Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Asiatisches Reich im Pharaonenland

31.07.2007
Im 17. Jahrhundert v. Chr. geriet Ägypten in die Abhängigkeit einer fremden Dynastie aus Vorderasien: Die Hyksos eroberten vom nordöstlichen Nildelta aus ganz Ägypten. Die Hauptstadt dieser Fremddynastie wurde von Manfred Bietak, Ägyptologe an der Universität Wien, 1966 auf einem Ruinenhügel namens Tell el-Dab'a im Nordosten Ägyptens entdeckt.

Der Palast der Hyksos blieb trotz jahrzehntelanger Grabungsarbeiten unbekannt. 2005 stießen Bietak und sein Team schließlich zum ersten Mal auf einen ausgedehnten Palastbezirk der Hyksos-Zeit. Seitdem konnten die ArchäologInnen etwa ein Viertel eines Palastes freilegen und spannende Einblicke in die Alltagswelt dieser Zeit gewinnen.

Bisher ist nicht viel über Herkunft, Kultur- und Ereignisgeschichte der Hyksos in Ägypten bekannt. Sie regierten zwischen 1640 und 1530 v. Chr. von ihrer Hauptstadt Auaris im östlichen Nildelta aus Ägypten, bis die Pharaonen der 17./18. Dynastie die Hyksos besiegten und die Hauptstadt eroberten.

Der Ort rund um die heutige Stadt Tell el-Dab'a hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Nach den Hyksos nützte die Regierung von Tuthmosis III. und Amenophis II. (15. Jahrhundert v. Chr./18. Dynastie) in der Zeit des Neuen Reiches diesen strategisch günstig gelegenen Platz für die größte ägyptische Militär- und Marinebasis "Perunefer". Zuletzt war die Siedlung als "Ramses-Stadt" und Residenz von Ramses II. bekannt.

Univ.-Prof. Dr. Manfred Bietak, Vorstand des Instituts für Ägyptologie und Gründer des Österreichischen Archäologischen Instituts in Kairo, arbeitet gemeinsam mit Dr. Irene Forstner-Müller und einem großen Team seit 2005 an der Freilegung dieses vorderasiatischen Herrschersitzes der Hyksos.

Ein Palast über dem anderen

"Architektonisch handelt es sich dabei eindeutig nicht um einen ägyptischen Palast. Die Anlage hat eher Ähnlichkeiten zu großen Palastanlagen in Nordsyrien und Mesopotamien", erklärt der Ägyptologe. Bis heute konnte das Team um Bietak 100 mal 20 Meter des insgesamt 8.000 Quadratmeter großen Palastes freilegen. Durch geomagnetische Untersuchungen ist den ÄgyptologInnen aber der genaue - fast quadratische - Grundriss der Anlage bekannt. Das Ziel der nächsten Jahre: die vollständige Freilegung dieses vorderasiatischen Herrschersitzes. "Wir suchen außerdem noch einen zweiten Palast der Hyksos, der existieren muss, da der erste - wie unsere Funde zeigen - so plötzlich in der Mitte der Hyksoszeit verlassen wurde", so Bietak.

Festliche Fundstücke

Im Zuge der Freilegung des Hyksos-Palastes machten die ForscherInnen einen Sensationsfund: eine Grube mit rund sechs Meter Durchmesser, gefüllt mit über 1.000 Tongefäßen und Tierknochen. "Es muss ein großes Festmahl stattgefunden haben. Wir nehmen an, dass es sich dabei um ein Abschiedsritual handelte, da das Bauwerk unmittelbar danach verlassen wurde. Möglicherweise könnte der Tod des Palastinhabers die Ursache gewesen sein. Die Speiserelikte und zahlreichen beigesetzten Tongefäße sprechen für ein rituelles Totenmahl, wie man es in vielen Fällen auch in einem früher ausgegrabenen Tempel- und Gräberbezirk der Hyksoszeit nachweisen konnte. Bei solchen Festen wurden normalerweise 200 Tongefäße in zerbrochenem Zustand beigesetzt, doch im vorliegenden Fall fanden wir an die 1.300 Stück Tafelgeschirr und Ritualkeramik. Anschließend scheint der Palast aufgegeben worden zu sein", schlussfolgert Prof. Bietak. Eine zweite Grube gleicher Größe konnte durch geomagnetische Untersuchungen geortet werden, blieb aber bisher unangetastet.

Mitte August fährt Manfred Bietak wieder ins östliche Nildelta, um seine Forschungen fortzusetzen: "Wir suchen nach dem zweiten Palast der Hyksos. Möglicherweise haben wir davon schon einen Mauerrest entdeckt, doch genaueres können wir erst nach weiteren Grabungen sagen."

Kontakt:
O. Univ.-Prof. Dr. Manfred Bietak
Vorstand des Instituts für Ägyptologie
Universität Wien
1090 Wien, Frankgasse 1
T: +43-1-4277-431 03
manfred.bietak@univie.ac.at
Rückfragehinweis:
Mag. Alexandra Frey
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 31
alexandra.frey@univie.ac.at

Alexandra Frey | idw
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at/175

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Holzhäuser bei grauer Energie im grünen Bereich
22.06.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Wie Menschen Schäden an Gebäuden wahrnehmen
22.06.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie