Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dröhnende Altbaudecke adé - HAWK-Professor entwickelt einfaches und effektives Sanierungsverfahren

06.01.2005


Wenn die Holzbalkendecke dröhnt und die Gläser im Schrank klirren, dann rücken für so manchen die Reize einer Altbauwohnung in den Hintergrund. Professor Dr.-Ing. Gerhard Berg hat an der Fakultät Bauwesen der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen, ein Sanierungsverfahren entwickelt und zum Patent angemeldet, das Schall- und Erschütterungsschutz gegenüber herkömmlichen Methoden erheblich verbessert, nur geringe Mehrkosten im Rahmen einer Renovierung verursacht und die Wohnung nicht zu einer Rohbaustelle werden lässt. Vorgestellt wird die so genannte Unterspannte Holzbalkendecke am kommenden Dienstag auch in der Erfindersendung "Einfach Genial" des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Ein Fernsehteam hat die Arbeiten in einer Hildesheimer Wohnung und im Labor für Holztechnik der HAWK begleitet.



Schnell liegen die Nerven blank, wo permanenter Lärm und Erschütterungen von oben den Hausfrieden stören. Betroffen sind vornehmlich Altbauten mit Holzbalkendecken. Jeder Schritt bringt die Balken zum Schwingen. Die bisher angewendeten Sanierungsmethoden verbessern zwar den Schallschutz einigermaßen, den Erschütterungsschutz aber gar nicht. Seitliche Verstärkungen der Holzbalken können Abhilfe schaffen, erfordern aber das Öffnen und Entkernen der Deckengefache. Davor schrecken viele Hausbesitzer zurück.

... mehr zu:
»Berg »Holztechnik »Sanierung »Schallschutz


Dr.-Ing. Gerhard Berg, bis 2003 Professor für Bauphysik und Baubetrieb an der HAWK, leitet heute die Schallschutzprüfstelle im Institut für Prüfung und Forschung im Bauwesen an der Hochschule. Sein neues Verfahren funktioniert einfacher, sauberer sowie kostengünstiger und zwar ausschließlich an der Unterseite der Decke: Zunächst wird der Verlauf der Deckenbalken im unteren Raum markiert. Unter jeden Balken wird mit Hilfe einer Stütze eine Bohle so fest gedrückt, dass der Balken eine Unterspannung bekommt. Balken und Bohle werden sodann schubfest im Winkel von 45 Grad verschraubt. Es entsteht eine Art versteckter Fachwerkträger, der die Konstruktion außerordentlich stabil und nahezu schwingungsfrei macht. Anschließend wird, wie bisher auch, eine federnd abgehängte Unterdecke montiert. In die Hohlräume kommen Dämmplatten. Dann fehlt nur noch ein neuer Anstrich. Die unterspannte Holzbalkendecke hat eine Höhe von lediglich sieben bis acht Zentimetern.

Das Verfahren ist im Labor für Holztechnik der HAWK und durch Schallmessungen am Bau auch im Rahmen verschiedener Diplomarbeiten auf seine Wirksamkeit getestet worden. Erreicht werden damit eine deutliche Erhöhung der Tragfähigkeit und des Erschütterungsschutzes. Beim Schallschutz werden die erhöhten Normanforderungen erfüllt. Im Vergleich zu einer Unterdecke in herkömmlicher Konstruktion kostet die unterspannte Decke rund 40 bis 50 Euro pro Quadratmeter mehr.

Die Vermarktung des neuen Verfahrens für den Raum Hannover hat Diplom-Ingenieur Stefan Müller übernommen. Urheber Berg sieht sehr gute Marktchancen, denn es eröffnet kleinen und mittleren Unternehmen im Holz- und Trockenbau neue Tätigkeitsfelder in der Sanierung, weil bei Mietern und Hausbesitzern wieder Ruhe in den vier Wänden einkehrt.

Das Fernsehteam von "Einfach Genial" jedenfalls war von Bergs einfacher Konstruktion mit der großen Wirkung spontan überzeugt und ist für die Dreharbeiten nach Hildesheim in die Steingrube (Oststadt) und das Labor für Holztechnik am Hohnsen gereist.

Die Sendung "Einfach genial", in der die Unterspannte Holzbalkendecke eines von drei Themen ist, wird am kommenden Dienstag, 11. Januar 2005, um 19.50 Uhr im MDR Fernsehen gesendet. (Wiederholungen - vorläufig - : Do., 13.01.05, um 11 Uhr im MDR, Mo., 17.01.05 um 06.05 Uhr im MDR, Mi., 19.01.05, 18.15 Uhr im NDR, Sa., 15.01.05, um 15.05 Uhr im SWR und So., 16.01.05, um 13.30 Uhr im RBB.)

Weitere Informationen zum neuen Verfahren und seiner Vermarktung geben Prof. Dr. Gerhard Berg unter der E-Mail-Adresse dr.gberg@t-online.de , sowie http://www.ipfb-bau.de und Dipl.-Ing. Stefan Müller unter Telefon 0511/169 27 00 oder http://www.techagent-mueller.de.

Sabine zu Klampen | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-hildesheim.de
http://www.fh-goettingen.de
http://www.fh-holzminden.de

Weitere Berichte zu: Berg Holztechnik Sanierung Schallschutz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Ein Korsett für schwache Stützen aus Beton
12.10.2017 | Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

nachricht Raumwunder im Hinterhof
12.10.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aus der Moosfabrik

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Klimawandel schwächt tropische Windsysteme

20.10.2017 | Geowissenschaften

Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

20.10.2017 | Physik Astronomie