Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dächer, Türme und Hallen mit Grips

16.02.2005


Professor Mike Schlaich forscht an der Konstruktion intelligenter Bauten und lässt sich dabei von der Natur inspirieren



Es ist nicht die schiere Größe, die ihn in ihren Bann zieht, wenngleich auch er seine Brücke der Superlative geplant hat - die Ting-Kau-Brücke in Hong Kong, die mit 1177 Metern zu den längsten und schlanksten Schrägseilbrücken der Welt gehört. Was Mike Schlaich am Vorstoß in andere Dimensionen fasziniert, ist vielmehr, wie dieser mit neuen Technologien und Materialien erreicht werden kann. "Bestehendes einfach nur hochskalieren, allein um des Monumentalen willen, ist wenig kreativ", sagt Prof. Dr. Mike Schlaich, der das Fachgebiet Massivbau an der TU Berlin lehrt. Bei der Hängebrücke von Messina zum Beispiel, die eine Spannweite von 3300 Metern haben werde, beginne das Stahlseil an seine Grenzen zu stoßen, so Schlaich. Noch größere Spannweiten seien künftig wohl nur mit neuen Materialien wie faserverstärkten Kunststoffen möglich.

... mehr zu:
»Brücke »Dach


So beeindruckend das Messina-Projekt in Italien ist, bleibt es doch im Kern ein konventioneller Brückenbau. Mike Schlaich jedoch hat anderes im Blick - die intelligente Brücke, "die ihr Tragverhalten situationsabhängig ändert, um sich wechselnden Lasten anzupassen oder sich zusammenfaltet, wenn sie nicht mehr gebraucht wird". Schlaichs Vision ist jedoch nicht nur auf Brücken beschränkt, sondern gilt für Dächer, Türme, Hallen und Fassaden ebenso. "Es wird in Zukunft darum gehen, aktive und wandelbare Bauten zu konstruieren. Aktiv in dem Sinne, dass sie sich verändernden Einflüssen anpassen, und wandelbar, um vielfältige Nutzungen zu ermöglichen." Stadien, die durch ein bewegliches Dach in eine Konzerthalle verwandelt werden, seien erst der Anfang.

Lösungsansätze für solche Konstruktionen sieht Schlaich in der Kombination von Leichtbau, Bionik und Mikrosystemen und definiert damit sogleich einen der Schwerpunkte seiner Forschung. Leichtbauten hätten aufgrund ihres geringen Gewichtes das Potenzial, sich anzupassen und zu bewegen, so Schlaich. Die Bionik wiederum, die die Zusammenhänge zwischen Biologie und Mechanik untersuche, könne aus Spinnennetzen, Muschelschalen und Blüten Ideen filtern für derartige Tragwerke. Die Natur sei in dieser Hinsicht eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration. Und mit neuen Technologien wie den Mikrosystemen lasse sich zum Beispiel eine verbesserte Aerodynamik erzeugen. "So ist es denkbar, nicht nur an den Brückenköpfen hydraulisch einstellbare Flügel anzubringen, um das Flattern zu verringern", erklärt Schlaich, "sondern die gesamte Brücke mit kleinsten Flügeln zu überziehen, so dass sie wie eine Fischhaut umströmt wird."

Mike Schlaich hat bis zu seiner Berufung an die TU Berlin im vergangenen Jahr in dem renommierten Ingenieurbüro Schlaich Bergermann und Partner gearbeitet, das sein Vater, Jörg Schlaich, 1980 in Stuttgart gegründet hatte. Mit seinen "leichten und weiten" Konstruktionen wie dem Dach des Münchner Olympia-Stadions brachten die Stuttgarter moderne Bauingenieurskunst zu Weltgeltung, da sich in ihren Bauten höchstes technisches Können und Kreativität auf kongeniale Weise durchdringen. Diesem Anspruch fühlt sich Mike Schlaich verpflichtet. Er möchte den Studierenden sowohl technisches Wissen als auch gestalterisches Können vermitteln und somit den Bauingenieur von dem Image befreien, lediglich die Statik eines Bauwerkes berechnen zu können.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr. sc. techn. Mike Schlaich, Fakultät VI Bauingenieurwesen und Angewandte Geowissenschaften, Institut für Bauingenieurwesen, Fachgebiet Massivbau, Gustav-Meyer-Allee 25, 13355 Berlin, Tel.: 030/314-72130, Fax: 030/314-72132, E-Mail: m.schlaich@massivbau.tu-berlin.de

Ramona Ehret | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/

Weitere Berichte zu: Brücke Dach

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Ein Korsett für schwache Stützen aus Beton
12.10.2017 | Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

nachricht Raumwunder im Hinterhof
12.10.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik