Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Ziel: ein innovatives Gesamtkonzept für Nullenergiehäuser

09.02.2016

Das von der Universität Bayreuth koordinierte und von der EU geförderte Projekt „InDeWaG“ will innovative Gebäudetechnologien so kombinieren, dass Gebäude erheblich weniger Energie für Heizung, Lüftung und Klimatisierung verbrauchen als bisher. Angestrebt wird die industrielle Fertigung standardisierter Gebäudeelemente, die gleichermaßen in verschiedenen Klimazonen eingesetzt werden können.

In den Ländern der Europäischen Union werden Wohnhäuser ab 2021 und Bürogebäude ab 2019 voraussichtlich strengen Energiesparrichtlinien unterliegen. Der Industrieausschuss des Europäischen Parlaments hat hierfür weitreichende Gesetzentwürfe vorgelegt. In wenigen Jahren sollen neu errichtete Gebäude in der Lage sein, so viel Energie zu erzeugen wie sie verbrauchen.


Prof. Dr. Monika Willert-Porada, Lehrstuhl für Werkstoffverarbeitung, Universität Bayreuth.

Foto: Christian Wißler; zur Veröffentlichung frei.

Damit wäre das „Nullenergiehaus“ schon bald ein verbindlicher Standard in der EU. Gleichwohl existieren bis heute kaum tragfähige Gebäudekonzepte, die diesen Anforderungen entsprechen. Noch immer geht bei niedrigen Außentemperaturen oft ein hoher Anteil der Heizungswärme infolge mangelnder Isolierung verloren. Bei hohen Außentemperaturen wiederum müssen Klimaanlagen die durch starke Sonneneinstrahlung erhitzten Räume kühlen.

Forschungs- und Industriepartner in Bulgarien, Deutschland und Spanien

Das europäische Projekt „InDeWaG“ – dies ist eine Abkürzung für „Industrial Development of Water Flow Glazing Systems“ – will diese Probleme mit einem integrierten Konzept für Gebäudehüllen überwinden. Das im September 2015 gestartete Vorhaben wird vom Lehrstuhl für Werkstoffverarbeitung der Universität Bayreuth unter der Leitung von Prof. Dr. Monika Willert-Porada koordiniert.

Forschungspartner sind die Polytechnische Universität Madrid, das Zentrallabor für Solarenergie und neue Energiequellen der bulgarischen Akademie der Wissenschaften in Sofia, das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg sowie namhafte Unternehmen und Architekturbüros in Deutschland, Bulgarien und Spanien. Die Europäische Union fördert das Vorhaben bis 2018 mit insgesamt rund 4,2 Mio. Euro; auf die Universität Bayreuth entfallen dabei rund 484.000 Euro.

Neue Technologien für Glasfassaden und Innenwände

Das angestrebte Konzept für Gebäudehüllen wird zwei anspruchsvolle Technologien kombinieren: Durch Fluide erwärmte Innenwände („Radiant Interior Walls“) sorgen dafür, dass Heizungswärme nicht oder nur in geringem Umfang benötigt wird. Fluiddurchströmte Glasfassaden-Elemente („Fluid Flow Glazing Façades“) sollen hingegen verhindern, dass die Sonneneinstrahlung die Räume zu sehr aufheizt und dadurch den Energieverbrauch durch Klimaanlagen steigert.

Wasser, das durch Zwischenräume der Verglasung fließt, transportiert die überschüssige Wärme ab. Beide Komponenten sollen im Wechsel der Jahreszeiten so aufeinander abgestimmt werden, dass Gebäude erheblich weniger Energie für Heizung, Lüftung und Klimatisierung verbrauchen als bisher. Die entsprechenden Anlagen benötigen in diesem Fall deutlich geringere Kapazitäten, als sie heute üblich sind. Die Projektpartner von InDeWaG wollen mit diesem integrierten Konzept erreichen, dass die Baukosten für neue Gebäude um bis zu 15 Prozent sinken.

Auf dem Weg zur industriellen Anwendung

„InDeWaG ist ein ausgesprochen anwendungsorientiertes Vorhaben“, erläutert Projektleiterin Prof. Willert-Porada. „Es geht uns nicht allein um neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Energienutzung und Energieeinsparung in Gebäuden, sondern vor allem um deren optimale praktische Umsetzung im industriellen Maßstab, die zusammen mit den am Projekt beteiligten europäischen Unternehmen vorangetrieben wird.“

Ein wesentliches Ziel ist dabei die Entwicklung von Methoden, die es ermöglichen, Gebäude umfassend zu simulieren – und zwar so, dass klimaspezifische Bedingungen dabei berücksichtigt werden. Angestrebt wird die industrielle Fertigung standardisierter Gebäudeelemente, die gleichermaßen in verschiedenen Klimazonen eingesetzt werden können. Simulationsgestützte Gebäude-Entwürfe sollen die Integration aller Gebäudeelemente schon in einer frühen Planungsphase unterstützen und so eine detailgenaue Planung von Nullenergiehäusern gewährleisten – mit dem Ziel, die Investitions- und die Betriebskosten von Nullenergiehäusern zu minimieren.

Kontakt:

Prof. Dr. Monika Willert-Porada
Lehrstuhl für Werkstoffverarbeitung
Universität Bayreuth
95440-Bayreuth
Telefon: +49 (0)921 / 55-7201
E-Mail: indewag@uni-bayreuth.de

www.indewag.eu  

Christian Wißler | Universität Bayreuth
Weitere Informationen:
http://www.uni-bayreuth.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Bauübergabe der ALMA-Residencia
26.04.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

nachricht Mehr Sicherheit und Effizienz im Tunnelbau - DFKI-Software steuert Wartungsroboter für Bohrwerkzeug
19.04.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie