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"Die Krise als Chance?" diese Frage stand im Mittelpunkt des am 12. November auf der Agritechnica 2009 vom Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) und der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) ausgerichteten Symposiums.
ERNÄHRUNGSSICHERUNG, NACHHALTIGKEIT, TEILHABE
DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer, der die Veranstaltung eröffnete, identifizierte als größte Herausforderungen der Agrarbranche, die weltweite Sicherung der Ernährung, das Erreichen von Nachhaltigkeit bei der Produktion und das Sorgetragen für eine gleichgewichtige Teilhabe aller an den Früchten der Arbeit. Bartmer konstatierte, dass der Einbruch des Welthandels um 10% auch an der Landwirtschaft nicht spurlos vorüber gegangen sei und wies darauf hin, dass Osteuropa zusätzlich in hohem Maß von Fremdkapital abhängig sei. Jetzt ausbleibende Investitionen, derzeit importiere Russland beispielsweise 60% weniger Landtechnik, ließen befürchten, dass sich die Krise in Osteuropa weiter verstärke.
QUALITÄTSSICHERUNG GLEICH RISIKOMINIMIERUNG
Auch aus Sicht Prof. Dr. Alfons Balmanns, Direktor des IAMO, brauche Osteuropas vor allem Investoren. Nötig seien dabei neben Kapital, Know-how und adäquate institutionelle Rahmenbedingungen. Dr. Michael Lendle, Geschäftsführer der AFC Risk & Crisis Consult GmbH, erläuterte die Bedeutung des Lieferkettenmanagements für Agrarunternehmen. "Qualitätssicherung beginnt auf dem Acker." so Lendle. Er betonte, dass dies nicht nur für Landwirte, sondern auch für Einzelhändler gelte, denn Qualitätssicherung sei letztlich Risikominimierung und dies erfordere, dass alle Glieder der Lieferkette zusammenarbeiteten.
EIGENKAPITAL FEHLT
Nach Einschätzung Stefan von Stegmanns, Vice President, Sales bei John Deere, sei es vor allem gut, dass die Krise so früh kam: "Das Kapital ist nicht knapper geworden, es war nur vor der Finanz- und Wirtschaftskrise unnatürlich leicht verfügbar." Dies habe in Osteuropa zu einer unzureichenden Abdeckung mit Eigenkapital geführt, die auch während des vorhergehenden Booms nicht ausgeglichen wurde. Wäre die Krise erst nach weiteren drei, vier Boomjahren ausgebrochen, wären die Folgen weitaus gravierender gewesen.
PROTEKTIONISMUS ODER MARKTSCHUTZ
Dr. Axel Stockmann, Agrarattaché in Moskau, erläuterte, dass die russische Landwirtschaft im Verhältnis zur gesamten Volkswirtschaft sehr gut dastünde. Hier rechnen Experten für 2009 mit einem Rückgang des BIP um 0,7%, für die gesamte Wirtschaft werde ein Rückgang um 8% prognostiziert. Niedrige Weltmarktpreise, der Mangel an zinsgünstigen Krediten und die starke Importabhängigkeit machte Stockmann als Russlands größte Probleme aus. Derzeit importiere das Land 40% seiner Lebensmittel. Vor diesem Hintergrund ließe sich der oft beklagte Protektionismus der Russen auch als Marktschutzmaßnahme begreifen.
PROGNOSE: WACHSTUM
Dass die Agrarbranche weiter wachsen werde, darüber waren sich am Ende alle Diskutanten einig. Dr. Olga Hunger, Head Cooperation CIS countries der DLG, führte aus, dass die Krise viele Unternehmen dazu zwinge, sich Gedanken zu machen, wie eigene Reserven effektiver genutzt werden können. Sollten im Ergebnis Produktionsverfahren und Vermarktungsstrategien optimiert werden, sei dies ein gutes Fundament, um in der nächsten Krise besser zu wirtschaften. Fazit: Die Krise birgt vor allem die Chance aus ihr zu Lernen, um für künftige Herausforderungen besser gerüstet zu sein.
Weitere Informationen:
Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO)
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Britta Paasche M.A.
Tel. 0345 - 2928 330 | paasche@iamo.de
Britta Paasche | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.iamo.de
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