Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher entwickeln mehrgeschossige Gebäude aus Stroh

12.12.2011
Bauen mit Stroh spart Energie und schützt das Klima. Forscher der Uni Kassel wollen mit Partnern aus Hochschule und Wirtschaft nun zeigen, dass man mit Stroh auch mehrgeschossige Gebäude errichten kann, die höchsten Energiestandards entsprechen.

Ziel ist die Entwicklung eines marktreifen, technisch sicheren und qualitativ hochwertigen strohballengedämmten Holzbausystems, das den höchsten Energiestandards entspricht. Die so errichteten Gebäude sollen bis zu 13 Meter Höhe und bis zu 400 Quadratmeter Fläche erreichen können.

Zunutze machen wollen sich die Forscher dabei vor allem die hervorragenden Dämmeigenschaften des Strohs. Untersuchungen hierzu haben gezeigt, dass bei einer 36 cm dicken Strohballendämmung mit beidseitigem Lehmputz ein Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) von ca. 0,11 W/(m^2*K) erzielt werden kann. Die Kriterien für Passivhäuser mit Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,15 W/(m^2*K) werden somit unterschritten.

Für das Forschungsprojekt soll eine nicht-lasttragende Konstruktion entwickelt werden, bei der ein Ständerwerk aus Holz die Lasten der Dachkonstruktion und Zwischendecken trägt. Die Strohballen füllen die Lücken zwischen den Holzständern und umschließen so die Räume. Anschließend werden sie direkt mit Lehm oder Kalk verputzt und so vor der Witterung geschützt. Im Rahmen des Projekts sollen diese Bauteile bauphysikalisch und -technisch bewertet werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Untersuchung der Brandfestigkeit und der Gefahr von Schimmelpilzbefall innerhalb der Konstruktion.

Die im Forschungsprojekt untersuchte Bauweise setzt weitgehend auf erneuerbare, nachhaltige Materialien. Stroh, Holz und Lehm, die einzigen für den Rohbau benötigten Materialien, stehen nahezu unbegrenzt zur Verfügung. Während andere Dämmstoffe wie Polystyrol aus Erdöl gewonnen werden müssen, wachsen Holz und Stroh in der Natur, wobei sie bereits Kohlendioxid binden. Durch den hohen Wärmeschutz muss weniger geheizt werden, was zusätzlich Emissionen und Kosten spart. Außerdem profitieren Allergiker von chemiefreien Bauteilen, die für ein gesundes Raumklima sorgen.

Mit der Entwicklung dampfgetriebener Strohballenpressen im späten 19. Jahrhundert entstanden im Süden und in den holzarmen Gebieten der USA die ersten Häuser aus Stroh. Die Strohwände nahmen ohne zusätzliche Holzstützen die Last der Dachkonstruktion auf und leiteten sie in den Boden ab. Das erste zweigeschossige Strohhaus wurde 1936 errichtet – mit einem tragenden Holzständersystem und Stroh als Dämmstoff. Im Laufe der Jahre wurde Stroh als Baustoff allerdings zunehmend durch die aufkommenden standardisierten Massenbaustoffe verdrängt.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens zur Entwicklung mehrgeschossiger strohgedämmter Häuser ist es die Aufgabe der Kasseler Forscher, ein neuartiges Nachweisverfahren für den Schutz der Strohballen vor Feuchtigkeit zu entwickeln. Bisher liegen dafür keine allgemeingültigen Kriterien vor. Mit dem Eindringen von Feuchtigkeit kann Stroh nicht nur rasch verrotten, es droht auch die Ausbreitung von Schimmelpilzen, deren Sporen für viele Allergiker zur Gefahr werden können.

Die Bewertung der Eignung erfolgte bisher anhand des voraussichtlichen Schimmelpilzwachstums in der Konstruktion. Jedoch gab es große Abweichungen zu den Gegebenheiten in der Praxis, bei denen nur selten ein Schimmelpilzwachstum auftrat. Deshalb sollen zur Ermittlung geeigneter Bewertungskriterien systematische Untersuchungen in Prüfständen und unter realen Bedingungen durchgeführt werden, um ein Nachweisverfahren zu erarbeiten, welches das Schimmelpilzwachstum in Abhängigkeit von der sich einstellenden Temperatur und Feuchte im Bauteil beschreibt.

In dem Projekt, das noch bis Juli 2013 dauern und von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) gefördert wird, sind neben der Universität Kassel die TU Braunschweig, ein Architekturbüro sowie mehrere Industriefirmen beteiligt.

Info
Prof. Dr.-Ing. Anton Maas
Universität Kassel
FB 06 - Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung
Fachgebiet Bauphysik
Tel.: 0561/804-2414
E-Mail: maas@asl.uni-kassel.de

Dr. Guido Rijkhoek | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Smarte Gebäude durch innovative Dächer und Fassaden
31.08.2017 | Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP

nachricht Nachhaltiger Baustoff: Pilze als Dämmmaterial nutzen
30.08.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie