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Trotz Strafrechtsreform Anstieg der Graffiti-Zahlen in Mitteldeutschland

15.10.2007
Die Verschärfung des Strafrechtes 2005 hat nicht zu einem Rückgang der Graffitizahlen geführt. In den mitteldeutschen Städten Leipzig, Halle und Merseburg ist ein Anstieg von 4,6 % der mit Graffiti besprühten Häuser zwischen 2005 und 2007 zu verzeichnen.

Eine besonders starke, signifikante Zunahme ist dabei in Leipzig und Halle zu registrieren. Die neuen Daten beruhen auf der mitteldeutschen Graffitistudie, die am Institut für Soziologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unter Leitung von Prof. Dr. Reinhold Sackmann im Rahmen eines Lehrforschungsprojektes durchgeführt wurde.

Dabei wurden im Januar, April und Juli 2007 Hausstichproben von je zehn Straßen in Dresden, Halle, Leipzig und Merseburg beobachtet und mit entsprechenden Hausdaten des Jahres 2005, dem Jahr der Strafrechtsänderung, verglichen. Für Rückschlüsse auf Motive und Reaktionsweisen im Umgang mit Graffiti wurden auch 258 Bewohner dieser Straßen befragt. Die aktuellen Daten vom Sommer 2007 zeigen, dass in Halle 51 % der Häuser verunziert sind, gegenüber 31 % in Leipzig, 24 % in Dresden und 8 % in Merseburg.

Aufgrund des Paneldesigns der Erhebung des Jahres 2007 konnte auch erstmals geprüft werden, ob der Anstieg der Graffitizahlen in Mitteldeutschland auf erhöhte Sprayeraktivitäten oder auf die Untätigkeit der Hauseigentümer zurückzuführen ist. Im Jahr 2007 sind deutlich mehr Übermalungen vorgenommen worden als 2005, insbesondere in Halle, wo bei 19 % der Häuser Übertünchungen festzustellen waren. 74 % der gereinigten Häuser wurden allerdings im gleichen Jahr wieder besprüht. Aufgrund der zunehmenden Aggressivität der Sprayerszene nahm deshalb insbesondere in Leipzig die Zahl der mit Graffiti bezeichneten Häuser innerhalb des Jahres 2007 schneller zu als sie durch Übermalungen gebremst werden konnte.

Die Strafrechtsreform 2005 (Änderung des § 303) hat also sowohl bei Sprayern als auch bei Hauseigentümern zu einer höheren Aktivitätsrate geführt, bei der allerdings die Sprayer noch das Übergewicht haben. Die statistischen Hintergrundanalysen der Halleschen Soziologen zeigen, dass leerstehende Häuser die Graffitiausbreitung begünstigen. Sie sind zu 83 % beschmiert und schaffen damit auch ein Umfeld, in dem umgebende Häuser schneller betroffen sind. In Straßen mit leerstehenden Häusern waren 46 % der Häuser mit Graffiti gekennzeichnet, während dies in Straßen ohne Leerstand nur 21 % waren.

"Die im mitteldeutschen Vergleich besonders hohe Konzentration von Graffiti in Halle ist nicht nur auf lokale Besonderheiten zurückzuführen. In allen Städten zeigt sich, dass leerstehende Häuser und geringer Sanierungsgrad ein günstiges Umfeld für Graffitihäufung bieten. Halle hat vorwiegend aufgrund seines höheren Anteils noch nicht abgerissener oder sanierter Häuser eine höhere Graffitidichte", erklärt Prof. Dr. Reinhold Sackmann, Leiter der Graffiti-Studie.

Neben dem hohen direkten Schaden, der Hauseigentümern durch Graffiti verursacht wird, gibt es auch indirekte Schäden. Die Bindung an das Wohnumfeld und damit die Bereitschaft zum Umzug ist in von Graffiti stark betroffenen Straßen größer als in anderen Straßen, wobei allerdings erst im Zusammenspiel mit anderen Zeichen der Verwahrlosung (leerstehende Gebäude, ungepflegte Vorgärten und kaputte Beleuchtung) nennenswerte Effekte festzustellen sind.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Reinhold Sackmann
Tel.: 0345 55 24252
E-Mail: reinhold.sackmann@soziologie.uni-halle.de

Carsten Heckmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

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