Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Welchen Beitrag leisten EnEV und KfW-CO2-Gebäudesanierungsprogramm zum nationalen Klimaschutzprogramm?

26.05.2006
Diese Frage haben das ifeu-Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg und das Institut für Wohnen und Umwelt (IWU) gemeinsam im Auftrag des Umweltbundesamtes untersucht. Neben den CO2-Minderungseffekten wurden auch Optimierungspotenziale ermittelt. Bei der EnEV wurde zudem der Vollzug durch die Ausführungsbestimmungen der Länder ausgewertet.

Die erhebliche Bedeutung des Gebäudesektors zur Erreichung der nationalen Klimaschutzziele wird auch im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung betont. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) und die Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) werden als wichtige Instrumente zur Erreichung der angestrebten Emissionsminderung angesehen. Zur Erreichung der Klimaschutzziele sollten beide Instrumente aufeinander abgestimmt sein. Je geringer die gesetzlichen Anforderungen an energetischen Standards sind, desto stärker muss der Förderweg ausgebaut werden um die gleichen CO2-Minderungseffekte zu erzielen. Inhaltlich bearbeitete das IWU den Bereich der KfW-Förderung, das ifeu-Institut den Bereich der EnEV.

Die Studie ergab, dass es im Gebäudebestand durch die Bauteilanforderungen der EnEV im Sektor private Haushalte zu einem theoretischen Einsparpotenzial von jährlich etwa 1,05 Millionen Tonnen CO2 im untersuchten Zeitraum 2002 bis 2012 kommen kann. In der Praxis wird davon allerdings nur etwa die Hälfte bis ein Drittel realisiert. Dies liegt zum einen an den zahlreichen Einschränkungen in den Ausführungsbestimmungen der EnEV. Diese basieren auf Wirtschaftlichkeitsberechnungen, die seit mehreren Jahren nicht mehr an die aktuelle Energiepreisentwicklung angepasst wurden. Zum anderen bestehen erhebliche Vollzugsdefizite auf Länderebene, so dass die EnEV-Anforderungen in der Realität teilweise überhaupt nicht, oder nur mit unzureichendem Effizienzstandard, umgesetzt werden.

Im Neubaubereich kommt es durch die EnEV per se nicht zu einer echten CO2-Reduzierung. Sie führt lediglich zu einem verminderten Zuwachs der CO2- Emissionen von "nur" 0,7 bis 0,85 Millionen Tonnen CO2 jährlich gegenüber ansonsten 1,1 Millionen Tonnen pro Jahr ohne EnEV-Vorgaben. Die Wirkung der EnEV auf die CO2-Minderung im Wohngebäudebestand reicht daher allein nicht aus, um den Emissionszuwachs durch Neubauten auszugleichen.

... mehr zu:
»CO2 »EnEV »Klimaschutzprogramm

Als Verbesserungsvorschläge wurde neben der Anpassung der EnEV-Standards an die langfristigen Klimaschutzziele auch eine Streichung der Ausnahmen im Bereich der Nachrüstpflicht vorgeschlagen. Zudem spielt eine Verbesserung des Vollzugs eine wichtige Rolle. Vorgeschlagen wird beispielsweise eine verpflichtende Qualitätskontrolle durch anerkannte Sachverständige, wie es bereits in Brandenburg umgesetzt wird. Zusätzlich sollten, wie in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, stichprobenartige Kontrollen der Bauausführung vor Ort erfolgen. Nachrüstverpflichtungen im Bestand könnten durch Bezirksschornsteinfeger und /oder Energiepassaussteller überprüft werden. Um eine integrierte Betrachtungsweise der EnEV auch den am Bau beteiligten Akteuren nahe zu bringen, sollte ein bundesweites IMPULS-Prgramm, analog zu den Programmen in Hessen und NRW, durchgeführt werden.

Durch die finanziellen Anreize des KfW-CO2-Gebäudemodernisierungsprogramms wurden insgesamt etwa 0,5 Millionen Tonnen CO2 im hier untersuchten Zeitraum 2001 bis 2005 eingespart. Diese Werte basieren auf der Annahme eines jährlichen Kreditvolumens von einer Milliarde Euro.

Für die Weiterentwicklung des Gebäudemodernisierungsprogramms stand die Frage im Vordergrund, wie das zur Verfügung stehende Finanzvolumen so eingesetzt werden kann, dass es eine möglichst große Wirkung entfaltet. Dabei wurde neben der Anstoßwirkung der finanziellen Förderung auch die Ausstrahlungswirkung untersucht, die dazu führt, dass die KfW-Förderung zur Verbreitung erhöhter Energiestandards auch über die geförderten Objekte hinaus beiträgt. Damit Förderprogramme die angestrebte Rolle als Motor einer nachhaltigen Klimaschutzpolitik tatsächlich wahrnehmen können, müssen sie auf innovative und vorbildliche Energiesparmaßnahmen abzielen, weshalb die geförderten Gebäudeenergiestandards angehoben werden sollten. Zudem sollte auch die Förderung im Gebäudebestand um besondere Konditionen für Sanierungen auf einen sehr hohen energetischen Standard wie zum Beispiel bei Passivhäusern ergänzt werden. Außerdem wird vorgeschlagen, die Energieberatung stärker in das Förderkonzept zu integrieren. Im Rahmen des Forschungsvorhabens wurde ein vierstufiges Förderkonzept entwickelt, dass die oben genannten Punkte beinhaltet und mit einem Punktesystem flexibler an den Sanierungsbedarf angepasst werden kann als die bisher vorgegebenen Maßnahmenpakete des CO2-Gebäudesanierungsprogramms.

Kontakt:
Hans Hertle
ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg
Wilckensstraße 3, 69120 Heidelberg
Tel.: 06221/4767-17
hans.hertle@ifeu.de

Elke Dünnhoff | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifeu.de
http://www.ifeu.org/index.php?bereich=ene&seite=ubaenev

Weitere Berichte zu: CO2 EnEV Klimaschutzprogramm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht BAUFRITZ-Musterhaus - Tradition im hier und jetzt: Heimat 4.0
07.05.2018 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Gute Raumakustik in Arbeitsumgebungen: Konzentrierter arbeiten im Büro
02.05.2018 | Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics