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Die Vereinigten Staaten von Amerika waren lange Zeit ein Land der Farmer. Schon der Homestead Act aus der Feder von Abraham Lincoln erlaubt es jedem Bürger ab 22 Jahren, sich Land anzueignen, indem er es fünf Jahre lang bewirtschaftete. Diese Struktur zerbrach mit dem Verfall der Nahrungsmittelpreise Mitte des letzten Jahrhunderts, und Landwirtschaftsminister Wallace gab in den 1970er schließlich die Devise aus: „Get big or get out“.
Inzwischen haben die USA die stärkste Landwirtschaft der Welt. Obwohl die Umweltfolgen seit zwei Jahrzehnten thematisiert werden, spielen Bodenerosion und Trinkwasserprobleme in der Politik untergeordnete Rollen. Allein die äußeren Strukturen könnten also kaum unterschiedlicher zu Deutschland, speziell zu den alten Bundesländern, sein. Zwölf Millionen Landwirte bewirtschaften im Durchschnitt Betriebe von zwölf Hektar in Europa, während die zwei Millionen Landwirte in den USA über eine durchschnittliche Betriebsgröße von 180 Hektar verfügen. Die Unterschiede zeigen sich auch in den angebauten Pflanzen und in der Pflanzenzucht.
In Deutschland gibt es etwa 100 Pflanzenzuchtunternehmen, davon gut 70 mit eigenen Züchtungsprogrammen für ein oder mehrere Kulturen. In den USA beherrschen wenige Weltkonzerne den Markt. Sie setzen inzwischen meist auf gentechnisch veränderte Organismen (GVO). So sind auf der anderen Seite des Atlantiks bereits vier von fünf angebauten Zuckerrüben gentechnisch verändert. In Deutschland gibt es keine für den Anbau zugelassenes GVO-Sorte von Zuckerrüben. Auf absehbare Zeit wird sich daran voraussichtlich auch wenig ändern. Eine mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung und der Politik machen die teure Entwicklung zu einem Risiko – von Feldzerstörungen ganz zu schweigen.
Pflanzen mit mehreren transformierten Genen drängen in den USA immer häufiger auf den Markt. Bei uns sind solche Pflanzen selbst in der Forschung nur selten Thema. Zwar betrachten viele deutsche Züchter GVOs als nicht zwingend erforderlich, doch wären sie für manches Züchtungsziel durchaus zielführend und praktisch.
Hierzulande ist dafür ein anderer Trend zu beobachten: Der ökologische Anbau nimmt stetig zu, speziell bei Mais. Von diesem Umstand und dem GVO-Aspekt abgesehen ist gerade der Mais eine Art, bei der es wenig Unterschiede gibt zwischen Deutschland und den USA. Bei uns wächst mehr Silo- und Körnermais, dort verarbeiten die Landwirte mehr Mais als gesamte Pflanze zu Futter.
Deutlicher wird der Unterschied bei Getreide. Während bei uns auf Kälte angewiesene Wintergetreide einen festen Platz in der Fruchtfolge haben, gibt es in den USA ausschließlich den Anbau von Sommersorten – und das selbst in den kühlen nördlichen Breitengraden des Landes.
Auch die Verwendung der Ackerpflanzen abseits der Ernährung ist diesseits und jenseits des Atlantiks verschieden. Die USA setzen vor allem darauf, die gesamte Pflanze zur Energiegewinnung zu verwenden. Das ist technisch einfach, aber auch ineffizient: Eine komplette Pflanze enthält viel Wasser, das auf dem Weg zu den Biomassekraftwerken oder Ethanolfabriken zwar mittransportiert werden muss, zur Energiegewinnung jedoch keinen Beitrag leistet.
Deutschland hingegen hat gar nicht die Ackerfläche, um parallel zur Ernährung vergleichbare Pflanzenmengen rein zur energetischen Nutzung anzubauen. Entsprechend sind deutsche Bioenergieerzeuger auf Importe und pflanzliche Reststoffe angewiesen. Wett macht das allerdings ein gänzlich anderes, wesentlich komplexeres Nutzungskonzept, bei dem die stoffliche Verwertung im Vordergrund steht: Bioraffinerien erzeugen aus nicht essbaren Pflanzenteilen Biokunststoffe. Erst der stofflich nicht zu verwendende Teil wird schließlich als Energielieferant genutzt.
Züchtungsziele auf beiden Seiten des Atlantiks
Die Züchtungsziele gleichen sich dennoch immer mehr an, getrieben von Bevölkerungswachstum, Globalisierung und Klimawandel. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht zu beiden Seiten des Atlantiks die Ertragssteigerung. Ein bis zwei Prozent sind es pro Jahr. Doch immer häufiger führt das Klima in einzelnen Regionen zu totalen Ernteausfällen. Deshalb folgt als nächstes Ziel die Ertragsabsicherung: Trockenresistenzen sind weltweit gefragt. Auch bei Schädlingsresistenzen zeigen sich immer weniger Unterschiede. Zwar tritt ein Schädling zunächst auf einer Seite des Atlantiks auf, doch abgesehen von Pilzerkrankungen werden Krankheitserreger und tierische Schädlinge heute innerhalb weniger Jahre weltweit verschleppt.
Rahmenbedingungen
Den vielleicht größten Unterschied zwischen der deutschen und der US-amerikanischen Landwirtschaft gibt es vermutlich beim rechtlichen Rahmen. In den USA greift in erster Linie der Patentschutz, wenn Züchter eine neue Sorte entwickeln. Für viele Jahre haben sie damit exklusiv die Möglichkeit, mit dieser Sorte weiter zu arbeiten. Anders in Deutschland: Hier ist für Pflanzen der Sortenschutz zuständig. Und der beinhaltet den Züchtervorbehalt: Sobald eine Sorte auf dem Markt ist, dürfen andere Züchter sie weiterentwickeln. Eine eigene Sorte dürfen sie dann schützen lassen, wenn diese in mindestens einer Eigenschaft dem Vorgänger überlegen ist. So gewährleistet der Sortenschutz, dass bei jeder neuen Züchtung möglichst viel Fortschritt mitgenommen wird. Das hat zur Folge, dass in Deutschland modernere Sorten wachsen als in den USA. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass die meisten heimischen Landwirte bislang ohne GVO zurecht kommen.
Denn ein Blick auf den Ertrag je Fläche zeigt die deutsche Landwirtschaft gegenüber der amerikanischen für die meisten Arten laut FAO-Statistik für 2009 gleichauf oder klar im Vorteil:
Vergleich der Erträge in Deutschlanbd und den USA (Quelle: FAO-Statistik 2009).
Selbst dort, wo wie bei der Zuckerrübe in den USA fast nur noch GVO angebaut werden, können sich die konventionellen deutschen Züchtungserfolge behaupten. Zwar lassen sich beide Ertragsmittel nur grob vergleichen, weil die klimatischen Bedingungen verschieden sind. Dennoch wird eines deutlich: Das viel größere Flächenangebot in den USA hat bislang dazu geführt, dass weit weniger Anstrengungen als in Deutschland unternommen worden sind, den Ertrag pro Fläche zu maximieren.
Trotz aller Unterschiede bleibt es die gemeinsame Verantwortung beider Landwirtschaften, die Ernährungssicherheit zu garantieren. Hinzu kommt die vermehrte Nutzung von Pflanzen als Industrierohstoff zur sogenannte stofflichen Verwertung der Biomasse und von Reststoffen. Energie kann auf lange Sicht aus anderen Energiequellen gewonnen werden, um den wachsenden Energiehunger zu stillen. Jenseits fossiler Kohlenwasserstoffe bleibt jedoch nur die Biomasse als Rohstoff für die chemische Industrie. Die Zeit nach dem Öl wird unweigerlich zu einer Zeit der Pflanzen und damit der Landwirtschaft. Ohne Ressentiments und mit Respekt vor der anderen landwirtschaftlichen Kultur bleibt es eine Zukunftsaufgabe, die Landwirtschaft auf diese Erfordernisse auszurichten. Abstimmungen und Kooperationen sind hierfür notwendig. Aber auch die Bereitschaft zur Veränderung.
Quelle: Pflanzenforschung.de
Weitere Informationen: www.Pflanzenforschung.de
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