer – dies sind beispielhafte Ergebnisse von „ReNewTown“.

Ziel des EU-Projekts, an dem das KIT beteiligt war, war die Aufwertung von Städten in Mittel- und Osteuropa. Die Abschlusskonferenz findet am 11. und 12. Februar im slowenischen Ljubljana statt.


Grüne Oase zwischen Wohnblöcken: ein Treffpunkt für Menschen aller Generationen und verschiedener Kulturen im slowenischen Velenje.

Foto: Matej Vranic

Neben den vier Pilotprojekten in Polen, der Slowakei, Slowenien und der Tschechischen Republik erstellte das Projekt Leitfäden für Stadtplaner und Bürger sowie eine Datenbank.

Städte und Stadtteile in ehemals sozialistisch regierten Ländern kämpfen – je nach regionalen Gegebenheiten – häufig mit Problemen wie einem schlechten Zustand von Gebäuden und öffentlichen Plätzen oder einem Mangel an Einrichtungen für soziale und kulturelle Veranstaltungen. Dazu kommen oft Arbeitslosigkeit und fehlende Geschäftsmöglichkeiten. An Lösungen, welche die Lebensqualität in Städten Mittel- und Osteuropas erhöhen, arbeiteten im Projekt „ReNewTown“ Experten unterschiedlicher Disziplinen aus Deutschland, Polen, Slowenien, der Tschechischen Republik und der Slowakei.

Das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT war wissenschaftlicher Partner. „Im Projekt ReNewTown ging es vor allem darum, die Identifikation der Menschen mit ihrem Wohnumfeld zu stärken und nicht genutzten Gebäuden aus der sozialistischen Zeit eine neue Funktion zu verleihen“, erklärt Christina Götz vom ITAS.

Ziele waren, soziale und kulturelle Angebote zu entwickeln, öffentliche Plätze zwischen Wohnblöcken ansprechend zu gestalten und Gründeraktivitäten zu fördern. „Die Ergebnisse kommen aber nicht nur Städten in ehemals sozialistisch regierten Ländern zugute“, so die Soziologin. „Auch andere Städte stehen vor ähnlichen Herausforderungen, was beispielsweise vernachlässigte öffentliche Plätze oder mangelnde kulturelle Angebote betrifft. Sie können ebenfalls von den Lösungen aus ReNewTown profitieren.“

Pilotprojekte: Von Museum bis Gründerzentrum

Im Pilotprojekt „ArtZONA“ entstand ein Kulturzentrum in einem ehemaligen Industriegebäude in Nowa Huta, einem Stadtteil von Krakau/Polen, der 1949 als Standort eines Eisenhütten-Kombinats gegründet wurde und derzeit rund 220 000 Einwohner hat. „ArtZONA“ beherbergt bereits zwei Musikstudios. Auch fanden inzwischen mehrere Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen statt. Geplant sind außerdem ein Filmstudio, das auch Workshops anbietet, und ein Jugendfilmzentrum.

In Hnúša/Slowakei können die Bewohner in einem neu eingerichteten Museum sehen, wie das Alltagsleben in ihrer Stadt und Region zur Zeit des Sozialismus gestaltet war. Das Museum ist als Wohnung mit historischen Möbeln, Geräten, Bildern und Spielsachen gestaltet. Untergebracht ist es in einem Gebäude vor einem brachliegenden Amphitheater, das mit Beteiligung von freiwilligen Helfern renoviert wurde.

Aus einem vernachlässigten Kinderspielplatz zwischen Wohnblöcken im Stadtteil Gorica von Velenje/Slowenien wurde eine grüne Oase, an der sich Menschen aller Generationen und verschiedener Kulturen treffen, um sich zu erholen, zu spielen und zu plaudern. Bewohner des Stadtteils gestalteten den Freiluft-Treffpunkt aktiv mit, indem sie ihre Vorstellungen einbrachten und bei den Arbeiten selbst Hand anlegten.

In Prag 11, dem dichtest besiedelten Stadtteil der tschechischen Hauptstadt, finden Gründer und Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) neuerdings fachkundige Unterstützung in einem speziellen Beratungszentrum. Ziel ist, die Zahl der KMU in dem von hoher Arbeitslosigkeit geprägten Stadtteil zu steigern, Arbeitsplätze zu schaffen und die Wirtschaftskraft zu stärken.

Handbuch für Stadtplaner – Tipps für Bürger

Neben diesen vier Pilotprojekten hat „ReNewTown“ zwei Publikationen und eine Datenbank hervorgebracht. Das „Handbook of Models“ (http://www.renewtown.eu/brochures.html) wendet sich an Stadtplaner, Vertreter von Kommunen und Politiker. Es stellt zahlreiche Regenerationsprojekte im urbanen Raum aus der Sicht der Beteiligten vor. Die Publikation „ENGAGE! Brighter Future in Your Hands“ (http://www.renewtown.eu/home.html) vermittelt Bürgern und Nichtregierungsorganisationen, die Projekte in ihrem eigenen Stadtteil planen, Inspirationen, praktische Tipps sowie Erfahrungen aus „ReNewTown“. Weitere Beispiele lassen sich über eine Datenbank abrufen, die derzeit Beschreibungen von 148 Projekten aus 69 Städten in 13 Ländern enthält: (http://www.renewtown.eu/databases.html?&intcond=0&country=aa)

Abschlusskonferenz am 11./12. Februar in Ljubljana

Das Projekt „ReNewTown“ schließt mit der Konferenz „Renewed Post-Socialist City – Competitive and Attractive“ am 11. und 12. Februar in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana ab. Die Konferenz richtet sich an Wissenschaftler, Stadtplaner und Entscheidungsträger im städtischen Kontext. Interessierte können sich unter http://konference.ef.uni-lj.si/renewtown registrieren; die Teilnahme ist kostenfrei.

Das Projekt „ReNewTown“ lief im „CENTRAL EUROPE Programme“ der EU und wurde aus dem „European Regional Development Fund“ (ERDF) kofinanziert.

Weitere Informationen unter http://www.renewtown.eu

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Thematische Schwerpunkte der Forschung sind Energie, natürliche und gebaute Umwelt sowie Gesellschaft und Technik, von fundamentalen Fragen bis zur Anwendung. Mit rund 9000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter knapp 6000 in Wissenschaft und Lehre, sowie 24 000 Studierenden ist das KIT eine der größten Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung – Lehre – Innovation.

Monika Landgraf | idw
Weitere Informationen:
http://www.kit.edu

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