Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Krankenhaus als lebendes Experiment

17.02.2005


Eine anpassungsfähige Baustruktur ist Bedingung für medizinische Qualität


Krankenhäuser, insbesondere große Einrichtungen wie das Klinikum der Universität zu Köln, sind längerfristig nicht konkret planbar. Die bauliche Entwicklung unterliegt zahlreichen unvorhersehbaren Einflussfaktoren, die sich in einem fortlaufenden Veränderungsprozess befinden. Es muss daher Ziel der Bauplanung sein, Strukturen zu schaffen, die eine Anpassung an die sich stetig wechselnden Anforderungen ermöglichen. Denn nur ein auf die medizinischen Bedürfnisse ausgerichtetes Umfeld gewährleistet die optimale Leistungsfähigkeit eines Krankenhauses. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die Dr. Peter Heinen an der medizinischen Fakultät der Universität zu Köln durchgeführt hat.

Bei der Planung von Bauvorhaben, so Dr. Heinen, müssen soziale, rechtlich-ökonomische sowie medizinisch-technologische Faktoren beachtet werden. So führt die Alterung der Gesellschaft zu einer wachsenden Nachfrage nach medizinischen Dienstleistungen. Änderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen und Fortschritte in der Medizintechnologie schaffen immer wieder neue Planungsgrundlagen. Die Entwicklung der einzelnen Faktoren und ihre Bedeutung für den Krankenhausbau vorauszusagen ist dabei in vielen Bereichen nicht möglich. Deshalb werden an die Anpassungsfähigkeit der baulichen Struktur besondere Anforderungen gestellt. Die Gebäude müssen flexibel und variabel auf sich ändernde Funktionen eingerichtet werden können. Daher beschreibt Dr. Heinen den Krankenhausbau als ein "lebendes Experiment".


In seiner Untersuchung betont er insbesondere die Bedeutung der finanziellen Vorgaben, die die baulichen Aktivitäten in ihrem Umfang und deren Geschwindigkeit bestimmen. Die Krankenhausfinanzierung in ihrer jetzigen Form ist aber für die heutigen Anforderungen nicht mehr angemessen und bedarf dringend einer Reform. Zur Zeit werden die Investitionskosten je zur Hälfte vom Bund und den Ländern getragen, die Betriebskosten hingegen müssen die Kliniken durch Einnahmen von den Patienten und Krankenkassen selbst erwirtschaften. Der auszumachende Trend, so Dr. Heinen, bringe eine Abkehr von dieser dualen Finanzierung und führe zu einer weiter durchgreifenden Eigenständigkeit der Krankenhäuser.

Die Eigenverantwortlichkeit wiederum erfordert eine wirtschaftlich optimierte Klinikumsführung und bietet zugleich neue Entwicklungsperspektiven. Beispielsweise ermöglicht die Abkopplung von den öffentlich-rechtlichen Planungsroutinen einen schnelleren Einsatz technischer Innovationen. Zur Zeit kann es passieren, dass die Planungen von der rasant fortschreitenden Geräteentwicklung überholt werden und die Technik schon vor ihrem ersten Gebrauch wieder veraltet ist. Dank eines vereinfachten und gestrafften Planungsprozesses kommen neue Verfahren und die in der universitären Grundlagenforschung gewonnenen Erkenntnisse früher beim Patienten an. Aufgrund ihrer technologischen und medizinischen Vorreiterrolle sind Universitätsklinika hiervon besonders betroffen.

Seit neun Jahren ist Dr. Heinen als Architekt und Baudezernent mit der Entwicklung des Kölner Uniklinikums betraut. Daher liegt ein Schwerpunkt seiner Untersuchung auf der Umsetzung der entwickelten Ansätze im eigenen Haus. Hier wurden beispielsweise durch Verwendung eines einheitlichen Rastersystems modulare Raumstrukturen geschaffen, die sich je nach Bedarf erweitern oder verkleinern lassen. Außerdem spricht sich Dr. Heinen für den Aufbau einer experimentellen Plattform aus, auf der neue Therapieansätze in kleinem Rahmen erprobt und weiterentwickelt werden können. Und durch einen verstärkten Austausch zwischen Wissenschaft und Bauplanung ließen sich frühzeitig medizinische Trends und deren Anforderungen an die Gebäudestruktur analysieren.

Für Rückfragen steht Ihnen Professor Dr. Harald Schicha unter der Telefonnummer 0221/478-4050, der Faxnummer 0221/478-4395 und unter der Email-Adresse Harald.Schicha@uni-koeln.de zur Verfügung.

Gabriele Rutzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koeln.de

Weitere Berichte zu: Bauplanung Krankenhaus Krankenhausbau

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Additive Fertigung: Bauteile völlig neu denken
02.12.2016 | Hochschule Landshut

nachricht Kombination von Isolierung und thermischer Masse
01.12.2016 | Fraunhofer Institute for Chemical Technology ICT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

4,6 Mio. Euro für Cloud Computing-Gemeinschaftsprojekt „Cloud Mall BW“

05.12.2016 | Förderungen Preise

1,5 Mio. Euro für das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW)

05.12.2016 | Förderungen Preise

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise