Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Demographischer und klimatischer Wandel erfordern Weiterentwicklung von Wasserinfrastruktursystemen

30.04.2012
Wasserinfrastruktursysteme haben sehr hohe Kapital- und Fixkosten und sind auf jahrzehntelange Nutzung ausgelegt. Der Klimawandel, die demographischen Veränderungen, die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen sowie neue ökologische Anforderungen verändern jedoch die Rahmenbedingungen schon jetzt.
Im Projekt NAUWA hat sich das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Zusammenarbeit mit der Kommunal- und Abwasserberatung NRW sowie der Emschergenossenschaft/Lippeverband mit der nachhaltigen Weiterentwicklung urbaner Wasserinfrastrukturen unter sich stark ändernden Randbedingungen beschäftigt.

Die Wissenschaftler untersuchten im Auftrag der WestLB-Stiftung Zukunft NRW die Einflussfaktoren in vier Kommunen mit sehr unterschiedlichen Randbedingungen in Nordrhein-Westfalen. Die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen sind unter http://www.nauwa.de verfügbar.

In den Kommunen Gelsenkirchen, Lünen, Velbert und der Gemeinde Wachtberg wurde erprobt, wie die Entwicklung einer langfristigen Strategie zur zukunftsfähigen Gestaltung der Wasserinfrastruktursysteme praktisch angegangen werden kann. In der Untersuchung berücksichtigte das Fraunhofer ISI unsichere gesellschaftliche und klimatische Entwicklungen und Randbedingungen sowie relevante ortsspezifische Handlungsfelder. Dabei wurden Fragen beantwortet wie: Was bedeuten die demographischen und klimatischen Entwicklungen konkret? Welche Umfeldveränderungen sind zusätzlich zu erwarten und welche Anpassungserfordernisse ergeben sich daraus? Wie können Kommunen bei der nachhaltigen Weiterentwicklung ihrer Wasserinfrastruktursysteme unterstützt werden?

Aus den Antworten ergaben sich für jede Kommune spezifische strategische Zielsetzungen und konkrete Maßnahmen. Es zeigte sich aber auch, dass bestimmte Themen in allen vier Kommunen eine wichtige Rolle spielen: So ist beispielsweise trotz sinkender Bevölkerungszahlen nach wie vor ein Flächenzuwachs zu verzeichnen. Dies zieht unter anderem den Ausbau der langlebigen und kostenintensiven Wasserinfrastruktur nach sich, deren zukünftige Auslastung und Finanzierung unsicher ist. Zudem werden die Auswirkungen des Klimawandels durch länger anhaltende Trockenperioden und gleichzeitig außergewöhnliche Starkregenfälle immer deutlicher für die Bürger spürbar – sie führen zu erheblichen Schäden. Eine weitere Gemeinsamkeit ist der zum Teil deutliche Rückgang des Wasserbedarfs, der durch die höhere Effizienz beim Umgang mit Wasser in Industrie und Haushalten sowie durch die aufgrund des demographischen Wandels zurückgehenden Kundenzahlen verursacht wird. Wegen der hohen Fixkosten wird der Aufwand für die Abwasserbeseitigung aber nicht wesentlich verringert, so dass ohne ausgleichende strukturelle Maßnahmen künftig deutliche Erhöhungen der Entgelte für Wasserver- und Abwasserentsorgung notwendig werden.
„Vor diesem Hintergrund ist es unerlässlich, dass Kommunen und Betreiber von Wasserinfrastrukturen gemeinsam und frühzeitig einen langfristig orientierten, strategischen Planungsprozess durchführen, um sich auf die anstehenden Herausforderungen gezielt einzustellen. Notwendig ist eine gründliche Analyse der Ist-Situation, um darauf aufbauend mögliche Entwicklungsszenarien zu erarbeiten. Anschließend können strategische Ziele festgelegt und Maßnahmen abgeleitet werden“, so Dr.-Ing. Harald Hiessl, Projektleiter und stellvertretender Institutsleiter am Fraunhofer ISI.

Handlungsbedarf für die kommunale Wasserinfrastruktur sieht das Fraunhofer ISI vor allem beim Umgang mit der Starkregen-Problematik, bei Stadtplanung und Stadtentwicklung, der Berücksichtigung innovativer Techniken und Konzepte sowie bei notwendigen Maßnahmen zur Tarifanpassung. Demnach ist eine realistische Abschätzung des Flächenbedarfs vor dem Hintergrund der zu erwartenden demographischen Entwicklung ebenso notwendig wie die Sensibilisierung für die Bedeutung und entsprechende Steuerung der städtischen Siedlungsstruktur und -dichte für die Wasserinfrastruktur. Der Überflutungsschutz muss als kommunale Gemeinschaftsaufgabe gesehen werden, bei der alle Akteure einzubinden und sehr unterschiedliche, sich gegenseitig beeinflussende Maßnahmen sowohl im öffentlichen als auch privaten Bereich umzusetzen sind. Mit einer Kostenstruktur-Analyse für Teilgebiete und Tarifstruktur-Änderungen kann eine Anpassung an die sich verändernden Nutzerzahlen und Verbrauchsveränderungen erfolgen.

Die anhand der Beispielkommunen gewonnenen Erfahrungen können für andere Kommunen Hilfestellung für vergleichbare Prozesse bieten. Ein entsprechender Leitfaden ist unter http://www.nauwa.de verfügbar.

Auf der IFAT ENTSORGA, der Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft vom 7. bis 11. Mai 2012 auf der Neuen Messe in München präsentiert das Fraunhofer ISI diese und weitere Studien für eine zukünftige, nachhaltige Wasserinfrastruktur (Halle A5, Stand 217/316).

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der breiten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Anne-Catherine Jung | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de/isi-de/service/presseinfos/2012/pri12-08.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Stadtplanung im Klimawandel: HafenCity Universität Hamburg entwickelt Empfehlungen
24.03.2017 | HafenCity Universität Hamburg

nachricht Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen
23.03.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise