Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschung an Pilzen auf Reetdächern wird fortgesetzt

04.02.2009
Die Mitteilung von Greifswalder Wissenschaftlern, dass Weißfäulepilze Reet zerstören können, ist auf großes öffentliches Interesse gestoßen. Es gab viele positive Reaktionen aus ganz Deutschland.

Einige wenige Reethändler zeigten sich jedoch irritiert. Sie zweifeln die Ergebnisse an und stellen sie öffentlich in Frage. Ein Grund mehr für die Greifswalder Wissenschaftler, die Untersuchungen zu vertiefen, um den Reetdachdeckern noch mehr Informationen im Kampf gegen das vorzeitige Verrotten von Schilfdächern in die Hand zu geben.

"Oftmals basieren Äußerungen, dass nicht Mikrooganismen, sondern allein bestimmte Umwelt- oder Materialfaktoren den Zerfall bewirken, auf Unkenntnis der mikrobiologischen Zusammenhänge" sagt Prof. Dr. Schauer, der wissenschaftliche Leiter der Untersuchung. "Mikroorganismen sind nun mal in der Regel unsichtbar und vielfach kann man ihr zerstörerisches Werk nicht direkt mit bloßem Auge beobachten. Es scheint so, als wäre der Regen, das Klima oder die Zusammensetzung des Materials allein daran schuld, dass es abgebaut wird und verrottet. Letztlich funktioniert natürlich ein Abbau von organischen Stoffen unter Beteiligung von Kleinstlebewesen in der Tat nur, wenn Wasser oder Mineralstoffe vorhanden sind - aber ohne bestimmte Mikroorganismengruppen geht es - wie man durch Abtötungs- und Sterilisierungsmaßnahmen leicht nachweisen kann - eben in der Regel auch nicht."

Die verantwortlichen Organismen für eine Reetzerstörung zu ermitteln und die Einflussgrößen auf deren Entwicklung konkret zu analysieren, ist eine sinnvolle Forschungsaufgabe, die durch die Weitsicht vieler Reetdachdecker initiiert und finanziell unterstützt wurde. Man kann den Einfluss von fördernden bzw. hemmenden Umweltfaktoren auf die Reetzerstörung überhaupt nur sinnvoll analysieren, wenn man die am Abbau beteiligten Organismen (vor allem Bakterien und Pilze) kennt und in die Untersuchungen als eine an der Verrottung entscheidend beteiligte Faktorengruppe einbezieht. Auch am Abbau des relativ widerstandsfähigen Holzstoffs (Lignin) als stabilisierendes Element von Baumstämmen sind - wie jeder Mikrobiologe oder Mykologe weiß - ebenfalls fast ausschließlich Pilze, vor allem Weißfäulepilze, beteiligt. Bakterien sind dazu nicht in der Lage und spielen dabei zumindest keine primäre Rolle.

Verständlich mag jedoch sein, dass die Ankündigung der Entwicklung eines mikrobiologischen Tests zur Qualitätskontrolle von heimischen und vor allem importierten Reet gelegentlich auf Skepsis bei Herstellern bzw. Händlern führen kann, obwohl natürlich auch ihnen prinzipiell an einer guten Reet-Qualität gelegen sein sollte.

Soviel ist jedenfalls sicher: Die Forschungen auf diesem Gebiet der mikrobiellen Reetzerstörung werden durch die seit Jahren mit dem Abbau verschiedenster Stoffe befassten Greifswalder Wissenschaftler auf jeden Fall fortgesetzt und publiziert.

Ansprechpartner für Rückfragen
Prof. Dr. Frieder Schauer
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Institut für Mikrobiologie, Abteilung für Mikrobiologie und Molekularbiologie
Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 15a, 17487 Greifswald
Telefon 0 3834 86-4204
Telefax 03834 86-4202
schauer@uni-greifswald.de

Jan Meßerschmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-greifswald.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Additive Fertigung: Bauteile völlig neu denken
02.12.2016 | Hochschule Landshut

nachricht Kombination von Isolierung und thermischer Masse
01.12.2016 | Fraunhofer Institute for Chemical Technology ICT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie