Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erdbebensicheres Bauen mit traditioneller Architektur

26.07.2005


Im März 2005 wurde die Sumatra vorgelagerte Insel Nias von schweren Erdbeben erschüttert. 1000 Menschen starben und mit Ausnahme der in traditioneller Bauweise errichteten Häuser wurde fast die gesamte Bausubstanz zerstört. Nun gehen ForscherInnen der Technischen Universität (TU) Wien in Nioas, Indonesien, der Frage nach, was die traditionelle Bauweise so stabil und sicher macht.


Die Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember 2004 hat die indonesische Insel Sumatra ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit gerückt. Weltweit zwar weniger beachtet, aber genau so heftig wurde drei Monate später - im März 2005 - die Sumatra vorgelagerte Insel Nias von schweren Erdbeben erschüttert. Über 1000 Menschen starben in den Trümmern der fast gänzlich zerstörten Bausubstanz. Erstaunlich ist, dass sich lediglich die traditionelle Architektur Sumatras und Nias’ als erdbebensicher erwiesen hat. Ganz im Gegensatz zu den neu errichteten Bauten. Was macht die traditionelle Bauweise so stabil und sicher und wie kann die dortige Bevölkerung davon profitieren? Bei einem zweimonatigen Lokalaugenschein im Sommer 2005 werden WissenschafterInnen der Technischen Universität Wien in Nias, Indonesien, dieser Frage nachgehen und sowohl Konstruktionen und Methoden traditioneller Bauten untersuchen als auch Planungsgrundlagen für ein nachhaltiges und erdbebensicheres Bauen entwickeln.

Traditionelle Architektur ist erdbebensicherer, das hat sich in Dörfern Indonesiens gezeigt, in denen die traditionellen Bautechniken bis heute erhalten sind. Die traditionelle Architektur der indonesischen Insel Nias ist somit ein herausragendes Beispiel für die Anpassung an lokale Gegebenheiten. Die Lage der Siedlungen auf den Hügelkuppen, das verwendete Material Holz und die besondere Bauweise - Zonierung in drei Ebenen: Aufständerung, kohärente Konstruktion des Wohngeschosses, extrem hohes leichtes Dach - sind Resultat eines jahrhundertelangen Entwicklungsprozesses.


Die Häuser bieten ausgezeichneten Schutz vor dem feucht-heißen Klima und sind gleichzeitig in Hinblick auf die immer wiederkehrenden Erdbeben - ausgelöst durch das Aufeinanderdrücken der indisch-australischen Platte auf die eurasische im Meer vor Sumatra - ausgeklügelt konstruiert. Die Erdbeben der letzten Monate in Nias haben einen deutlichen Beweis für die Stabilität der Konstruktionen geboten.

Altes Architektonisches Wissen sichern

Trotz dieser zahlreichen Vorteile ist das Wissen um die traditionellen Methoden im Schwinden begriffen. Dem will das Institut für Architektur und Entwerfen, Abteilung für Hochbau, Konstruktion, Installation und Entwerfen, an der TU Wien in Zusammenarbeit mit dem an der TU Wien ansässigen Verein "Institut für vergleichende Architekturforschung" nun mit dem aktuellen Forschungsprojekt "Untersuchung traditioneller Konstruktionen und Methoden für ein erdbebensicheres Bauen in Nias" entgegenwirken. Ziel des Forschungsprojekts ist die Analyse traditioneller Bautechniken und deren Verwendungsmöglichkeiten für zukünftige Bauprojekte.

Dazu werden Bauaufnahmen aus den letzten Jahren mit neuen Aufnahmen nach den Erdbeben verglichen. Die Veränderungen an den Häusern und Dorfstrukturen werden dokumentiert, die Schäden qualitativ und soweit wie möglich quantitativ festgestellt und die Ursachen des Versagens ermittelt. Das Ergebnis der Untersuchung ist eine detaillierte Beschreibung der Funktionsweise traditioneller Bautechniken und ein Ausblick auf Anwendungsmöglichkeiten bei der Planung und Errichtung neuer Bauten in Nias. Im Wintersemester 2005/2006 werden die Ergebnisse der Bauaufnahmen als Grundlage für ein Entwerfen an der Abteilung für Hochbau, Konstruktion, Installation und Entwerfen einfließen. Im Zuge dieser Lehrveranstaltung sollen neue Erkenntnisse zur Implementierung traditioneller Techniken und Methoden in zukünftige Planungen gewonnen werden.

Alte Bauweise mit neuem Blickwinkel für die Bevölkerung Nias’

Die wissenschaftlichen Resultate werden auch in eine für die dortige Bevölkerung verständliche Form in einer filmischen Dokumentation zusammengefasst. Mit diesem Medium soll die Bevölkerung in Nias die Möglichkeit erhalten, die Vorteile ihrer vorhandenen Bautechniken aus einem neuen Blickwinkel kennenzulernen.

Auf diese Weise wird ein Anreiz geschaffen, eigene Traditionen neu aufleben zu lassen, bestehende Häuser zu erhalten und die tradierten Techniken auch bei neuen Gebäuden anzuwenden. In Zusammenarbeit mit lokalen Stellen können Bauprojekte und Renovierungsmaßnahmen auch finanziell unterstützt werden.

Karin Peter | idw
Weitere Informationen:
http://www.iva-icra.org

Weitere Berichte zu: Erdbeben Erdbebensicheres Bauen Indonesien Sumatra

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Holzhäuser bei grauer Energie im grünen Bereich
22.06.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Wie Menschen Schäden an Gebäuden wahrnehmen
22.06.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften