Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gebündelte Kompetenzen am Standort Rosenheim: Fraunhofer-Zentrum Bautechnik eröffnet

01.08.2013
Moderne Gebäude entwickeln sich zunehmend zu komplexen Hightech-Systemen.

Daraus ergeben sich auch für die Forschungs- und Entwicklungsarbeit vielschichtige Fragestellungen. Für den Bereich der Gebäudehülle will das Fraunhofer-Zentrum Bautechnik in Zukunft innovative Antworten liefern. Gestern feierten die Kooperationspartner – das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP, die Hochschule Rosenheim sowie das Institut für Fenstertechnik (ift Rosenheim) – seine Eröffnung am Standort Rosenheim. Die Fraunhofer-Gesellschaft stellt für den Aufbau des Anwendungszentrums über fünf Jahre 2,5 Millionen Euro zu Verfügung.

Nach Aussagen des World Economic Forum verbrauchen Gebäude in Industrienationen 70 Prozent der gesamten Elektrizität, 37 Prozent der gesamten Endenergie, 28 Prozent des gesamten Wassers sowie 30 Prozent von Holz und weiterem Material. Die Baubranche produziert dabei 35 Prozent des Deponieabfalls und verursacht weltweit 36 Prozent der CO2-Emissionen. Im Hinblick auf die Klimaziele der Bundesregierung, aber auch zahlreicher anderer Staaten lauten die Schlüsselworte für Wissenschaft und Industrie deshalb Effizienz und Innovation. »Dafür sind durchdachte Baukonzepte, optimierte Bauteile für Neu- und Bestandsbauten sowie umfassende Energiekonzepte für Bauwerke notwendig, die zudem Adaptivität und Behaglichkeit gewährleisten. Genau diesen technischen Herausforderungen widmet sich das Fraunhofer-Zentrum Bautechnik«, betont Prof. Dr. Alfred Gossner, Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft, die Relevanz des Kooperationsprojekts.

»Das neue Fraunhofer-Zentrum Bautechnik steht für wertvolle Impulse und technologische Weiterentwicklungen, die einen zentralen Baustein für einen effektiven Klimaschutz und die Umsetzung der Energiewende bilden. Es ist besonders wichtig, technisch realisierbare und wirtschaftlich attraktive Lösungen zu entwickeln, die auch für private Hauseigentümer von Nutzen sein können, um sie so für die Themen Energieeinsparung und Ressourceneffizienz zu begeistern«, betonte der Bayerische Umweltminister, Dr. Marcel Huber, anlässlich der Eröffnung des neuen Fraunhofer-Zentrums Bautechnik in Rosenheim.

Lösungen für die Gebäudehülle von morgen

Die drei Partner richten den Fokus ihrer gemeinsamen Arbeit auf die Schnittstelle zwischen Innenraum und Außenwelt: die Gebäudehülle. »Unter enger Einbindung unserer sowie der Kompetenzen unserer Partner werden wir kostengünstige Konstruktionen für Sanierung und Neubau entwickeln und optimieren. Gleichzeitig verfolgen wir die Integration regenerativer Energieerzeugung in die Fassade. Gebäudehüllen werden auf diese Weise intelligenter und komplexer, sollen aber zugleich bezahlbar bleiben. Dafür sind qualitätssichere Herstell- und Montageprozesse sowie Ressourcen effiziente Konstruktionen erforderlich«, erläutert Prof. Dr. Gerd Hauser, Leiter des Fraunhofer IBP, die Inhalte der künftigen Zusammenarbeit am neuen Standort des Fraunhofer IBP an der Hochschule Rosenheim.

Seinen Schwerpunkt richtet das Fraunhofer-Zentrum Bautechnik auf zwei wesentliche Aspekte: die adaptive Fassade, die zudem intelligent agiert, mit ihrer Umgebung kommuniziert, Energie spart, speichert und dadurch den Komfort der Bewohner steigert; sowie die Gebäudehülle 2.0, die sich durch hohen Vorfertigungsgrad auszeichnet und auf der Baustelle zeiteffektiv endmontiert wird.

»Mit unserer Expertise im Bereich energieeffizienter Gebäude und Technologien bringen wir großes wissenschaftliches Potenzial in das Gemeinschaftsprojekt ein. Nachhaltige Energiekonzepte sind Bestandteil zahlreicher Ingenieurstudiengänge. Durch die Einbindung unserer Professoren und Studierenden in das neue Fraunhofer-Zentrum wird die praxisbezogene Forschung und Lehre optimiert«, sagt Prof. Heinrich Köster, Präsident der Hochschule Rosenheim.

Langfristiges Ziel des Fraunhofer IBP, der Hochschule Rosenheim und des ift Rosenheim ist der Aufbau einer gemeinsamen Forschungsplattform, die die Kompetenzen der einzelnen Partner effektiv bündelt und einsetzt. In erster Linie sollen dabei die wissenschaftliche und fachliche Kompetenz der Partner sowie der bayerischen Industrie verbessert, der hoch qualifizierte wissenschaftliche Nachwuchs gefördert sowie ein breiteres Angebotsportfolio wissenschaftlicher Dienstleistungen erreicht werden.

Industrieprojekte, die gemeinsam mit industriellen Partnern durchgeführt werden, profitieren von der engen Vernetzung von Praxis und Forschung und den daraus resultierenden Synergieeffekten. Prof. Ulrich Sieberath, Leiter des ift Rosenheim, ergänzt: »Durch ein enges Netzwerk zur Industrie können wir Forschungsergebnisse schnell in die Praxis umsetzen. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Sicherstellung von Produktqualität, Sicherheit und Gebrauchstauglichkeit.« Auf diese Weise profitieren alle Seiten von dem neuen Fraunhofer-Zentrum Bautechnik, das sowohl die Forschungsarbeit als auch den Wirtschaftsstandort Bayern EU-weit stärkt.

Die Kooperationspartner

Die Aufgaben des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP konzentrieren sich auf Forschung, Entwicklung, Prüfung, Demonstration und Beratung auf den Gebieten der Bauphysik. Dazu zählen z. B. der Schutz gegen Lärm und Schallschutzmaßnahmen in Gebäuden, die Optimierung der Akustik in Räumen, Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und Optimierung der Lichttechnik, Fragen des Raumklimas, der Hygiene, des Gesundheitsschutzes und der Baustoffemissionen sowie die Aspekte des Wärme-, Feuchte- und Witterungsschutzes, der Bausubstanzerhaltung und der Denkmalpflege. Über eine ganzheitliche Bilanzierung werden Produkte, Prozesse und Dienstleistungen unter ökologischen, sozialen und technischen Gesichtspunkten analysiert, um damit die Nachhaltigkeit, die nachhaltige Optimierung und die Förderung von Innovationsprozessen zu bewerten. Die Forschungsfelder Bauchemie, Baubiologie und Hygiene sowie das Arbeitsgebiet Betontechnologie komplettieren das bauphysikalische Leistungsspektrum des Instituts. Der Standort Kassel verstärkt die traditionellen Aktivitäten auf den Gebieten der rationellen Energieverwendung und bündelt die Entwicklung von anlagentechnischen Komponenten. Das Fraunhofer IBP ist eine »Bauaufsichtlich anerkannte Stelle« für Prüfung, Überwachung und Zertifizierung von Bauprodukten und Bauarten in Europa. Vier Prüflabore besitzen die flexible Akkreditierung nach DIN EN/ISO/IEC 17025.

Die Hochschule Rosenheim ist im Bereich des konstruktiven Holzbaus und des energieeffizienten Bauens international bekannt. In Studium und Lehre sowie Forschung und Entwicklung spielen diese Kompetenzen eine große Rolle. Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und Studierende sind in zahlreiche drittmittelfinanzierte Projekte eingebunden, die durch Industriepartner oder die öffentliche Hand gefördert werden. Mit der neuen Studienrichtung Gebäudehülle im Studiengang Energie- und Gebäudetechnologie und dem berufsbegleitenden Masterstudiengang Fenster und Fassade stärkt die Hochschule die Themen zukunftsfähiges Bauen und innovative Baukonzepte.

Das ift Rosenheim ist international als führende Prüf-, Forschungs- und Zertifizierungsstelle von Fenstern und Fassaden anerkannt und hat nach ISO 17025 auch eine flexible Akkreditierung für die Prüfverfahren. Die 50-jährige Erfahrung, 200 Mitarbeiter und umfangreiche Laboreinrichtungen garantieren eine kompetente, praxisnahe und ganzheitliche Prüfung und Bewertung aller Eigenschaften von Fenstern, Fassaden, Türen, Toren, Glas und Baustoffen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Das Ziel ist die nachhaltige Verbesserung von Produktqualität, Technik und Gebrauchstauglichkeit gemäß dem Motto »Probleme aus der Praxis lösen«. Neben technischen Dienstleitungen ist das ift auch in Normung, Aus- und Weiterbildung, Gutachten und der Entwicklung neuer Prüfverfahren und Messtechnik tätig.

| Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.ibp.fraunhofer.de
http://www.fh-rosenheim.de
http://www.ift-rosenheim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Modernes, ökologisches Familienhaus für Naturverbundene
03.08.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Die Stadt wird zur Bühne und Häuser zu Leinwänden
03.08.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen