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Schlauchliner: Glas klar im Vorteil?

26.04.2007
Kommt es beim Schlauchlining nur auf das Material an? Welche Qualitäten erzielen Sanierer mit welchem Linertyp?

Der IKT-LinerReport 2006 zeichnet ein differenziertes Bild. In der Fachwelt wird verstärkt die Frage nach den besten Linertypen und Verfahrenstechniken für Schlauchlining diskutiert. Zwei Technikfamilien buhlen um die Gunst der Auftraggeber: Schlauchliner mit Glasfasern und Schlauchliner mit Nadelfilz als Trägermaterial.

Dass die jeweiligen Hersteller nur die Vorteile ihrer Systeme in den Vordergrund stellen, verwundert niemanden. Aber wie sehen die Fakten wirklich aus? Welche Qualitäten werden auf Baustellen tatsächlich erzielt?

Der IKT-LinerReport 2006 gibt Antworten anhand der Laborergebnisse der neutralen und unabhängigen IKT-Prüfstelle für Schlauchliner.

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»Baustelle »Sanierung

Material und Mannschaft

Schlauchliner sind im Grunde genommen neue Rohre aus hochmodernen Verbundwerkstoffen. Sie werden jedoch auf der Baustelle hergestellt. Anders als in einer Rohrfabrik herrschen hier oft schwierige Verhältnisse, die von Ort zu Ort erheblich variieren und die es in den Griff zu bekommen gilt.

Dies erfordert beste Qualitäten der eingesetzten Trägermaterialien und Harze. Aber nur eine eingespielte Baumannschaft, die den komplexen Einbau- und Aushärtungsprozess beherrscht, macht aus den Vorprodukten einen tragfähigen und dichten Liner, der dann zuverlässig mehrere Jahrzehnte in Betrieb bleibt.

Datenbasis

In den LinerReport 2006 fließen die Daten aller Sanierungsfirmen ein, für die das IKT mindestens 25 Linerproben von fünf verschiedenen Baustellen geprüft hat (Jan. - Dez. 2006). Bei Wiederholungsprüfungen gilt das zuletzt festgestellte Ergebnis, sofern auch diese Prüfungen im IKT stattfanden. Der aktuelle Bericht beruht auf insgesamt 1.084 Baustellenproben. Sie wurden auf Baustellen in ganz Deutschland entnommen und im IKT-Labor gründlich untersucht.

Der hiermit vorgelegte IKT-LinerReport gibt ein Gesamtbild der Schlauchliner-Qualitäten wieder, nach Sanierungsfirmen und -verfahren aufgeschlüsselt. Es ist der dritte derartige Bericht des Instituts nach den LinerReports 2003/2004 und 2004/2005.

Grenzen der Aussagekraft

Laborergebnisse von Baustellenproben können nicht die alleinigen Kriterien zur Bewertung konkreter Sanierungsmaßnahmen sein, weil Baustellenproben immer nur Stichproben sind. Sie werden üblicherweise im Schacht entnommen, in Ausnahmefällen auch direkt aus der Haltung.

Der Gesamtzustand einer sanierten Haltung ist nur bewertbar, wenn weitere Abnahmeuntersuchungen hinzugezogen werden, wie Kamerabefahrung oder Begehung. Erst dadurch werden zum Beipsiel Falten, unsachgemäß eingebundene Hausanschlüsse oder partielle Fehlstellen in der Haltung erkannt.

Demzufolge kann der IKT-LinerReport auch nicht alleiniger Maßstab zum Vergleich der Sanierungsfirmen und ihrer Linersysteme sein. Vielmehr vermittelt er ein Bild anhand lediglich eines - wenn auch sehr wichtigen - Aspekts der Qualitätssicherung: der Laborprüfung.

Soll-Ist-Analyse

Mindestens vier Kennwerte werden üblicherweise zur Bewertung von Baustellenproben herangezogen:

· Elastizitätsmodul (Kurzzeit-Biegemodul),
· Biegefestigkeit (Kurzzeit-sfb),
· Wanddicke und
· Wasserdichtheit.
Für die ersten drei, die mechanischen Kennwerte, werden die geforderten mit den tatsächlich erzielten Ergebnissen verglichen (Soll-Ist-Analyse). Das vierte Kriterium, die Wasserdichtheit, wird nach der APS-Prüfrichtlinie bestimmt. Dabei lautet das Resultat entweder "dicht" oder "undicht".

Bauherren müssen prüfen

Auftraggeber von Prüfungen waren im Jahr 2006 sowohl Bauherren als auch Sanierungsunternehmen. Das IKT empfiehlt jedoch seit jeher nachdrücklich, dass nicht die Sanierungsfirmen, sondern die Bauherren (oder ihre Ingenieurbüros) das Prüfinstitut bestimmen und selber beauftragen sollen. Dies darf nicht denjenigen überlassen werden, die geprüft werden. So lassen sich mögliche firmenseitige Einflussversuche von vornherein klar ausschließen. Der Großteil der im IKT durchgeführten Prüfungen wurde von der Bauherrenseite beauftragt, nämlich 82% (Tab. 1).

Tab. 1: Sanierer und Linersysteme http://www.ikt.de/down/tabelle_01.pdf

E-Modul
Schlauchliner müssen örtlich verschiedene Lasten tragen (Grundwasser, Straßenverkehr, Erddruck). Dafür müssen sie jeweils ausgelegt sein und über eine adäquate Tragfähigkeit verfügen. Ein zentraler mechanischer Kennwert dafür ist der Elastizitätsmodul. Prüfmethode für Baustellenproben ist der Dreipunkt-Biegeversuch, den das IKT in Anlehnung an DIN EN ISO 178 und DIN EN 13566-4 als Kurzzeitversuch durchführt. (siehe Tab. 2)

Tab. 2: Prüfkriterium Elastizitätsmodul http://www.ikt.de/down/tabelle_02.pdf

Biegefestigkeit
Die Biegefestigkeit kennzeichnet den Punkt, an dem ein Liner aufgrund zu hoher Spannung versagt. Ist sie zu gering, so ist ein Liner nicht ausreichend tragfähig und kann noch vor Erreichen der zulässigen Last brechen.

Prüfmethode: Im Dreipunkt-Biegeversuch wird die Last bei konstanter Verformungsgeschwindigkeit bis zum ersten Lastabfall gesteigert. Dieser kennzeichnet den Beginn des Linerbruchs (Kurzzeitversuch). (siehe Tab. 3)

Tab. 3: Prüfkriterium Biegefestigkeit http://www.ikt.de/down/tabelle_03.pdf

Wanddicke
Das dritte für die Beurteilung der Liner-Tragfähigkeit relevante Kriterium ist die Wanddicke (mittlere Verbunddicke em nach DIN EN 13566-4). Für sie wird eine Vorgabe gemacht (beispielsweise für die statische Berechnung), die dann bei der Herstellung des Liners auf der Baustelle erreicht werden muss.

Prüfmethode: Mit einer Präzisionsschieblehre wird die statisch tragfähige Wanddicke an sechs Stellen gemessen. Innen- und Außenfolien sowie nicht-strukturierte Reinharzschichten (Überschussharz) werden dabei nicht berücksichtigt. (siehe Tab. 4)

Tab. 4: Prüfkriterium Wanddicke http://www.ikt.de/down/tabelle_04.pdf

Wasser-Dichtheit nach APS
Prüfmethode: Falls vorhanden, wird zuerst die Außenfolie der Probe entfernt und die Innenfolie nach einem festgelegten Muster eingeschnitten. Dann wird rot gefärbtes Wasser auf die Innenseite aufgetragen und auf die Außenseite 0,5 bar Unterdruck aufgebracht. Bilden sich Tropfen, Schaum oder Feuchtigkeit auf der Außenseite, so ist der Liner undicht. (siehe Tab. 5)

Tab. 5: Prüfkriterium Wasser-Dichtheit http://www.ikt.de/down/tabelle_05.pdf

Linertypen und Linersysteme
Eine Analyse in Hinblick auf die eingesetzten Linertypen und -systeme zeigt Tab.6:

· Bei den Kriterien Wasserdichtheit und E-Modul erzielen GFK-Liner systematisch bessere Prüfergebnisse als Nadelfilzliner. Etwas schwächer ist diese Beziehung beim Biegezug ausgeprägt. Bei der Wanddicke ist kein systematischer Zusammenhang zwischen Linertyp und Prüfergebnissen erkennbar.

· Innerhalb der beiden Gruppen GFK und Nadelfilz offenbaren sich allerdings zum Teil große Qualitätsunterschiede: So variieren die Nadelfilz-Ergebnisse bei den Kriterien Wasserdichtheit und Biegefestigkeit sehr stark. Lediglich bei der Wanddicke liegen sie recht dicht beieinander. Hingegen variieren die GFK-Ergebnisse weitaus weniger. Einzige Ausnahme ist die Wanddicke, bei der eine erhebliche Spannweite vorliegt.

Tab. 6: Ergebnisse nach Linertypen http://www.ikt.de/down/tabelle_06.pdf

Sanierungsfirmen
Allerdings sind auch die Ausführungsqualitäten der Sanierungsfirmen kritische Erfolgsfaktoren. Dies zeigt sich insbesondere bei Linersystemen, die von mehr als einer Firma eingesetzt werden, nämlich Berolina Liner, Brandenburger Schlauchliner, CityLiner und Saertex-Liner. Die Bandbreite der Erfolgsquoten (Anteil bestandener Prüfungen) je Linersystem ist bei einigen Prüfkriterien erheblich (vgl. Tab. 7).

Tab. 7: Bandbreite der Prüfergebnisse http://www.ikt.de/down/tabelle_07.pdf

Fazit
Mit dem Schlauchlining können Bauherren nach wie vor auf ein geeignetes und zuverlässiges Sanierungsverfahren zurückgreifen. Die Mehrzahl der Sanierungsfirmen lieferte im Jahr 2006 gute bis sehr gute Arbeit ab. Dies dokumentieren hohe Erfolgsquoten von bis zu 100%.

Der Vergleich zum LinerReport 2004/2005 zeigt, dass es vielen Firmen gelungen ist, ihre Leistungen sogar zu verbessern oder auf konstant hohem Niveau zu halten. Dies ist im Sinne einer technisch guten, wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Kanalsanierung sehr erfreulich.

Allerdings wird auch sehr klar, dass einige Sanierungsfirmen noch ausreichend Raum nach oben haben, um ihre Schlauchliner-Qualitäten zu verbessern. Dies gilt insbesondere für Firmen, die Nadelfilz-Liner einsetzen. Diese Technikfamilie muss vor allem bei Wasserdichtheit, E-Modul und Biegefestigkeit gegenüber den GFK-Linern deutlich aufholen.

Aber auch bei GFK-Firmen ist noch lange nicht alles perfekt, denn hier zeigen die Ergebnisbandbreiten, dass nicht immer nur gute Baustellen-Qualitäten abgeliefert werden.

Verstärkte Anstrengungen bei Produktentwicklung und Qualitätssicherung stehen nun ganz oben auf der Tagesordnung, wenn die Schlauchlining-Familie in einem anziehenden Sanierungsmarkt nicht gegenüber konkurrierenden Sanierungsverfahren zurückfallen will.

Daniela Brown | idw
Weitere Informationen:
http://www.ikt.de

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