Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das zweite Leben der Platte

13.07.2005


Wissenschaftler der TU Berlin fanden einen Weg, aus den Stahlbeton-Elementen der DDR-Neubausiedlungen Einfamilienhäuser zu bauen. Das spart Zeit und Geld

... mehr zu:
»Modernisierung »Plattenbau

Bis zum Jahr 2010 werden in den ostdeutschen Bundesländern 350 000 Plattenbauwohnungen abgerissen. Es gibt für sie keine Mieter mehr. Grund ist der dramatische Bevölkerungsrückgang im Osten. Verursacht wird er sowohl durch die Abwanderung aufgrund fehlender Arbeitsplätze als auch durch die geringe Geburtenrate.


Doch das Ende dieser Plattenbauwohnungen ist nicht das Ende der Platte. Derzeit entsteht in Mehrow bei Berlin das erste Einfamilienhaus, das aus der Betonplatte gebaut wird. Zwei weitere Häuser sollen folgen. Bevor der Bau dieses recycelten Hauses möglich wurde, haben Wissenschaftler der TU Berlin vom Fachgebiet Bauwirtschaft und Baubetrieb sowie Wissenschaftler des Instituts für Erhaltung und Modernisierung von Bauwerken e.V. an der TU Berlin (IEMB) untersucht, ob und wie die Betonplatte weiterverarbeitet werden kann. Das For-schungsprojekt "Zukunftsorientierter Umgang mit Plattenbaustrukturen. Untersuchung der Wiederverwendungsmöglichkeiten von demontierten Fertigteilelementen aus Wohnungsbautypen der ehemaligen DDR für den Einsatz im Wohnungsbau" wurde vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung gefördert.


Ausgangspunkt für die Untersuchungen war ein ökologischer Gedanke", sagt Dipl.-Ing. Claus Asam vom IEMB, der das Projekt leitete und maßgeblich mitinitiierte. "Da der Platte eine Lebensdauer von etwa 100 Jahren zugeschrieben wird, ihr Abriss aber nun schon nach zwanzig bis dreißig Jahren erfolgt, ist das Material keineswegs ermüdet. Zudem stecken in einer sechs Meter mal drei Meter großen Betonplatte 400 Liter Heizöl. Energie, die gespart werden kann, wenn die alten Platten im Hausbau weiterverwendet und nicht neue hergestellt werden", so Asam. Die Wiederverwertung der Platte für bis zu dreigeschossige Bauten führe außerdem zu einer Ersparnis von 25 Prozent im Rohbau. Eine neue Platte kostet 900 Euro.

An der TU Berlin wurde die DDR-Platte in der Peter-Behrens-Versuchshalle auf Festigkeit und Belastung getestet mit dem Ergebnis, dass dem DDR-Beton ausgesprochen gute Qua-lität hinsichtlich dieser beiden Komponenten bescheinigt wurde.

Ein zweites Leben im Einfamilienhaus ist aber derzeit nur den Deckenplatten und tragenden Innenwänden gegönnt. Das sind 60 bis 70 Prozent der Bausubstanz. Die Außenwände sind weniger geeignet, da sie wahrscheinlich mit einem krebserregenden Stoff gedämmt sind und zudem aus drei Schichten bestehen, die sich beim Zuschneiden der Platten voneinander lösen würden, so dass sie wieder zusammengefügt werden müssten. Dies würde das kostengünstige Bauen mit der recycelten Platte aushebeln.

Ein weiterer Vorzug des Bauens mit der Betonplatte ist aber nicht nur die Geld-, sondern auch die Zeitersparnis. Innerhalb eines Vierteljahres kann ein solches Haus fertig sein. Zudem ist Beton ein guter Wärmespeicher, ist schallisolierend und schafft ein angenehmes Raumklima. "Und keineswegs können mit der Platte nur einförmige quadratische Betonklötzer gebaut werden", sagt Asam. Die Untersuchungen an der TU Berlin ergaben auch, dass sich die Platte kostengünstig bearbeiten lässt, das heißt zersägen oder zerschneiden, und damit zu individuellem Bauen geeignet ist. Das Haus in Mehrow wird den Beweis liefern.
Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Dr.-Ing. Claus Asam, Institut für Erhaltung und Modernisierung von Bauwerken e.V. an der TU Berlin (IEMB), Salzufer 14, 10587 Berlin, Telefon: 030/39921-779, E-Mail: asam@iemb.de

Ramona Ehret | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/

Weitere Berichte zu: Modernisierung Plattenbau

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Smarte Gebäude durch innovative Dächer und Fassaden
31.08.2017 | Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP

nachricht Nachhaltiger Baustoff: Pilze als Dämmmaterial nutzen
30.08.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie