Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Essener Landschaftsarchitekt setzt auf Badeteiche: Pflanzen statt Chemikalien zur Wasserreinigung

22.11.2001


Pflanzen statt Chemikalien zur Wasseraufbereitung - rund 3 000 meistens private Schwimm- und Badeteichanlagen sind in den vergangenen Jahren in Österreich und Deutschland nach diesem Prinzip gebaut worden und fügen sich harmonisch in die sie umgebende Landschaft ein. Für den an der Universität Essen lehrenden Landschaftsarchitekten Professor Dr.-Ing. Mehdi Mahabadi liegen die Vorteile auf der Hand: für den Badegast, dem überflüssige Reize auf Augen und Haut erspart bleiben, für den Betreiber, der sich über - im Vergleich zu herkömmlichen Pools - geringere Betriebskosten freuen kann, für den Landschaftsgestalter schließlich, der eine Teichanlage nicht mehr als Fremdkörper in der Natur erlebt. Seit zwei Jahren befasst sich Mahabadi mit den Schwimmteichen, und jetzt (Freitag, 23. November, ab 9.30 Uhr im Auditorium maximum an der Grillo-, Ecke Segerothstraße) versammelt er an der Universität Essen rund 280 Fachleute, die solche Anlagen bauen, zur Diskussion über deren Vor- und Nachteile. Denn Schwimmteiche, weiß Mahabadi, haben auch Gegner. Hygienische Gründe und die dadurch entstehende Seuchengefahr werden als Argumente gebraucht.

Wie in traditionell gebauten Freibädern oder Pools wird auch das Wasser in Schwimmteichen durch organische und anorganische Stoffe verunreinigt. Deshalb muss es genau so wirksam gereinigt werden. Wie das funktioniert, erklärte der Essener Landschaftsarchitekt gestern im Vorfeld seiner Tagung in einem Pressegespräch:

Zur Aufbereitung wird das Wasser vom Schwimmbereich in einen Regenerationsbereich geleitet, zusätzlich kann die Anlage nach dem Zweikammersystem mit einem "Klärteich" und oder mit Kaskaden zur Sauerstoffanreicherung des Wassers ausgestattet werden. Dafür gebe es, sagt Mahabadi, bereits patentierte Systeme.

Für die Reinigung des Wassers sind Mikroorganismen, in erster Linie aerobe Bakterien, zuständig. Sie sind im Pflanzensubstrat des Regenerationsbereichs bzw. des Klärteichs vorhanden, passen sich ihrem Milieu hervorragend an und vermehren sich in rasantem Tempo. Einige von ihnen verdoppeln ihre Zellzahl alle 20 Minuten, und in nur einem Kubikmillimeter des Milieus können über eine Million Bakterien existieren. Wasser-, Schwimm- und Sumpfpflanzen begünstigen die Vermehrung der Mikroorganismen, die ihrerseits im Höchsttempo zum Abbau der organischen Stoffe beitragen und sie eliminieren.

Die anorganischen Einträge im Schwimm- oder Badeteich machen die Wurzelatmung von Wasser-, Schwimm- und Sumpfpflanzen unschädlich. Blätter dieser Pflanzen nehmen Sauerstoff aus der Luft auf. Er gelangt über den Halm in die Wurzel, versorgt sie und wird teilweise wieder an die Umgebung abgegeben. Die Oxidation von Schwermetallen oder des Schwefel-Wasserstoffs sind Beispiele für die erfolgreiche Entgiftung des Badewassers.

Für die Anlage von Schwimm- und Badeteichen gibt es in Deutschland bislang keine Richtlinien. Sie zu formulieren ist eines von Mahabadis Zielen. Auf zahlreichen Seminaren, unter anderem in München, Stuttgart und Hamburg, hat er sich in den vergangenen zwei Jahren für die Idee der Teiche stark gemacht; und im März dieses Jahres entstand auf seine Initiative hin bei der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung/Landschaftsbau ein Arbeitskreis aus Landschaftsarchitekten, Firmen des Garten- und Landschaftsbaus sowie Verbänden, der sich ebenfalls mit dem Thema befasst. Mahabadi ist sein Vorsitzender. Mehr öffentlich zugängliche Anlagen wünscht sich der Arbeitskreis. Vier gibt es inzwischen in Nordrhein-Westfalen: eine Hotelanlage in Gütersloh und drei städtische in Bad Rothenfelde, Höhr-Grenzhausen und Lennestadt-Saalhausen.

Monika Roegge | idw

Weitere Berichte zu: Badeteiche Pflanzen Wasserreinigung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Die Brücke, die sich dehnen kann
20.02.2018 | Technische Universität Wien

nachricht Zustandsmatrix zur Beurteilung des Gefahrenpotentials von Gebäuden
20.02.2018 | HIS-Institut für Hochschulentwicklung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics