Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein uraltes Rätsel gelöst?

27.05.2002


Die Cheops-Pyramide (hinten) gilt als Sinnbild ägyptischer Baukunst. Doch ob sie in Stufenform errichtet wurde wie die kleineren Pyramiden von Gizeh (vorne), ist ungeklärt.
Foto: Erhart Graefe


Ägyptologe der Universität Münster legte neue Theorie über den Bau der Pyramiden vor

... mehr zu:
»Pyramiden »Steine

Es gibt kaum Bauwerke, die die Menschheit so fasziniert haben wie die Pyramiden in Ägypten. Die reine Form mag daran ebenso Anteil haben wie die Tatsache, dass sie zu einer Zeit erbaut wurden, als die ägyptische Kultur nur nur primitive Hilfsmittel kannte. Noch immer ungeklärt ist, wie allein mit reiner Muskelkraft die gewaltigen Blöcke transportiert und aufeinander geschichtet wurden. Einen neuen Erklärungsversuch hat nun Prof. Dr. Erhart Graefe vom Institut für Ägyptologie und Koptologie der Universität Münster unternommen. Dabei kann er sich nur auf theoretische Überlegungen stützen, da Bohrungen in der Außenhaut zu ungenau oder großflächige Abtragungen zu zerstörerisch wären.

Unklar ist, ob die alten Ägypter bereits Flaschenzüge kannten. Die tonnenschweren Steine, aus denen die Grabmäler auf der Hochebene von Gizeh bestehen, mussten wohl von Hand dorthin getragen oder geschleift werden. Sicher ist, dass dort kaum Wasser vorhanden ist, welches zum einen die Arbeiter benötigten, zum anderen aber zwingend notwendig ist, um die Rampen für die Schlitten zu bewässern. Damit scheidet nach Ansicht Graefes die gängigste Theorie, an den Rohbauten der großen Pyramiden seien ebendiese Rampen errichtet worden, aus. Ob gerade in einem 90-Grad-Winkel, ob schlangenförmig um den Pyramidenkern herumgelegt - all die diskutierten Lösungen hätten zu viel Material verschlungen, zu viel Arbeitskraft erfordert und wären auf Grund des knappen Wassers nicht zu realisieren gewesen.


"Bisher wurden die Rampentheorien diskutiert, weil man davon ausgegangen ist, dass die großen Pyramiden wie die des Cheops einen anderen Aufbau besitzen als die ersten wie die des Djoser, deren stufige Kernstruktur freigelegt und deutlich zu erkennen ist", so Graefe. Bisher hieß es, die bekanntesten Sinnbilder der ägyptischen Kultur seien eben nicht in Stufenform, sondern horizontal über die Fläche gemauert worden. Warum aber hätten die Bauherren bei den späteren, größeren Pyramiden den Bauplan ändern sollen, wenn sich doch durch diesen Bauplan das Transportproblem minimierte, fragt sich der Ägyptologe.

Denn in die rund zehn Meter hohen und fünf Meter breiten Stufen, wie sie ähnlich bei den ersten Pyramiden sichtbar sind, hätten kleinere Treppen gemauert werden können, über die die Steine ohne Probleme gehebelt werden konnten. Graefe beruft sich dafür auf Experimente des Amerikaners Peter Hodges, der 1989 nachgewiesen hat, dass mit dieser Methode ein Transport von Steinen ohne großen Aufwand möglich ist. "Um die Stufen zu verdecken und eine glatte Oberfläche zu erhalten, wurde anschließend eine Zwischenschicht aufgetragen, die heute für die Struktur des Kernes gehalten wird", vermutet er.

Mit seiner Theorie lassen sich fast alle Unmöglichkeiten erklären: Bei einer Rampe, die im 90-Grad-Winkel auf die Pyramide zulief, wäre zu viel Material benötigt worden, um eine menschenmögliche Steigung zu erreichen. Und die Spuren des nicht benötigten Materials müssten noch heute zu erkennen sein. Graefe aber "verbaut" in seinem Gedankenexperiment keine zusätzlichen Steine oder Lehmziegel. Für eine Rampe, die sich in jeweils rechtwinkligen Kurven um die Pyramiden gewunden hätte, benötigte man zwar weniger Material, doch wäre es bei einer Länge des Schlittengespanns von mindestens zehn Metern unmöglich gewesen, um die Ecken zu kommen. Und schließlich musste nicht von vornherein hundertprozentig präzise gearbeitet werden, da Ungenauigkeiten durch die Zwischenschicht ausgeglichen werden konnten.

Ob Prof. Graefe tatsächlich das Rätsel um den Bau der Pyramiden gelöst hat, wird wohl noch lange Zeit ein ebensolches bleiben: Zu groß sind die Vorbehalte der ägyptischen Regierung, den notwendigen tiefen Abbau des heutigen sichtbaren Pyramidenmauerwerks zuzulassen.

Brigitte Nussbaum | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/Philologie/Iaek/PYR_Start.html

Weitere Berichte zu: Pyramiden Steine

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Die Lebensdauer von Brücken berechnen: Bochumer Ingenieure verfeinern Modell
15.05.2015 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht „Dicke Luft“ in Städten: Helle Fassaden und Bäume gegen Hitze und Smog
13.05.2015 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Perspektiven für das Laserstrahlschweißen von Bauteilen aus Aluminium-Druckguss

Das Fraunhofer IWS Dresden hat ein neues Verfahren zum Schweißen von Bauteilen aus Aluminium-Druckguss entwickelt und gemeinsam mit einem Industriepartner in die Serie überführt. Mit Hilfe brillanter Laserstrahlung und hochfrequenter Strahloszillation konnte erstmals eine Schweißverbindung erzeugt werden, die sich durch eine äußerst geringe Porenhäufigkeit im Schweißgut auszeichnet. Darüber hinaus ist der Bauteilverzug durch die konzentrierte, lokal begrenzte Wärmeeinbringung kaum noch messbar. Mit dem herkömmlichen Laserstrahlschweißen ist diese Qualität nicht realisierbar.

Wegen der hervorragenden Gießbarkeit und der Möglichkeit einer komplexen Formgebung wird Aluminium-Druckguss im Automobilbau vielfältig genutzt, insbesondere...

Im Focus: Advance in regenerative medicine

The only professorship in Germany to date, one master's programme, one laboratory with worldwide unique equipment and the corresponding research results: The University of Würzburg is leading in the field of biofabrication.

Paul Dalton is presently the only professor of biofabrication in Germany. About a year ago, the Australian researcher relocated to the Würzburg department for...

Im Focus: Eine Bremse gegen epileptische Anfälle in Nervenzellen

In jedem Augenblick werden an Billiarden Synapsen unseres Gehirns chemische Signale erzeugt, die einzelnen Nervenzellen feuern dabei bis zu 1000 mal in der Sekunde. Wie ihnen diese Höchstleistung gelingt ohne dabei epileptische Anfälle zu erzeugen, haben Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie in Berlin nun ein Stück weit aufgeklärt. Das Ergebnis könnte zu einem besseren Verständnis nicht nur der Epilepsie, sondern auch anderer neurologischer Erkrankungen wie der Alzheimerschen Krankheit beitragen.

Mit jedem elektrischen Impuls schüttet eine Nervenzelle Neurotransmitter in den synaptischen Spalt aus und trägt so das Signal weiter. Sie hält dafür einen...

Im Focus: Kieler Forschende bauen die kleinsten Maschinen der Welt

Die DFG stellt Millionenförderung für die Entwicklung neuartiger Medikamente und Materialien an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) bereit.

Großer Jubel an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU): Wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) heute (Donnerstag, 21. Mai) bekannt gab,...

Im Focus: Basler Physiker entwickeln Methode zur effizienten Signalübertragung aus Nanobauteilen

Physiker haben eine innovative Methode entwickelt, die den effizienten Einsatz von Nanobauteilen in elektronische Schaltkreisen ermöglichen könnte. Sie entwickelten dazu eine Anordnung, bei der ein Nanobauteil mit zwei elektrischen Leitern verbunden ist. Diese bewirken eine hocheffiziente Auskopplung des elektrischen Signals. Die Wissenschaftler vom Departement Physik und dem Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel haben ihre Ergebnisse zusammen mit Kollegen der ETH Zürich in der Fachzeitschrift «Nature Communications» publiziert.

Elektronische Bauteile werden immer kleiner. In Forschungslabors werden bereits Bauelemente von wenigen Nanometern hergestellt, was ungefähr der Grösse von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Schweigen ist Silber, Diskutieren ist Gold

26.05.2015 | Veranstaltungen

Neue Werkstoffkonzepte für eine nachhaltige Mobilität

26.05.2015 | Veranstaltungen

TU Darmstadt: Gipfel der Verschlüsselung - CROSSING-Konferenz am 1. und 2. Juni in Darmstadt

22.05.2015 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Auszeichnung auf dem Gebiet der Spektroskopie

27.05.2015 | Förderungen Preise

Neue Perspektiven für das Laserstrahlschweißen von Bauteilen aus Aluminium-Druckguss

27.05.2015 | Verfahrenstechnologie

Was Pflanzen zu Fleischfressern macht

27.05.2015 | Biowissenschaften Chemie