Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Revolution in der Altbausanierung: Das 3-Liter-Haus bewährt sich

26.03.2002


Ein Altbau, der weniger Heizenergie braucht als ein neues Niedrigenergiehaus - diese Vision ist in Ludwigshafen Wirklichkeit geworden. Hier steht das erste 3-Liter-Haus unter den Altbauten Deutschlands. Das auf den ersten Blick unscheinbare Mietshaus hat es in sich: Eine besondere Wärmedämmung mit Neopor® und weiteren Baustoffen der BASF sowie eine ausgeklügelte Haustechnik sorgen dafür, dass man beim Heizen geizen kann. Wie der Bauphysiker Professor Hermann Heinrich von der Universität Kaiserslautern bescheinigt, hat das 3-Liter-Haus in der ersten Winter- und Heizperiode die Erwartungen übertroffen. Nach den bisher vorliegenden Messergebnissen wurden pro Jahr und Quadratmeter Wohnfläche sogar weniger als drei Liter Heizöl-Äquivalent verbraucht. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher nicht sanierter Altbau verheizt rund 20 Liter (pro Jahr und Quadratmeter). Und davon gibt es in Deutschland eine ganze Menge. Experten schätzen, dass von den 34 Millionen Wohnungen rund 24 Millionen in Sachen Wärmeschutz dringend sanierungsbedürftig sind. Ein großer Markt für die Baustoffe der BASF, die direkt zum Energiesparen beitragen und gleichzeitig den Geldbeutel schonen: Für den Mieter einer 100-Quadratmeter-Wohnung etwa sinken die Heizkosten durch den geringeren Verbrauch von jährlich 700 Euro auf 100 Euro.


Beim Heizen geizen: Energiesparen ohne Konsumverzicht -- Die Story

Winter in Ludwigshafen, das Thermometer zeigt minus 16 Grad. Die Mieter im 3-Liter-Haus sehen die klirrende Kälte draußen gelassen. Ihre Wohnungen sind mollig warm, obwohl die Heizkörper in den Zimmern ungewöhnlich klein sind. Das Geheimnis: Selbst bei strengem Frost bleibt die Wärme im Haus. Neben der guten Dämmung hat man Wert darauf gelegt, sogenannte Wärmebrücken zu vermeiden, an denen Wärme durch Bauteile nach draußen dringt. Auch ein kalter Luftzug ist nirgendwo zu spüren. Professor Heinrich erklärt: "Moderne Energiesparhäuser wie das 3-Liter-Haus sind nach der Philosophie der luftdichten Gebäudehülle gebaut." Dazu wurde an Fenstern und Türen, Ecken und Fugen penibel darauf geachtet, dass keinerlei Luft nach außen strömt und damit unkontrolliert Wärme verloren geht. Für Frischluft sorgt eine Lüftungsanlage. Sie saugt die verbrauchte Wohnungsluft aus Küche und Bad ab und führt sie über einen Wärmetauscher. Der überträgt bis zu 85 Prozent der Wärme auf die Frischluft, die dann wohltemperiert und staubgefiltert in Wohn- und Schlafzimmer strömt. Sabine Glaser, Mieterin im 3-Liter-Haus, ist begeistert: "Wenn wir in unserer alten Wohnung Fisch gekocht haben, stand der Geruch oft ein bis zwei Tage in unserer Küche. Dank der Lüftungsanlage ist der Geruch jetzt innerhalb von ein bis zwei Stunden wieder draußen."


Ab und zu ein Fenster zum Stoßlüften zu öffnen ist natürlich erlaubt, obwohl dabei unkontrolliert Wärme verloren geht. "Die Bewohner brauchen im 3-Liter-Haus ihren Lebensstil nicht zu ändern, sie profitieren aber von der sehr günstigen Warmmiete", sagt Dr. Wolfgang Schubert vom BASF-eigenen Wohnungsbauunternehmen LUWOGE, das das Wohnhaus für die neun Mietparteien im April 2001 fertig gestellt hat. Von den Mietern wird nur das gefordert, was üblicherweise zum Energiesparen empfohlen wird. Nach knapp einem Jahr können Schubert und Heinrich nun Bilanz ziehen: Viele Mieter geizen beim Heizen. Und sie fühlen sich wohl dabei. Heinrich dazu: "Das beweist, dass Energiesparen nicht Konsumverzicht bedeuten muss."

Die Dämmung bringt’s -- Der Hintergrund

Um den Nutzen moderner Haustechnik und neuer Dämmmaterialien zu zeigen, hat BASF rund 500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche in die energetische Sanierung des Altbaus gesteckt. Damit das 3-Liter-Haus den vollen Wohnkomfort bietet, begleitet Professor Heinrich mit seinem Messprogramm Gebäude und Bewohner durch das Jahr. Zum Wohlfühlen sollte die Temperatur zwischen 18 und 24 Grad Celsius und die Luftfeuchte zwischen 40 und 65 Prozent liegen. "Auch der CO2-Gehalt darf nicht zu hoch sein, sonst gibt’s Kopfweh", sagt Heinrich. Über 150 Messsensoren hat er im Haus verteilt. Sie registrieren Raum- und Wandtemperatur, Luftfeuchte und einiges mehr. "Gerade die Oberflächentemperatur der Wand trägt viel zum Wohlbefinden bei", sagt Heinrich. "Die gute Dämmung der Fassade mit dem BASF-Material Neopor senkt den Wärmeverlust und schafft richtiges Wohlfühlklima."

Die Außenfassade des Altbaus wurde mit 20 Zentimeter dicken Neopor-Platten isoliert, auch Kellerdecke und Dach wurden mit dem neuen Produkt gedämmt. Gegenüber herkömmlichen Dämmstoffen hat Neopor ein deutlich besseres Wärmedämmvermögen. Das Produkt basiert wie der BASF-Klassiker Styropor® auf Polystyrol, enthält aber zusätzlich winzige Infrarotabsorber, die die Wärmestrahlung zurückhalten. Der Einsatz von Neopor für die Gebäudehülle ist denn auch laut Prof. Heinrich beim 3-Liter-Haus die wichtigste Energiesparmaßnahme - sowohl bezogen auf den Nutzen für den Bauherrn als auch aus ökologischer Sicht. Schließlich benötigt man für Neopor-Platten (ein Quadratmeter Fläche, zwanzig Zentimeter dick) rund zehn Liter Erdöl in der Herstellung, spart damit aber innerhalb von 50 Jahren umgerechnet 1200 Liter Heizöl ein.

Weitere technische Raffinessen im 3-Liter-Haus sind eine moderne Gas-Brennwertheizung, die Wärmerückgewinnungsanlage, die 85 Prozent der Wärme aus der abgeführten Luft herausholt, sowie dreifach verglaste Fenster. Der Fensterrahmen aus dem BASF-Kunststoff Vinidur ist mit einem Polyurethan-Dämmkern isoliert, eine Edelgasfüllung zwischen den Scheiben sorgt für optimalen Wärmeschutz. Zum Vergleich: Durch ein einfach verglastes Fenster entweicht rund die fünffache Menge an Wärme.

In Richtung Wohlfühlklima geht auch eine weitere Neuheit der BASF. Einige der Wohnräume haben einen Innenputz mit sogenannten Latentwärmespeichern. Dieser nimmt im Sommer bei großer Hitze die Wärme auf und gibt sie verzögert wieder ab. Die Folge: An heißen Tagen bleibt die Wohnung länger angenehm kühl.

Energiesparen hat Zukunft -- Die Perspektiven

Mit den innovativen Baustoffen der BASF zeigt das zum 3-Liter-Haus sanierte Mehrfamilienhaus in Ludwigshafen, dass es wie das 3-Liter-Auto realisierbar ist und als visionäres Ziel für den Altbaubestand gelten kann. "Die BASF demonstriert damit die Leistungsfähigkeit ihrer Baustoffe und sieht sich für die Zukunft gut gerüstet", sagt Schubert. Die neue Energieeinsparverordnung (gültig seit 1. Februar 2002), die das 7-Liter-Haus zum Standard für den Neubau erhebt, zeigt, dass Energiesparen Zukunft hat. "Für Wohnungsunternehmen und Investoren werden zukunftsfähige Kapitalanlagen immer stärker mit dem Energiesparen verknüpft", erklärt Schubert. Hier tut sich ein großer Markt in der Altbausanierung mit einem Bauvolumen von 408 Milliarden Euro auf. "Mit dem 3-Liter-Haus als Demonstrationsobjekt für die Altbausanierung haben wir alles technisch Machbare ausgereizt. Wenn auch nur ein Teil davon in großem Maßstab umgesetzt wird, spart das viel Geld und Energie."
Unterdessen geht das Projekt in Ludwigshafen weiter. Die Messserie von Prof. Heinrich ist auf drei Jahre angelegt. Im nächsten Winter wird die im Keller integrierte Brennstoffzelle das Haus umweltfreundlich mit Strom und Wärme versorgen.


| BASF

Weitere Berichte zu: 3-Liter-Haus Altbausanierung Neopor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Designhaus Griffen - luxuriöses Wohnen in Verbindung mit gesundem Wohnkomfort
26.08.2015 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Digitales Bauen noch Zukunftsmusik
06.08.2015 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: OU astrophysicist and collaborators find supermassive black holes in quasar nearest Earth

A University of Oklahoma astrophysicist and his Chinese collaborator have found two supermassive black holes in Markarian 231, the nearest quasar to Earth, using observations from NASA's Hubble Space Telescope.

The discovery of two supermassive black holes--one larger one and a second, smaller one--are evidence of a binary black hole and suggests that supermassive...

Im Focus: Optische Schalter - Lernen mit Licht

Einem deutsch-französischen Team ist es gelungen, einen lichtempfindlichen Schalter für Nervenzellen zu entwickeln. Dies ermöglicht neue Einblicke in die Funktionsweise von Gedächtnis und Lernen, aber auch in die Entstehung von Krankheiten.

Lernen ist nur möglich, weil die Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen im Gehirn fortwährend umgebaut werden: Je häufiger bestimmte Reizübertragungswege...

Im Focus: What would a tsunami in the Mediterranean look like?

A team of European researchers have developed a model to simulate the impact of tsunamis generated by earthquakes and applied it to the Eastern Mediterranean. The results show how tsunami waves could hit and inundate coastal areas in southern Italy and Greece. The study is published today (27 August) in Ocean Science, an open access journal of the European Geosciences Union (EGU).

Though not as frequent as in the Pacific and Indian oceans, tsunamis also occur in the Mediterranean, mainly due to earthquakes generated when the African...

Im Focus: Membranprotein in Bern erstmals entschlüsselt

Dreidimensionale (3D) Atommodelle von Proteinen sind wichtig, um deren Funktion zu verstehen. Dies ermöglicht unter anderem die Entwicklung neuer Therapieansätze für Krankheiten. Berner Strukturbiologen ist es nun gelungen, die Struktur eines wichtigen Membranproteins zu entschlüsseln – dies gelingt relativ selten und ist eine Premiere in Bern.

Membranproteine befinden sich in den Wänden der Zellen, den Zellmembranen, und nehmen im menschlichen Körper lebenswichtige Funktionen wahr. Zu ihnen gehören...

Im Focus: Quantenbeugung an einem Hauch von Nichts

Die Quantenphysik besagt, dass sich auch massive Objekte wie Wellen verhalten und scheinbar an vielen Orten zugleich sein können. Dieses Phänomen kann nachgewiesen werden, indem man diese Materiewellen an einem Gitter beugt. Eine europäische Kollaboration hat nun erstmals die Delokalisation von massiven Molekülen an einem Gitter nachgewiesen, das nur noch eine einzige Atomlage dick ist. Dieses Experiment lotete die technischen Grenzen der Materiewellentechnologie aus und knüpft dabei an ein Gedankenexperiment von Bohr und Einstein an. Die Ergebnisse werden aktuell im Journal "Nature Nanotechnology" veröffentlicht.

Die quantenmechanische Wellennatur der Materie ist die Grundlage für viele moderne Technologien, wie z. B. die höchstauflösende Elektronenmikroskopie, die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gravitationswellen im Einsteinjahr

28.08.2015 | Veranstaltungen

Strömungen in industriellen Anlagen sichtbar gemacht

28.08.2015 | Veranstaltungen

Konzepte gegen Fachkräftemangel: Demografiekonferenz in Halle

27.08.2015 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein Barcode zum Schreddern von Abfall-RNA

28.08.2015 | Biowissenschaften Chemie

Vulkanausbrüche - Magma-Eigenschaften wichtig für Vorhersage

28.08.2015 | Geowissenschaften

Gravitationswellen im Einsteinjahr

28.08.2015 | Veranstaltungsnachrichten