Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Herbergen auf dem Jakobsweg - Diplomandin entwirft Pilgerunterkünfte

14.01.2010
Gründe für eine Wallfahrt gibt es ebenso viele, wie es Wallfahrer gibt. Und das Pilgern, gerade auch auf dem Jakobsweg, hat in den vergangenen Jahren starken Zulauf bekommen und wird im heiligen Jahr 2010 eine Höchstmarke erreichen.

Während der Wanderung können die Pilger in so genannten Pilgerherbergen übernachten, in denen sie jeweils eine Nacht kostenlos schlafen dürfen. Wie diese Sammelunterkünfte gestaltet werden könnten, um den besonderen Bedürfnissen gerecht zu werden, erarbeitete die Diplom-Ingenieurin für Architektur Nina Walters in ihrer Diplom-Arbeit an der Fachhochschule Dortmund, die Prof. Jean Flammang betreute.

Bei aller Unterschiedlichkeit erfahren viele Pilger ähnliche Stufen der Veränderung auf dem Pilgerweg. Zu Beginn etwas chaotisch und unsicher, ob die eigenen Erwartungen zu erfüllen sind. Mitten auf dem Weg eine Art Routine des Wanderns. Und am Schluss, nach Erreichen des Ziels, das Ausspähen neuer Perspektiven. Diese Stationen erkannte zumindest Nina Walters, als sie sich mit dem Jakobsweg in Spanien beschäftigte. Und passte an diese inneren Stationen die Pilgerherbergen an, die sie als fiktives Projekt im Rahmen ihrer Diplomarbeit plante. Architektonisch sind alle drei Pilgerherbergen auf das Wesentliche reduziert. Dies spiegelt sich auch in den geradwinkligen Formen und in der Verwendung von grobem Sichtbeton wieder.

Für eine frühe Etappe in Roncesvalles in den Pyrenäen entwarf sie ein Gebäude, das wie aus einzelnen Quadern zusammengesetzt erscheint. Damit versinnbildlicht die 24-Jährige die ungleichen Gemütsverfassungen der Pilger auf den frühen Etappen. Fenster öffnen sich vor allem auf die angelegten Innenhöfe, so der Entwurf, damit der Pilger bei der Besinnung auf sich selbst nicht abgelenkt wird, nur wenige Fenster erlauben einen Blick auf die nächste Etappe. 40 Pilger könnten in dieser Herberge Unterkunft finden, außerdem sind Küchen und Gemeinschaftsräume vorgesehen sowie ein Raum für den Rückzug in die Stille.

"In meiner zweiten Herberge wollte ich meine Pilger stapeln, im übertragenen Sinne", erläutert Nina Walters, "wie die Steinmännchen, die am Wegesrand aufgeschichtet werden." Und so entwarf sie einen Turm, der als Landmarke in der Ebene bei Cervatos de las Cueza stehen könnte. Aus vier Gebäudeteilen bestehend, die über äußere und innere Treppengänge verbunden sind, hat sie einen Komplex entwickelt, in dem jede der zehn Etagen mit jeweils zwei Raumhöhen so in einander verschachtelt sind, dass Durchblicke durch das Gebäude die Landschaft in alle Richtungen einbeziehen. Die angehende Architektin hat dabei sowohl baurechtliche Details wie zum Beispiel Fluchtwege bedacht, als auch verschiedene inhaltliche Querbezüge zur spirituellen Reise eingeplant: Mit der heiligen Zahl Zwölf bezifferte sie die Betten in jedem Schlafsaal, und in der Form der Acht bewegt sich der Pilger beim Aufstieg in die oberen Etagen. Von der obersten Aussichtsetage eröffnet sich der Blick auf die bereits zurückgelegte Strecke, aber auch auf das, was noch vor dem Pilger liegt.

Der Blick in die Zukunft war auch der leitende Gedanke für die letzte Pilgerherberge, die sogar noch hinter dem eigentlichen Ziel in Santiago de Compostela liegt, denn einige Pilger führen ihren Weg noch bis zur Küste fort. Und dorthin, ans Cap Finisterre, das "Ende der Welt" verlegte die Architektur-Studentin ihre letzte Herberge. In die Klippen eingelassen plante sie hier separate Einzelunterkünfte, um den Pilger für das Erreichte mit bescheidenem Luxus zu belohnen. Mit dem Blick auf nichts als den Horizont kann hier der zukünftige ehemalige Pilger ausruhen und seine nächsten persönlichen Ziele erkennen - so unterschiedlich sie sein mögen.

Cornelia von Soosten | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-dortmund.de

Weitere Berichte zu: Etagen Etappe Herberge Jakobsweg Pilger Pilgerherbergen Pilgerunterkünfte

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht BAUFRITZ-Musterhaus - Tradition im hier und jetzt: Heimat 4.0
07.05.2018 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Gute Raumakustik in Arbeitsumgebungen: Konzentrierter arbeiten im Büro
02.05.2018 | Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Im Focus: LZH showcases laser material processing of tomorrow at the LASYS 2018

At the LASYS 2018, from June 5th to 7th, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) will be showcasing processes for the laser material processing of tomorrow in hall 4 at stand 4E75. With blown bomb shells the LZH will present first results of a research project on civil security.

At this year's LASYS, the LZH will exhibit light-based processes such as cutting, welding, ablation and structuring as well as additive manufacturing for...

Im Focus: Kosmische Ravioli und Spätzle

Die inneren Monde des Saturns sehen aus wie riesige Ravioli und Spätzle. Das enthüllten Bilder der Raumsonde Cassini. Nun konnten Forscher der Universität Bern erstmals zeigen, wie diese Monde entstanden sind. Die eigenartigen Formen sind eine natürliche Folge von Zusammenstössen zwischen kleinen Monden ähnlicher Grösse, wie Computersimulationen demonstrieren.

Als Martin Rubin, Astrophysiker an der Universität Bern, die Bilder der Saturnmonde Pan und Atlas im Internet sah, war er verblüfft. Die Nahaufnahmen der...

Im Focus: Self-illuminating pixels for a new display generation

There are videos on the internet that can make one marvel at technology. For example, a smartphone is casually bent around the arm or a thin-film display is rolled in all directions and with almost every diameter. From the user's point of view, this looks fantastic. From a professional point of view, however, the question arises: Is that already possible?

At Display Week 2018, scientists from the Fraunhofer Institute for Applied Polymer Research IAP will be demonstrating today’s technological possibilities and...

Im Focus: Raumschrott im Fokus

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat sein Observatorium in Zimmerwald um zwei zusätzliche Kuppelbauten erweitert sowie eine Kuppel erneuert. Damit stehen nun sechs vollautomatisierte Teleskope zur Himmelsüberwachung zur Verfügung – insbesondere zur Detektion und Katalogisierung von Raumschrott. Unter dem Namen «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» erhält die Forschungsstation damit eine noch grössere internationale Bedeutung.

Am Nachmittag des 10. Februars 2009 stiess über Sibirien in einer Höhe von rund 800 Kilometern der aktive Telefoniesatellit Iridium 33 mit dem ausgedienten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Mikroskopie der Zukunft

22.05.2018 | Medizintechnik

Designerzellen: Künstliches Enzym kann Genschalter betätigen

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics