Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den Reichstag fest im Griff

17.12.2004


Architekturstudierende bauen ein Modell für blinde Besucher im Deutschen Bundestag



Stockfinster ist es in dem Raum. Leises Gekicher und dann konzentrierte Ruhe. Die Hände der Architekturstudenten tasten über Stein, Glas, Gips und Wolle. Sie führen keinen Psychotest gegen die Angst im Dunkeln durch, sondern sie wollen wissen, wie Blinde "sehen", wie durch das Befühlen ein inneres Bild von dem er-tasteten Gegenstand entsteht. Sie wollen ein "begreifbares" Modell des Reichstags für Blinde und Sehbehinderte schaffen, das auch Sehende im Foyer des Reichstagsgebäudes erfreuen soll. Schirmherr des Projekts ist der Präsident des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse. "Die üblichen Bronzemodelle können mit ihren Abrundungen die Realität nicht formgetreu wiedergeben", erklärt Burkhard Lüdtke, der kreative Designkünstler, Musiker und Leiter des in Deutschland einmaligen Fachgebiets Modellbau an der TU Berlin. Er will daher einen anderen Versuch wagen: Die Benutzer des Modells sollen auch einen Eindruck der Materialien bekommen, aus denen das geschichts-trächtige Haus gebaut ist: Sandstein, Glas, Marmor... Das ist ein schwieriges Unterfangen, Anfassen ist naturgemäß erwünscht, was dem Material eine entsprechende Stabilität abfordert.

... mehr zu:
»Reichstag


Doch Burkhard Lüdtke ist keiner, der schnell aufgibt. Das bringt er auch seinen Studierenden bei. Schon seit einigen Jahren arbeitet der Deutsche Bundestag in seinem Projekt "Barrierefreier Deutscher Bundestag" an behinderten-freundlichen Angeboten: Zugänge über Rampen für Rollstuhlfahrer, Hörgeräte und Gebärdendolmetscher für Hörgeschädigte, Wegweiser in Brailleschrift oder Hörkassetten und Broschüren ebenfalls in Braille-Schrift für Blinde.

Nun soll ein maßstabsgetreues Modell des Gebäudes von 1,50 mal 1,50 Metern das Angebot ergänzen, das die Studierenden um Burkhard Lüdtke entwerfen und bauen. Geplant ist außerdem ein Detail-Modell der architektonisch besonders interessanten Kuppel und ein betastbarer Lageplan der Umgebung.

Wieso das Modell ausgerechnet diese Größe hat, erklärt Burkhard Lüdtke so: "Blinde können sich eine maßstäbliche Vorstellung nur machen, wenn sie das Modell richtig umfassen können, wenn sie Anfang und Ende kennen."

Um diese Erkenntnis zu gewinnen, mussten sich die Studierenden zunächst mit der Welt der Blinden beschäftigen. Aufschluss gaben unter anderem der Besuch einer Gruppe von Mitgliedern des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e. V. sowie die Selbstversuche in der Dunkelkammer. Auch Abgeordnete des Bundestages und Mitglieder des Ältestenrates konnten die Studierenden bereits begrüßen, um ihr den Fortgang der Arbeit zu präsentieren. Auf diesen Praxisbezug legt Burk-hard Lüdtke in seiner Lehre großen Wert. Eines der letzten großen Projekte war der Entwurf von Bühnenbildern für die erfolgreiche "Palast-Revue" des Sängers Max Raabe, mit denen Raabe dann durch Deutschland tourte. Jüngst waren Architektur- und Designmodelle aus der Berliner Design-Schmiede im Hamburger Altonaer Museum zu sehen.

"Wir sind schon äußerst gespannt auf die nächsten Modell-Kostproben", sagt Reiner Delgado vom Sehbehindertenverband. Den fertigen Reichstag sollen blinde Besucher zum ersten Mal Anfang 2006 "begreifen" können.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Burkhard Lüdtke
Technische Universität Berlin
Institut für Darstellung und Gestaltung
10623 Berlin
Tel./Fax: 030-314-21819

Ramona Ehret | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/

Weitere Berichte zu: Reichstag

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht EU-Forschungsprojekt INNOVIP: Neue Technologien für langlebige und kostengünstige Vakuumdämmplatten
22.02.2017 | Bayerische Forschungsallianz GmbH

nachricht Modernes Architektenhaus mit landestypischen Design-Elementen
15.02.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie