Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Raumkonzepte für alte Häuser

24.04.2007
Die Architekturinformatik hilft, geplante Umnutzungen von Gebäuden zu optimieren

Fünf Milliarden Quadratmeter Nutzfläche dämmern in Deutschland ungenutzt in Bestandsgebäuden vor sich hin, schätzt Thorsten Lömker, Dozent für Computeranwendung in der Architektur und Landschaftsarchitektur an der Technischen Universität Dresden. Das ist etwa die gleiche Fläche, die jedes Jahr neu gebaut wird. Eine vergleichsweise preiswerte Lösung, die mehr und mehr Bauherren in Betracht ziehen, ist die Nachnutzung eines bereits vorhandenen Gebäudes. Wie dabei umgebaut werden muss, damit die Anforderungen des neuen Nutzers möglichst gut erfüllt werden, entscheidet ein Architekt noch heute oft aus dem Bauch heraus. Seine Erfahrung und seine Intuition helfen ihm dabei. Bei auftauchenden Unwägbarkeiten wird dann trotzdem oft noch abgerissen und neugebaut.

"Das ist doch reine Energieverschwendung!", dachte sich Lömker. In seiner Dissertation untersuchte er "Plausibilität im Planungsprozess". Können bestimmte architektonische Probleme mathematisch abgebildet werden? Kann ein Computer dem Architekten bei der Neuplanung eines alten Gebäudes helfen? Findet der Rechner Lösungen, die kosteneffizienter zu verwirklichen sind? Auf Tagungen in Taiwan, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder den USA erntete der Architekt schon mal Kopfschütteln: Alte Ziegelbauten erhalten? Wozu denn, wenn man heute höher, schneller und billiger neu bauen kann? Von den gewichtigen ökologischen Argumenten lassen sich jedoch mehr und mehr auch die Architekten überzeugen, die ihren Auftraggebern bisher zu einem modernen Neubau geraten haben. Die solide, massive Bauweise vor 1949 bietet den Mietern nämlich Vorteile, die kaum ein heutiger Bau aufweisen kann: im Winter bleiben die Räume warm, im Sommer kühl.

Mit neuen Vorschlägen zur Umnutzung verschiedener Bestandsgebäude hat Lömkers Arbeitsgruppe gezeigt, dass mit den entwickelten Klassifikations- und Optimierungsalgorithmen bereits konkrete Anfragen beantworten werden können. In seinem mathematischen Modell sind Räume als Knotenpunkte, Wege als Kanten in Matrizenform repräsentiert. Die Feinheit der Raumbeziehungen untereinander ist einstellbar. Mehrere Zielfunktionen können definiert werden: so sollen etwa bestimmte Räume eng beieinander liegen, die Nutzfläche maximiert und der Quadratmeterpreis unter einem bestimmten Wert gehalten werden. Da die an der Fakultät vorhandenen Rechenkapazitäten bei solchen Operationen an Grenzen stoßen, wollen die Architekten demnächst auch den neuen Hochleistungsrechner der TU nutzen.

... mehr zu:
»Raumkonzepte

Zwei Jahre Arbeit mit drei Mitarbeitern bräuchte es noch, dann wäre das Planungs- und Optimierungswerkzeug anwenderfreundlich einsetzbar. Das Interesse der Immobilieneigentümer ist jedoch schon jetzt geweckt. Schließlich ließe sich mit Lömkers Idee der allerorten beklagte Leerstand in vorhandenen Gebäuden deutlich vermindern.

Weitere Informationen: Doz. Dr.-Ing. M.Sc. Arch. Thorsten M. Lömker, Technische Universität Dresden, Fakultät Architektur, Dozentur für Computeranwendung in der Architektur und Landschaftsarchitektur, 01062 Dresden, Tel. 0351 463-39653

thorsten.loemker@tu-dresden.de

Kim-Astri Magister | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-dresden.de/

Weitere Berichte zu: Raumkonzepte

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen
23.03.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Neues Mehrfamilienhaus-Konzept vom Ökohaus-Pionier
21.03.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen