Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europaweit einzigartige Plus-Energie-Kita in Holzminden

07.09.2011
Neue Kindertagesstätte erstmals mit Erdreichwärmepumpe / Kooperation von Stadt, engagierten Bürgern, Industrie und Hochschule HAWK

Ein in Europa einzigartiges Plus-Energiehaus ist jetzt in Holzminden entstanden. Die Innovation: Es ist zusätzlich zum modernsten Gebäudestandard mit einer Erdreichwärmepumpe ausgestattet und soll eine Photovoltaik-Anlage erhalten. Das Gebäude, eine Kindertagesstätte, ist in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Gebäudetechnik an der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst entwickelt worden und dient in der Ausbildung als topaktuelles Studienobjekt für den Bachelor-Studiengang, der noch zukunftssichere freie Studienplätze bietet.

In der Bahnhofstraße in Holzminden ist mit dem Neubau der Kindertagesstätte (KiTa) ein zukunftsweisendes Gebäude entstanden, das für die Gebäudetechnik-Studierenden der HAWK gleichermaßen Anschauungsbeispiel wie Studienobjekt sein wird. Der in energetischer Hinsicht rundum innovativ ausgestattete Neubau trägt dazu bei, eine einzigartige, praxisnahe und zukunftsorientierte Ausbildung zu erreichen. Den Studierenden der HAWK bietet sich mindestens zehn Jahre lang ein topaktuelles Praxisbeispiel, um die zukünftig notwendigen Maßnahmen für „Plus-Energie“-Häuser zu studieren. Mitte September startet der 3. Jahrgang des zukunftssicheren Bachelor-Studiums Gebäudetechnik, Bewerbungen sind noch möglich.

Die Europäische Union verfolgt das Ziel, dass Gebäude in Zukunft Energie liefern sollen anstatt wie heute große Mengen endlicher fossiler Ressourcen zu verbrauchen (28 Prozent des Endenergieverbrauches Deutschlands gehen in die Haushalte). Mit der Kindertagesstätte Bahnhofstraße realisiert die Stadt Holzminden schon heute einen Neubau entsprechend den europäischen Zukunftsvorstellungen, obwohl die Richtlinie erst bis 2020 in nationales Recht umgesetzt werden muss.

Die optimale Energieeffizienz des KiTa-Gebäudes reduziert den Energiebedarf sehr weit. Hierzu tragen dieselben Maßnahmen bei wie im privaten Wohnbau einschließlich der Sanierung: eine kompakte Gebäudeform, große Wärmespeicherkapazität, eine sehr starke Wärmedämmung, Energiegewinnfenster, eine luftdichte und wärmebrückenfreie Gebäudehülle und Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung.

Diese Ausstattung allein ist zwar höchster Standart, aber durchaus schon realisiert. In der Datenbank www.passivhausprojekte.de finden sich im europäischen Bereich 13 KiTa-Neubauten, im Inland vorwiegend in den neuen Bundesländern und im Süden der Republik. Auch in Hannover wurden bereits mehrere KiTas realisiert, die von deren Architekten als Passivhäuser eingestuft werden. Das Besondere am Holzmindener Neubau ist die Kombination des Passivhauses mit einer Erdreichwärmepumpe und Fußbodenheizung. Die Wärmepumpentechnologie macht unabhängig von Erdgas und erlaubt das Einbeziehen großer Anteile von regenerativer Erdwärme und bei Verwenden regenerativen Stromes den vollständigen Verzicht auf fossile Energieträger.

Die Fußbodenheizung wurde als Konsequenz aus Erfahrungen gewählt, die sich aus dem Expo 2000 Projekt „Hofanlage Brombeerweg“ in Holzminden ergaben. Der Vorteil gegenüber der üblicherweise in Passivhäusern bevorzugten Luftheizung liegt darin, dass bei kalten Außentemperaturen der Luftwechsel reduziert und somit sehr trockene Raumluft vermieden werden kann. Außerdem ist es im Sommer möglich, mit den im Erdreich vorhandenen Temperaturen über die Fußbodenfläche zu kühlen. Dieses Verfahren ist zwar nicht so wirksam wie eine Klimaanlage, vermeidet aber deren negative Auswirkungen insbesondere hinsichtlich Hygiene, Zugluft und hohem Energiebedarf. Dieser Kühlbetrieb ist ausschließlich mit zwei Hocheffizienzpumpen möglich und benötigt sehr wenig Strom.

Die Studierenden werden die Energieflüsse im Gebäude der KiTa Holzminden messen und optimieren. Darüber hinaus werden sie den Raumkomfort messen, die Nutzererfahrungen protokollieren und so auf der Grundlage eigener Erfahrungen in ihrer späteren Berufspraxis dazu beitragen, den europäischen Zielen Richtung „Plus-Energie“-Haus zum Durchbruch zu verhelfen. Somit trägt die von der Stadt Holzminden unter Beratung der HAWK errichtete KiTa dazu bei, den ohnehin schon sehr praxisorientierten und innovativen Bachelor-Studiengang Gebäudetechnik in Holzminden weiter zu profilieren.

Eine dachmontierte Solar-Anlage zur regenerativen Stromerzeugung wäre ein weiterer Baustein zum Erreichen des Plus-Energie-Niveaus. Die für den Betrieb der KiTa erforderliche Strommenge könnte teilweise vom eigenen Dach bezogen werden. Die Diskussion über diese Anlage ist in den politischen Gremien der Stadt jedoch noch nicht abgeschlossen. Die HAWK-Studierenden könnten den Gesamt-Energieertrag der Photovoltaik-Anlage und den davon im Hause direkt verbrauchten Anteil messen. Die Studierenden werden außerdem mit einem aus dem Kreis der Beiratsfirmen finanziell unterstützten Gebäudeleitsystem ein Lastmanagement für stromverbrauchende Geräte in der KiTa betreiben, mit dem der Eigenverbrauch von Strom aus der Solar-Anlage optimiert werden kann.

Für die Stadt Holzminden als Betreiber der KiTa würden die Energiekosten des Gebäudes zukünftig weniger stark ansteigen als für andere ohne Photovoltaik-Anlage. Mit Einsatz von Batteriespeichern könnte vielleicht in einigen Jahren der Bezug von Strom aus dem Netz noch weiter minimiert werden.

Die wegweisende Kooperation der Stadt Holzminden mit engagierten Bürgern, HAWK und deren Beiratsfirmen führt zu einer allseitig vorteilhaften Innovation. Die Kindertagesstätte in Holzminden gibt für die damit verbundenen jungen Familien und alle an einer regenerativen Energiewende Interessierten ein zukunftsweisendes Beispiel für die Möglichkeiten von Plus-Energie-Häusern.

Im Rahmen des internationalen „Tag des Passivhauses“ wird die KiTa am Sonntag, 13. November 2011 von 14 bis 17 Uhr zu besichtigen sein. Benutzer, Architekt und HAWK informieren interessierte Gäste.

Weitere Informationen: http://www.ig-passivhaus.de
Nähere Informationen zum Studiengang Gebäudetechnik und zum Plus-Energiehaus
http://www.hawk-hhg.de/holzminden/157302.php
Die HAWK bedankt sich für die sehr weitgehende Unterstützung durch die Stadt Holzminden und die über den Beirat mit der HAWK verbundenen Unternehmen.
Studienberatung Gebäudetechnik:
Tel.: 05531/126-100
Ansprechpartner:
Dr.-Ing. Wolfgang v. Werder,
Gastprofessor an der HAWK
Fakultät Management, Soziale Arbeit, Bauen
Tel.: 05531/126-267

Sabine zu Klampen | idw
Weitere Informationen:
http://www.hawk-hhg.de/
http://www.ig-passivhaus.de/
http://www.hawk-hhg.de/holzminden/157302.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Doppelhaus mal anders - Elegantes Glas-Ensemble am Hang
02.05.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Bauübergabe der ALMA-Residencia
26.04.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie