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Digitale Gebäude - Von Haus aus sicher

23.02.2007
Ein Türschloß, das weiß, wer eintreten darf - die Verbindung herkömmlicher Gebäudetechnik mit IT macht es möglich. Das Digitale Gebäude erleichtert den Arbeitsalltag und macht Räume und Rechner sicher. Auf der CeBIT (15. - 21. März) stellen Fraunhofer-Forscher neue Lösungen vor.

Kurzfristig ist für morgen ein Projekt-Treffen in Frankfurt angesetzt. Via Internet bucht Herr Schmidthuber einen Konferenzraum direkt im Bahnhof, gibt die Namen der Teilnehmer an, bestellt die elektronische Ausstattung, ordert Getränke und belegte Brötchen. Am nächsten Morgen ist der Raum für die Besprechung präpariert: Die Temperatur beträgt angenehme 20 Grad und der Beamer ist angeschlossen. Auf dem elektronischen Türschild steht, dass der Raum von 11-15 Uhr von der Projektgruppe ZEUS belegt ist.

Jeder Teilnehmer identifiziert sich nur kurz über einen Funk-Chip und schon hat er Zutritt zum Besprechungsraum und erhält über WLAN eine Internetanbindung und Zugriffsrechte auf die Dateien, die Herr Schmidthuber auf den Raumserver geladen hat.

"Dieses Szenario ist nur eine mögliche Anwendung für die Software facilityboss", erläutert Dr.-Ing. Thorsten Henkel vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT. Das System haben SIT-Forscher gemeinsam mit Architekten und Gebäudebetreibern entwickelt, um Informationstechnologie und Gebäudetechnik besser mit einander zu verzahnen. Über die Plattform lassen sich alle IT-Systeme und elektronischen Geräte mit einander verknüpfen, überwachen und steuern. So kann man etwa dafür sorgen, dass die Fahrstuhlsteuerung gewissen Objekten oder Personen automatisch Vorfahrt gewährt. Die Verbindung von Gebäudetechnik und IT ermöglicht ein ganzheitliches Sicherheitsmanagement: Schließberechtigungen für einzelne Räume und die Zugriffsrechte für das Firmennetzwerk lassen sich schnell und einfach über eine Webschnittstelle regeln. Arbeitsausfälle und Wartezeiten entfallen.

"facilityboss ist eine Art Betriebssystem für das digitale Gebäude, über das die unterschiedlichsten Gebäudekomponenten verbunden und gesteuert werden können", fasst Henkel die Vorzüge der Technik zusammen. Über eine Schnittstelle lassen sich alle Dienste von der Heizung bis zur PC-Ausstattung regeln und auswerten. Gleichzeitig erhält das System diverse Informationen von Sensoren über Temperaturen und den Aufenthaltsort von Menschen und Geräten. Die so gesammelten Daten lassen sich mit facilityboss nach gewissen Gesichtspunkten analysieren. Ein Beispiel: In einem Gründerzentrum steht ein Besprechungsraum zur Verfügung. Die Start-ups können das Zimmer via Internet buchen. Das System erfasst, welche Firma den Raum wie oft genutzt hat, welche Kosten durch Catering und sonstige Dienstleistungen angefallen sind, und erstellt am Ende des Monats automatisch eine Abrechnung.

Nützlich ist die Plattform auch für das Monitoring der technischen Gebäudeausstattung. Sind zum Beispiel in einem Krankenhaus alle wichtigen Geräte mit Funkchips (RFID-Tags) ausgestattet, kann man jederzeit nachvollziehen, wo die Geräte im Einsatz sind. Die Technik ist vielseitig einsetzbar: In Hotels, um Besucher zu leiten, in Flughäfen, um die Fracht- und Personenströme zu koordinieren, in Krankenhäuser, um Ressourcen besser zu nutzen. Durch die Orientierung am ISO-Sicherheitsstandard und einer Peer-to-Peer-Architektur arbeitet das System sicher und zuverlässig.

Auf der CeBIT in Hannover demonstrieren die Forscher zwei konkrete Anwendungen für facilityboss: ein Raumreservierungs- und Analyse-System und die Steuerung einer innovativen funkbasierten Schließanlage. Dieses selbstorganisierende Schließsystem haben Wissenschaftler der Fraunhofer-Einrichtung für Systeme der Kommunikationstechnik ESK in München zusammen mit der Uhlmann & Zacher GmbH entwickelt.

Die Anlage besteht aus Schließzylindern mit integriertem Funksystem, Zugangspunkten (Access Points) und einer Schließsystemverwaltung - einem PC mit Verwaltungssoftware. Die Schließzylinder verbinden sich über Funk automatisch mit einem der Zugangspunkte und diese leiten die Daten an die Schließsystemverwaltung weiter. Im umgekehrten Fall werden Daten von der Schließsystemverwaltung über die Access Points an die Zylinder geleitet. So können von einem zentralen Punkt per Fernzugriff sämtliche Schlösser zeitnah konfiguriert, programmiert und Schließprotokolle ausgelesen werden. Dadurch werden Änderungen der Schließberechtigungen, zum Beispiel bei verloren gegangenen Schlüsseln, ohne Zeitverzögerung wirksam. Das erhöht den Gebäudeschutz drastisch.

"Das neue System vereint die Vorteile elektronischer Schließanlagen mit denen der Funkkommunikation", erläutert Dipl.-Inform. Markus Augel von der ESK. Nimmt zum Beispiel ein neuer Mitarbeiter in der Finanzabteilung im dritten Stock seine Tätigkeit auf, wird über das IT-System die Information "Herr Meyer darf ab dem 15. März alle Räume im dritten Stock betreten", an den Zugangspunkt weiter gegeben. Dieser gibt die Information per Funk an die jeweiligen Schlösser weiter. Die Schließanlagen müssen nicht mehr aufwändig von Hand umgestellt werden. "Bei der Konzeption der Schließanlage haben wir großen Wert auf hohen Komfort und Sicherheit gelegt", betont Augel.

Neue Lösungen wie die Plattform facilityboss oder funkgesteuerte Schließsysteme stellen Forscher auf dem Fraunhofer-Gemeinschaftsstand in Halle 9, Stand B 36 vor.

Ansprechpartner:
Dr.-Ing. Thorsten Henkel
Telefon: 0 61 51 / 8 69-42 71
thorsten.henkel@sit.fraunhofer.de
Fraunhofer-Institut für
Sichere Informationstechnologie SIT
Rheinstrasse 75
64295 Darmstadt
Dipl.-Inform. Markus Augel
Telefon: 0 89 / 54 70 88-3 40
markus.augel@esk.fraunhofer.de
Fraunhofer-Einrichtung für
Systeme der Kommunikationstechnik ESK
Hansastraße 32
80686 München

| Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.sit.fraunhofer.de
http://www.esk.fraunhofer.de

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