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Ökologisches Bauen macht Sinn, auch aus ökonomischen Gesichtspunkten

28.08.2007

Klima-Symposium Erkheim
Grünen-Chefin Claudia Roth: Jetzt die Weichen stellen in Richtung nachhaltiges, Klima und Ressourcen schonendes Bauen und Wohnen

Die Umweltbilanz von Neu- und Altbauten muss so schnell wie möglich verbessert werden, durch Baumaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen und den Einsatz von regenerativen Energien. Darin einig waren sich die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sowie Wissenschaftler und Bauexperten beim Klimaschutz-Symposium des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management e.V. (B.A.U.M) und des Holzbau-Unternehmens Baufritz in Erkheim (Allgäu). Denn im Kampf gegen den Klimawandel spielt die ökologische Bilanz von Wohngebäuden eine maßgebliche Rolle. Schließlich verursachen die rund 17 Millionen Häuser in Deutschland etwa 40 Prozent der jährlichen CO2-Emissionen.

"Es ist es höchste Zeit", sagte Claudia Roth, „dass Deutschland eine Vorreiterrolle einnehme, um in der Energie- und Klimapolitik alte Strukturen aufzubrechen. Manchmal hat man den Eindruck, dass die vier großen Energie-Konzerne in Deutschland das Sagen haben. Wir müssen endlich anfangen, Wachstum anders zu definieren." Als Machtfaktor spiele dabei auch der Verbraucher die entscheidende Rolle. "Wenn er es anders möchte als bisher, dann geht das auch." Roth sprach sich zudem für eine Verschärfung der Energiesparverordnung aus und dafür, dass ökologisches Bauen und die energetische Sanierung von bestehenden Gebäuden dringend intensiver zu fördern ist. "Jetzt müssen die Weichen gestellt werden in Richtung nachhaltiges, Klima und Ressourcen schonendes Bauen und Wohnen."

Um dies zu realisieren, machte Baufritz-Geschäftsführerin Dagmar Fritz-Kramer mehrere Vorschläge. So sollte eine Art Klimaschutzsiegel eingeführt und der Bau von Häusern mit mehr als 40 Tonnen CO2-Speicherfähigkeit entsprechend gefördert werden. Außerdem empfiehlt sie: Bei allen öffentlichen Bauvorhaben eine grundsätzliche CO2-Vorgabe. Um den Einsatz von CO2-speichernden Bau- und Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen gezielt zu fördern, müssen des Weiteren vorhandene Fördermittel der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) umgeschichtet werden. Auch ein reduzierter Mehrwertsteuersatz für Klimaschutzhäuser wäre sinnvoll. Kommunen könnten bei Bauherren die Akzeptanz zum Bau von Häusern mit Klimaschutzsiegel und Energiepass erhöhen, indem sie individuelle Anreize setzen, wie zum Beispiel durch reduzierte Grundstückspreise oder eine befristete Absenkung der Grundsteuer.

Der Baubiologe und Umweltbeauftragte der Unternehmens, Karlheinz Müller, stellte das Konzept eines Klimaschutzhauses vor, das sich durch seine enorme CO2-Speicherfähigkeit von bis zu 40 - 60 Tonnen auszeichnet. Das gesamte Haus bestehe nahezu aus nachwachsenden Bau- und Dämmstoffen; zudem sorge die natürliche Bauweise für ein besonders angenehmes und gesundes Wohnklima.

Dass ein ökologisch gebautes Haus schon mittelfristig ökonomisch sinnvoll sein kann, darauf verwiesen in Erkheim alle Bauexperten. So müsse man zum Beispiel bei einem Neubauprojekt in Höhe von 250.000 Euro (ohne Grundstück) mit "ökologischen" Mehrkosten von rund 12.000 Euro kalkulieren, die sich aufgrund der stetig steigenden Preise für Öl oder Gas nach wenigen Jahren amortisierten, erläuterte Dipl.-Ing. Architekt und Fachautor Holger König aus Karlsfeld bei München. Er hat mit LEGEP ein Computerprogramm entwickelt, das bereits bei den Klimaschutzhäusern des Allgäuer Holzhausunternehmens zum Einsatz kommt. Dieses Programm berechnet und bewertet Gebäude hinsichtlich der CO2-Speicherfähigkeit und des Energiebedarfs sowohl in der Herstellungs-, Bau-, wie auch in der Nutzungsphase. Eine entscheidende Rolle spiele dabei die Auswahl der Bau- und Dämmstoffe. "Dafür sind Materialien zu bevorzugen, die in hohem Maße CO2 speichern können und bei der Herstellung möglichst wenig Primärenergie verbrauchen", sagte König, der deshalb unbehandeltes Holz als nachwachsenden Rohstoff als eines der besten Baumaterialien bezeichnet.

Veit Bürger, beim Öko-Institut Freiburg Projektleiter im Bereich Energie- und Klimaschutz, erläuterte dem Fachpublikum in der "HausSchneiderei", dass der Energieaufwand für die Herstellung eines Gebäudes immer bedeutsamer werde im Verhältnis zum Energieverbrauch während der Nutzung. Deshalb empfiehlt das Öko-Institut, bei der Festschreibung von energetischen Gebäudestandards die Herstellungsphase in die Bemessungsgrundlage mit einzubeziehen. Auch müsse die Politik analog zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bei der Stromgewinnung den Einsatz erneuerbarer Energien in den Bereichen Heizwärme und Warmwasser fördern sowie ein Austauschprogramm für Stromheizungen. "Wir bräuchten so etwas wie ein Erneuerbares-Wärme-Gesetz." Bürger kritisierte außerdem, dass die in der Energiesparverordnung vorgeschriebene Sanierungspflicht nicht eingehalten werde, weil die Kontrolle fehle. "Kaum einer hält sich an dieses Gesetz, und die zuständigen Baubehörden schauen zu. Dabei ist jedes Gebäude, dass zwar renoviert, aber nicht energetisch saniert wird, eine verpasste Chance für den Klimaschutz."

Egal, wie dieser in Deutschland künftig umgesetzt wird, für Siegfried Vogt vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung in Karlsruhe steht fest: "Das globale Schicksal der Welt entscheidet sich nicht bei uns." Allerdings müsse Deutschland "den Vorreiter" spielen und die Standards im Klimaschutz setzen. Neben der unbedingt nötigen Reduktion von CO2-Emissionen müssten auch – obwohl die durch den Klimawandel bislang verursachten Veränderungen seiner Meinung nach nicht mehr rückgängig gemacht werden können - Anpassungsstrategien entwickelt werden, die auch die sozio-ökonomischen Auswirkungen berücksichtigen.

Ein flammendes Plädoyer für ein Umdenken in Politik und Wirtschaft hielt in Erkheim der B.A.U.M.-Vorsitzende Prof. Maximilian Gege, der in seiner "Klimaoffensive für Deutschland" für ein Milliarden schweres Programm wirbt, damit der CO2-Ausstoß in Deutschland um bis zu 350 Millionen Tonnen reduziert wird. "Klima -und Ulmweltschutz ist auch eine Frage der Gerechtigkeit", sagte Gege. "Die Unternehmen wollen 15 Prozent Rendite, aber keine drei Prozent Energie einsparen."

Martina Jöchle | BAUFRITZ, seit 1896
Weitere Informationen:
http://www.baufritz.com/?dom=w_ir-de

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