Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Brandschutz für Gebäudefassaden

22.04.2016

Die Dämmung eines Hauses ist heute Pflicht für jeden Bauherrn. Damit große Teile der Heizenergie nicht ungenutzt in die Umwelt entweichen, werden die Fassaden und Dächer von Gebäuden üblicherweise mit Dämmplatten ausgekleidet. Diese bringen oftmals einen erheblichen Nachteil mit sich: Sie sind leicht entflammbar. Ein spezielles Wärmedämm-Verbund (WDV)-Sanierungssystem könnte diese Gefahr reduzieren. Fraunhofer UMSICHT hat ein mit diesem Brandschutzputz aufgerüstetes WDV-Sanierungssystem auf seine Eignung hin getestet.

Seit 1993 wurden nach Angaben des Fachverbands Wärmedämm-Verbundsysteme (WDV) etwa 770 Millionen Quadratmeter Dämmplatten an deutschen Häusern verarbeitet. Das entspricht einer Fläche, die größer ist als die von Hamburg. Hartplatten oder elastischen Schaumstoffe auf Basis von petroche­mi­schen Kunststoffen sind günstig zu produzieren, einfach zu verarbeiten und besitzen gute Isolationseigen­schaf­ten.


In Brandschutzuntersuchungen wurde der Brandschutzputz BRANELIT® PLUS in zwei aufgebrachten Putzstärken untersucht und jeweils mit unertüchtigten WDV-Fassadenelementen verglichen.

© Fraunhofer UMSICHT


Im einstündigen Brandversuch zeigen die Fassadenelemente mit und ohne Brandschutzputz einen deutlichen Unterschied im Temperaturverlauf.

© Fraunhofer UMSICHT

Einer der größten Nachteile von Polystyrol-Hartschaum (EPS oder XPS) ist jedoch dessen leichte Ent­flammbarkeit. Um eine geschossübergreifende Brandausbreitung zu verhindern, werden Wärme­dämm-Verbundsysteme auf Polystyrol-Hartschaumbasis daher meist mit Flammschutzmitteln ver­setzt und mit Brandriegeln und Sturzschutzen versehen.

Im Falle eines Vollbrandes können die Dämm­plat­ten aber trotz dieser Schutzmaßnahmen erweichen oder aufschmelzen und unter hoher Wärmeentwicklung brennt selbst schwer entflammbares EPS vollständig ab.

WDV-System im Brandversuch

Fraunhofer UMSICHT hat vor diesem Hintergrund einen neuartigen Brandschutzputz auf seine Eignung im Einsatz an WDV-Systemen hin untersucht und dessen Temperaturverläufe im Brandfall gemessen. Bei dem System handelt es sich um einen mineralischen Brandschutzputz auf Perlitbasis nach DIN 4102 mit einer ge­rin­gen Dichte und Wärmeleitfähigkeit. Klassische Putze weisen hingegen eine um den Faktor zehn höhere Wärmeleitfähigkeit und entsprechend höhere Dichten auf.

Für die Branduntersuchungen haben die Wissen­schaft­ler den Brandschutz­putz BRANELIT® PLUS in zwei aufgebrachten Putzstärken untersucht und jeweils mit unertüchtigten WDV-Fassadenelementen verglichen. Hierbei wurde auf eine Polysty­rol­basis mit Armierungsgewebe und 3 mm Kratzputz jeweils eine 2,0 und 3,5 cm dicke Schicht des Brandschutzputzes aufgetragen.

In den Brandversuchen wurde die Oberfläche des Systems punktuell mit einer Temperatur von 1100 °C durch einen Gasbrenner belastet. Eine Temperaturmessstelle wurde rückseitig, am Übergang Putz/Polystyrol positioniert.

»In der einstündigen Messung konnten wir deutliche Unterschiede im Temperaturverlauf der verschieden aufgebauten Fassadenelemente feststellen«, beschreibt Andreas Sengespeick von Fraunhofer UMSICHT. Bereits nach einer Minute wurde beim unertüchtigten WDV-System die Glasübergangs­tempera­tur von Polystyrol, die bei 100 °C liegt, überschritten und somit die mecha­nische Festigkeit des Materials deutlich beeinträchtigt. Nach zwei Minuten Brandzeit ist der Schmelzpunkt von Polystyrol (240 °C) erreicht. Das Material in der WDV-Fassade schmolz und sammelte sich hinter dem Kratzputz und dem Armierungs­ge­we­be an.

Deutliche Unterschiede im Temperaturverlauf

Im Gegensatz dazu zeigt die gleiche WDV-Fassade, die die UMSICHT-Forscher mit BRANELIT® PLUS ausgerüstet haben, einen vollständig veränderten Temperaturverlauf. Nach einer Beanspruchungsdauer von 20 Minuten, was man als Maximalzeit bis zum Einsatz von Löschmaßnahmen annimmt, lagen die Temperaturen des Polystyrolmaterials bei 42 °C (3,5 cm Brandschutzputz) und bei 92 °C (2,0 cm Brandschutzputz).

Diese Temperaturen beeinflussen die mecha­nische Festigkeit des Polystyrol-Hartschaums nur vernachlässigbar. Nach 60 Minuten Temperturbeanspruchung wurde beim 3,5 cm starken Brandschutz eine Polystyroltemperatur von 80 °C und beim 2,0 cm stark aufgebrachtem Brandschutz­putz eine Temperatur von 130 °C gemessen. Das WDV-Sanie­rungs­system BRANELIT® PLUS des Herstellers PROCERAM GmbH & Co. KG ermöglicht somit im Vergleich zu unbehandelten Wärmedämm-Verbundsystemen eine erhöhte Widerstandsfähigkeit im Brandfall.

Weitere Informationen:

http://www.umsicht.fraunhofer.de/de/bereiche/produkte/abteilungen/materialsystem...

Iris Kumpmann | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Ökologischer Anbau: Tradition und Moderne perfekt vereint
28.03.2018 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Die Media-Koje – die wohl größte Couch der Welt im Designhaus „Haussicht“
19.03.2018 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics