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Der Neumarkt: ein barockes Disneyland?

02.07.2007
Wie amerikanische Studenten Stadtentwicklungsprozesse in Dresden erleben

Die Diskussion um die Bebauung des Dresdner Neumarktes beschäftigt nicht nur die Dresdner. Eine Gruppe US-amerikanischer Studenten vertieft sich derzeit in die Stadtentwicklungsprozesse der sächsischen Landeshauptstadt. Neben der Kräutersiedlung oder Fragen innerstädtischer Verkehrsentwicklung geht es natürlich auch um den Neumarkt. Und hier stellen sich die Studenten die Frage: Kann der Neumarkt Dresdens neues urbanes Zentrum werden - oder ist er nur ein barockes Disneyland?

Mit den Augen der US-amerikanischen Studenten betrachtet ist der Neumarkt vor allem eines: eine große Touristenattraktion mit dem Hauptanziehungspunkt Frauenkirche. Positiv fielen den Studenten die vielen Restaurants und Läden am Neumarkt auf. "Doch am Neumarkt halten sich hauptsächlich Touristen auf", stellt Michael Shipmann von der Ohio State University fest. Ein urbanes Zentrum einer Stadt sieht in seinen Augen anders aus. "Es fehlen Nutzungen, die auch für Dresdens Einwohner attraktiv sind", ergänzt er. Auch sein Kommilitone Nathan Harber kann im Neumarkt noch kein städtisches Zentrum erkennen. "Das Stadtzentrum ist für mich die Neustadt", kommentiert er seine Eindrücke von Dresden. Die Touristen alleine reichen nach Meinung der Studenten aus den USA nicht aus, um den Neumarkt zu einem städtischen Zentrum zu machen. Ihre Empfehlung: Städtische Funktionen sollten ganz klar vor Diskussionen über die Architektur stehen. "Bei den Überlegungen zur Bebauung des Neumarktes sollte nicht das Design im Mittelpunkt stehen, sondern Bemühungen, den Neumarkt zu einem urbanen Zentrum zu entwickeln", schlussfolgert Harber. Das heißt: mehr Anwohner, eine Nutzungsmischung zwischen Einzelhandel, Gastronomie und kulturellen, touristischen sowie administrativen Einrichtungen. Auch den Bau des Gewandhauses sehen er und seine Kommilitonen positiv.

Die US-amerikanischen Studenten nehmen an einem Austausch zwischen der TU Dresden und der Ohio State University teil, der in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) und den Stadtverwaltungen von Dresden und Columbus nun bereits seit zehn Jahren stattfindet. Gemeinsam mit deutschen Studenten werden Themen der nachhaltigen Stadtentwicklung in Dresden und Columbus erörtert und Konzepte für einzelne Fragen der Stadtentwicklung entwickelt. Jeweils zwölf deutsche und zwölf amerikanische Studenten der Raum- und Planungswissenschaften erhalten so jedes Jahr die Möglichkeit zu einem Einblick in die Planungspraxis auf der jeweils anderen Seite des Atlantiks. Im letzten Jahr wurden die Initiatoren des Programms, Professor Bernhard Müller aus Dresden und Professor Hazel Morrow-Jones aus der Partnerstadt Columbus, mit einem europäischen Preis für das weltweit einmalige Programm ausgezeichnet.

Anja Petkov | idw
Weitere Informationen:
http://www.ioer.de

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