Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Auto aus Beton

15.06.2004



Schüler der Albert-Einstein-Schule, Ettlingen, und Studierende des Baubetriebs der Fachhochschule Karlsruhe - Hochschule für Technik planten und bauten gemeinsam ein funktionsfähiges Betonauto

... mehr zu:
»Auto »Beton

Ziemlich genau vor zwei Jahren hatten Schüler der Albert-Einstein-Schule in Ettlingen und Studierende des Baubetriebs der Fachhochschule Karlsruhe mit der Bootstaufe und der ersten Wasserung eines selbst entwickelten und produzierten Betonkanus dieses Projekt erfolgreich beendet. Eines war allen Beteiligten damals schon klar: Die Zusammenarbeit sollte fortgesetzt werden und dies mit einem noch wesentlich anspruchsvollerem Vorhaben: Gemeinsam sollte ein Betonauto geplant und gebaut werden, allerdings nicht nur eine Karosserie auf Rädern, sondern ein komplettes, funktionstüchtiges Fahrzeug mit eigenem Antrieb.

Zunächst ging es dabei für die Schüler und die Studierenden darum, eine geeignete Vorlage auszuwählen. Ihre Wahl fiel auf das neue Modell des BMW Z4, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf dem Markt war. So standen ihnen keine Kopien oder Pläne des Fahrzeugs zur Verfügung. Die Schüler und Studierenden bedienten sich der zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Prospektmaterialien und nahmen von dort die Maße ab.


Als erster Schritt auf dem Weg zur Beton-Variante des Z4 im Maßstab 1:2 war die Schalung für die Karosserie anzufertigen, wobei die Schüler mit Holzlatten die Kontur der BMW-Vorlage realitätsnah nachbildeten. Nach Fertigstellung der Holzschalung griffen Schüler und Studierende gemeinsam mit glasfaserverstärktem Kunststoff die Positivform von der Schalung ab.

Um die großen dynamischen Lasten durch den Fahrbetrieb und dem eigenen Motor aufnehmen zu können, war der Fahrzeugboden entsprechend zu konzipieren. Beim beteiligten Industriepartner Bilfinger Berger AG konnten die Schüler und Studierenden mit der entsprechenden Vorspanntechnik eine Spannbetonplatte bei einer Fläche von 2 x 0,6 m in einer Stärke von nur 8 cm fertigen.

Die Schalung wurde anschließend zur Öffentlichen Baustoffprüfstelle an die Fachhochschule Karlsruhe transportiert und mit einem Hochleistungsbeton ausgegossen. Diesen hatten Studierende innerhalb ihrer Diplomarbeiten beim Industriepartner Bilfinger Berger AG in dessen Zentral-Labor entwickelt. Um die gewünschte Druckfestigkeit von mehr als 120 N/mm² zu erreichen, wurde die ausgegossene Betonplatte wiederum zu diesem Industriepartner transportiert, wo ihr entsprechende Vorspannkräfte aufgeprägt wurden. Dieses Verfahren sorgt dafür, dass bei der Platte keine Risse entstehen, auch wenn diese stark beansprucht wird.

Parallel dazu nahmen die Schüler die glasfaserverstärkte Kunststoffschale von der Holzform des Fahrzeugs ab. Anschließend konnte an der Fachhochschule Karlsruhe die vorgespannte Betonplatte eingelegt werden. Zuvor hatte das Projektteam an den seitlichen Rändern feinmaschiges Drahtgewebe zur Ankoppelung der Karosserie an das Chassis befestigt. Dann kam erneut ein High-Tech-Produkt aus dem Zentral-Labor der Bilfinger Berger AG zum Einsatz: Studierende hatten für die Karosserie einen faserverstärkten, zementgebundenen Hochleistungsmörtel entwickelt. Dieser wurde über Kunststoffzusätze zur Steigerung des Verformungsvermögens vergütet, so dass Schüler und Studierende gemeinsam die Karosserie mit einer Wandstärke von nur 3 bis 8 mm herstellen konnten.

Zwei Wochen nach dem Betoniervorgang konnten die Elemente entschalt werden. Nun ging es an die technische Bestückung des Fahrzeugs. Ein Renn-Gokart wurde komplett zerlegt und Lenkgestänge, Achskörper, Motorbefestigung, Sitz und andere Elemente an die Geometrie des Betonautos angepasst. Im letzten Schritt erfolgte der Einbau der Teile und des Motors und die Betonkarosserie konnte aufgesetzt werden.


Das Berufsvorbereitungsjahr soll Jugendliche, die über kein Berufsausbildungsverhältnis verfügen, innerhalb eines Jahres auf den Eintritt in das Berufs- und Arbeitsleben vorbereiten. An der Albert-Einstein-Schule in Ettlingen wird hierbei ein breites Spektrum an Berufsfeldern vorgestellt, wozu auch der Bereich Bautechnik gehört. "Über Erfolgserlebnisse", so Hartmut Frenser, Projektleiter auf Seiten der Schule, "wollen wir den Leistungswillen der Schüler fördern, so dass neben dem umfangreichen schulischen Lehreangebot auch praktische Projekte realisiert werden."

Die Projektidee, Schüler über das Berufsvorbereitungsjahr in das Vorhaben einzubinden, wird auch von den beteiligten Industriepartnern begrüßt. "Die Berufsgruppen der gewerblichen Mitarbeiter und der Ingenieure", betont Stefan Linsel aus der Bilfinger Berger AG, "gehören beide zum Personalstamm unserer Unternehmen. Über eine praktische Projektarbeit können diese Berufsgruppen frühzeitig lernen, vorbehaltlos zusammen zu arbeiten, wovon alle Beteiligten im späteren Arbeitsalltag profitieren werden."

Über die Entwicklungsarbeit im Zentral-Labor der Bilfinger Berger AG konnten die Studierenden ihre an der Hochschule erworbenen Fachkenntnisse und wissenschaftlichen Vorgehensweisen in der eigenen Entwicklung von High-Tech-Bauwerkstoffen anwenden. "Neben dem fachlichen Aspekt ist uns aber wie den Schulen und Industriepartnern ebenso wichtig, dass unsere Studierenden", wie Prof. Harald Garrecht, Projektleiter auf Seiten der Hochschule und Professor im Fachbereich Architektur und Bauwesen bestätigt, "frühzeitig lernen, mit anderen Berufsgruppen effizient und zielorientiert zusammen zu arbeiten und damit ihre soziale Kompetenz erhöhen. Besonders dankbar sind wir der Bilfinger Berger AG für ihre aktive Begleitung des Projekts sowie für die finanzielle Unterstützung durch die Unternehmen HeidelbergCement AG und Süd Zement Marketing GmbH."

Öffentlich wird das Betonauto während der Feierlichkeiten zum Stadtgeburtstag (17. - 20. Juni 2004) in einem Projektzelt der Hochschule vor dem Karlsruher Schloss zu sehen sein.

Holger Gust M.A. | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-karlsruhe.de

Weitere Berichte zu: Auto Beton

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht EU-Forschungsprojekt INNOVIP: Neue Technologien für langlebige und kostengünstige Vakuumdämmplatten
22.02.2017 | Bayerische Forschungsallianz GmbH

nachricht Modernes Architektenhaus mit landestypischen Design-Elementen
15.02.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger

27.02.2017 | Medizintechnik

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung

27.02.2017 | Medizintechnik