Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der große Plan für das Paris des 21. Jahrhunderts

04.09.2008
TU-Professor entwirft Vision für die französische Hauptstadt

Eine große Stadt braucht einen großen Plan. Anfang Juni gab der französische Präsident Nicolas Sarkozy die zehn Architekten bekannt, die die städtebauliche Zukunft von Paris entwerfen sollen.

"Grand Paris - Metropole Post-Kyoto" heißt das Projekt, für das sich 43 internationale Architektenbüros beworben hatten. Zu den zehn Auserwählten gehört als einziger Deutscher Finn Geipel, Professor an der TU Berlin. Sieben Monate Zeit haben er und sein Team, bis sie im Februar 2009 in Paris zwei Modelle und zwei je 150 Seiten starke Publikationen präsentieren müssen. Bereits im Oktober 2008 sollen erste Ergebnisse vorliegen.

"Einen Tag nach der Bekanntgabe der Entscheidung sind wir nach Paris eingeladen worden und Präsident Sarkozy hat allen beteiligten Büros seine Idee dargelegt", berichtet Prof. Geipel. Er hat 15 Jahre in der französischen Hauptstadt gelebt und dort unter anderem an der Ecole Spéciale d'architecture ESA und an der Ecole d'architecture Paris la Seine EAPS gelehrt. Die Struktur der Stadt und ihre Probleme, die zuletzt 2005 und 2007 auch durch Unruhen in den Vorstädten für Schlagzeilen sorgten, sind ihm gut bekannt.

"In Paris gibt es ein Zentrum mit einem eigenen Präfekten und es gibt die Vorstädte", erläutert er. Diese Satelliten seien auf das Zentrum konzentriert, untereinander gibt es kaum Verbindungen. Die Vororte außerhalb der Ringautobahn sind wiederum eigenständig verwaltet, es gibt ein erhebliches soziales Gefälle zwischen den einzelnen Trabantenstädten.

"Sarkozy ist auf der Suche nach einem kraftvollen Bild, dem alle Protagonisten folgen können", beschreibt Finn Geipel die Grundidee des Präsidenten, Paris in eine Metropole des 21. Jahrhunderts zu verwandeln. Für die Entwicklung dieser Vision hat sich der Architekt kompetente Berater in sein Team geholt: den Bauhistoriker und TU-Kollegen Johannes Cramer, die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy, ebenfalls TU Berlin, William J. Mitchell vom Design Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston, den Schweizer Philosophen und Autoren Joseph Hanimann, den Urbanisten Wilhelm Klauser, den Landschaftsökologen Michael Kleyer von der Universität Oldenburg, den Stuttgarter Klimaingenieur Matthias Schuler, der am Department of Architecture der Harvard University lehrt, und den Schweizer Landschaftsarchitekten Günther Vogt.

Das Team um Prof. Geipel arbeitet außerdem mit jeweils zehn Studierenden von der TU Berlin und vom MIT, drei Mitarbeitern des Fachgebietes Entwerfen und Gebäudekunde (LIA) der TU Berlin und sechs Spezialisten des Architektenbüros LIN Finn Geipel und Giulia Andi, Berlin/Paris. "Wir treffen uns regelmäßig in Berlin und entwickeln derzeit Strategien", beschreibt Geipel den Stand der Dinge. Außerdem betreiben die Wissenschaftler Feldstudien in der Elf-Millionen-Menschen-Stadt. "Vor dem 2. Weltkrieg sah Paris völlig anders aus. Wir orientieren uns an dem, was es heute gibt und an dessen Qualität", sagt er. Dabei analysieren Geipel und sein Team auch die Grenzen der Stadt, deren Industriestandorte und Infra-struktur.

Sein erstes Resümee: "Vermutlich wird Paris in der Zukunft radikal anders aussehen als heute. Aber es wird aus dem aufgebaut, was heute ist." Die Stadt habe sich über ihre Grenzen hinweg in die Natur hineingefressen wie ein "Spiegelei". Das müsse unter Umständen wieder rückgängig gemacht werden. "Außerdem sollten die Qualitäten der Vorstädte erkannt werden", mahnt Finn Geipel, der sich für die Metropole Paris eine weniger zentralistische und untereinander vernetzte Struktur wünscht.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Prof. Finn Geipel, Technische Universität Berlin, Fachgebiet Entwerfen und Gebäudekunde, LIA, Labor für Integrative Architektur, Strasse des 17. Juni 152, 10623 Berlin, Tel.: 030/314-21955, Fax: 030/314-26033, E-Mail: A20@tu-berlin.de, Internet: http://carrot.a.tu-berlin.de

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/

Weitere Berichte zu: Gebäudekunde Metropole Metropole Paris Trabantenstädte

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht EU-Forschungsprojekt INNOVIP: Neue Technologien für langlebige und kostengünstige Vakuumdämmplatten
22.02.2017 | Bayerische Forschungsallianz GmbH

nachricht Modernes Architektenhaus mit landestypischen Design-Elementen
15.02.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie