Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wohngebiete besser planen

02.02.2007
Neue Wohngebiete auszuweisen liegt weiterhin im Trend. Es bringt Neubürger in die Gemeinde und erhöht die Steuereinnahmen, ist eine gängige Meinung. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, haben Achim Tack und Frieder Hartung im Rahmen ihrer Diplomarbeit im Studiengang Stadtplanung an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen (HfWU) herausgefunden.

Mit ihrem preisgekrönten Softwareprogramm "FoKoS" lassen sich die Folgekosten eines neuen Wohngebietes bestimmen. Und mancher Stadtplaner sieht danach Wohngebiete mit anderen Augen.

Was für jedes Wirtschaftsunternehmen, das sich mit seinen Produkten am Markt behaupten muss, selbstverständlich ist, scheint für die Planung von Wohngebieten in Kommunen bisher nur bedingt von Relevanz zu sein. Nämlich zu kalkulieren, welche Folgekosten bei einer Produkteinführung, zum Beispiel der Schaffung eines neuen Wohngebiets, entstehen. Diese Erkenntnis haben Achim Tack und Frieder Hartung gewonnen. Deshalb haben sie in ihrer Diplomarbeit im Studiengang Stadtplanung an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen (HfWU) das Programm "FoKoS" entwickelt.

Es bildet die wirtschaftlichen Auswirkungen der Entwicklung kommunaler Wohngebiete über einen Zeitraum von 25 Jahren ab. Auf der BAU 2007, Europas größter Fachmesse der Baubranche in München, wurden sie im Rahmen des Wettbewerbes "AufITgebaut" vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in der Kategorie Baubetriebswirtschaft mit dem dritten Preis bedacht.

... mehr zu:
»Stadtplanung »Wohngebiet

Von diesem Erfolg ihrer Diplomarbeit, die in nur vier Monaten entstanden ist, sind die beiden Studenten überrascht. "Klar, wir wollten schon etwas entwickeln, das nicht nur in der Schublade liegen bleibt", sagt Achim Tack, "aber wir sind nie davon ausgegangen, dass da am Ende ein fertiges Produkt steht." Nach der Preisverleihung in München und Gesprächen in Stuttgart und Dortmund gibt es erste Interessenten für die Arbeit der beiden Stadtplaner. Dabei ist die Idee, die hinter ihrem Programm steht, ganz simpel. Über eine Eingabemaske gibt der Planer die Daten für sein neues Wohngebiet ein: Flächen, Infrastruktur, Planungskosten, Sondereffekte, Finanzierungskosten und noch einige mehr. Am Ende erhält er per Knopfdruck eine übersichtliche Auswertung, was die Investition in Wohnraum die Kommune in den nächsten 25 Jahren kostet. Mancher Stadtrat würde schwer schlucken, wenn er feststellt, dass ein neues Wohngebiet oft mehr als 15 Jahre braucht, bis erstmals Geld in der Stadtkasse hängen bleibt. "Es wird häufig unterschätzt, dass ein Wohngebiet oft erst nach weit über zehn Jahren voll bezogen ist", sagt Frieder Hartung, "zudem haben wir bei unseren Arbeiten festgestellt, dass der Zuzug von außen, der neues Steueraufkommen generiert, häufig viel zu hoch angesetzt wird."

Die beiden sind sich bewusst, dass sich "FoKoS" erst noch in der Praxis bewähren muss. Doch schon jetzt öffne das Programm den Planern in den Rathäusern durchaus die Augen für die Wirkungszusammenhänge und liefere ihnen Größenordnungen für die Folgekosten die infolge eines Wohngebietes entstehen. Individuell lassen sich die Berechnungsmodelle leicht an die Gegebenheiten einzelner Kommunen anpassen.

Die Arbeit der HfWU-Studenten wurde von Prof. Dr. Alfred Ruther-Mehlis betreut und ist in Zusammenarbeit mit Dr. Ing. Holger Keppel, Baubürgermeister der Stadt Rottenburg am Neckar, entstanden. Als Grundlage diente die Diplomarbeit von Matthias Seiler, der 2005 die Folgekosten von Wohngebieten in verschiedenen Kommunen verglichen hat. Tack und Hartung haben nun die komplexe Komponente der Wirkungszusammenhänge der öffentlichen Finanzwirtschaft, des Steuerrechts, der Infrastruktur- und der Gemeinbedarfsfinanzierung integriert. Der Lösungsansatz stellt die notwendigen Berechnungen nachvollziehbar dar und zeigt die erwarteten Steuereinnahmen sowie Aufwendungen für die Infrastruktur im direkten Vergleich.

Das Sparpotential für die Kommunen durch den Einsatz eines solchen Programms sei enorm, bestätigte Hartmut Schauerte, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, bei der Preisübergabe in München. Und das ist auch eine Botschaft der beiden Studenten: "Bessere Planung spart Geld. Heute wird die Kostenplanung von Wohnbauprojekten oft erst gemacht, wenn die Arbeiten laufen. Da ist dann Gegensteuern schwierig."

Ein weiterer Punkt, der den beiden wichtig ist, ist ihre Erkenntnis, dass mit "FoKoS" ein direkter Vergleich der Kostenplanung zwischen dem Bauen auf der Grünen Wiese und im Innenstadtbereich möglich ist. Hartung: "Der Flächenverbrauch für den Wohnungsbau ist enorm, während die Bevölkerung nicht weiter zunimmt. Neue Wohnflächen verbrauchen aber kostbare Flächen, die Raum und Geld kosten. Infrastruktur, wie Grünflächen, Straßen, Parkraum, die im Innenstadtbereich bereits vorhanden sind, müssen erst geschaffen werden."

Noch ist keine endgültige Entscheidung gefallen, wie es mit "FoKoS" weitergeht. Professor Dr. Alfred Ruther-Mehlis, der mit der Arbeit sehr zufrieden ist, sieht Marktpotenzial: "Die beiden haben mit ihrer Arbeit eine Lücke getroffen." Und so sehen die Planer ihrer beruflichen Zukunft positiv entgegen. Tack: "Die Wirtschaft läuft wieder an, da haben Stadtplaner viel zu tun."

Information: FoKoS@hfwu.de

Gerhard Schmuecker | idw
Weitere Informationen:
http://www.hfwu.de/

Weitere Berichte zu: Stadtplanung Wohngebiet

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Ein Korsett für schwache Stützen aus Beton
12.10.2017 | Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

nachricht Raumwunder im Hinterhof
12.10.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik