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Stadtgärtner in Berlin setzen starke Impulse für die urbane Landwirtschaft – bislang jedoch überwiegend zweidimensional in der Fläche. In Zukunft geht die Landwirtschaft in die dritte Dimension.
Dafür untersuchen die Forscher des Projekts ZFarm nun Flächenpotenziale in Berlin: „Grundsätzlich ist bei gebäudegebundener Landwirtschaft jede Art von Gebäude und jede Form der Nutzung denkbar – ob Wohnhaus, Gewerbe oder Schule und ob leerstehendes Gebäude oder integriert als Zusatznutzung. Gerade für Supermarktbetreiber oder Kantinen können Dachgewächshäuser oder Fassadenfarmen interessant sein“, erläutert Prof. Dietrich Henckel von der TU Berlin.
„Daher wollen wir verschiedene Gebäudetypen auf ihre Eignung für unterschiedliche gärtnerische Nutzungsformen untersuchen und Flächenpotenziale in Berlin herausfinden.“ Aus Sicht des ZFarm-Teams hat Berlin das Potenzial, sich zur Modellstadt für gebäudegebundene Landwirtschaft in europäischen Ballungszentren zu entwickeln. Schließlich kann die Aktivierung des Flächenpotenzials auf, an und in Gebäuden einen wichtigen Baustein für die nachhaltige Stadt der Zukunft bilden.
Bereits heute zeigen einige Projekte weltweit, wie es gehen kann: Dachgärten für den Anbau von Gemüse und Obst finden sich auf allen Kontinenten. In Nordamerika werden zudem immer mehr Lagerhallen, Gewerbegebäude und auch Hochhäuser mit Dachgewächshäusern bestückt, und in ostasiatischen Regionen sind die ersten ein- oder mehrgeschossigen Indoor-Farmen entstanden. Der Startschuss für Berlin soll mit dem Fahrplan für gebäudegebundene Landwirtschaft gegeben werden.
Aufbruch in die dritte Dimension: Landwirtschaft in Gebäuden Veranstaltung zur „Städtischen Landwirtschaft der Zukunft“ in Berlin
Die Landwirtschaft geht in die dritte Dimension: In der Veranstaltung „ZFarm – Städtische Landwirtschaft der Zukunft“ haben in Berlin Forscher, Städteplaner, Haus- und Flächenbesitzer sowie städtische Entscheider begonnen, gemeinsam Modelle für den Anbau von Obst und Gemüse auf Flachdächern, an Fassaden oder im Gebäudeinneren zu erarbeiten. Mehr als 40 Teilnehmer diskutierten in der Neuen Mälzerei mit dem ZFarm-Forschungsteam mögliche Rahmenbedingungen und Konzepte für die Umsetzung und den Betrieb von Dachgärten, Dachgewächshäusern und mehrgeschossigen Farmen. Die Veranstaltung bildet den Auftakt eines
sogenannten „Roadmapping-Prozesses“, mit dem im kommenden Jahr ein Maßnahmenkatalog und ein Umsetzungs-Fahrplan für ein Berliner Modellprojekt entwickelt werden soll. Bis 2013 treiben das Institut für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin und das inter 3 Institut für Ressourcenmanagement unter Leitung des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) die gebäudegebundene Landwirtschaft in Berlin mit einer Innovations- und Technikanalyse voran. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.
„Das Potenzial an ungenutzten Gebäudeflächen ist groß“, sagt Dr. Armin Werner, der Projektleiter von ZFarm, im Vorfeld des Workshops. „Gerade in Berlin bieten die vielen brachliegenden Gewerbegebäude, Flachdächer und kahlen Brandmauern gute Möglichkeiten für die agrarische Nutzung. Wir wollen jetzt Flächeninhaber mit Entscheidungsträgern und motivierten Stadtgärtnern zusammenbringen, um Vorteile und Hemmnisse zu identifizieren und einen Fahrplan für die Verbreitung gebäudegebundener Landwirtschaft zu entwickeln“, so Werner.
Gebäudegebundene Landwirtschaft in Berlin: ZFarm fördert den Dialog
Mit dem partizipativen Roadmapping-Prozess werden die Ideen, Interessen und Bedenken von möglichst vielen Fachleuten, Beteiligten und Betroffenen von Anfang an eingebunden. Fragen, die es zu klären gibt, sind beispielsweise ob und wie statische Probleme umgangen werden können, welche Finanzierungsmöglichkeiten es gibt und wie Stadtbewohner am besten in Planung und Umsetzung eingebunden werden. Die drei beteiligten Forschungsinstitutionen können dabei auf langjährige Erfahrungen in der wissenschaftlichen Entwicklung, der praktischen Gestaltung und erfolgreichen Einführung von Innovationen durch Beteiligung der wichtigen Interessengruppen zurückgreifen.
Im Zentrum der ersten Veranstaltung standen die möglichen Vorteile einer in die Stadt integrierten Lebensmittelproduktion sowie die wesentlichen Hemmfaktoren für diese Entwicklung. Zu den Vorteilen zählen unter anderem ein reduzierter CO2-Ausstoß, eine verbesserte Isolierung der Gebäude gegen Kälte und Hitze sowie Möglichkeiten des direkten Recyclings von Nährstoffen und Wasser durch moderne Anbaumethoden. Zudem bieten eine ökologisch betriebene Dachfarm oder eine produktive Fassade neue Erholungs- und Betätigungsfelder für die Bewohner und schaffen Grünoasen zu Gunsten von städtischer Lebensqualität und Biodiversität. Als Hemmfaktoren für gebäudegebundene Anbauformen identifizierten die Fachleute unter anderem die Wirtschaftlichkeit und die unterschiedliche Eignung von Standorten.
Monique Luckas | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.zfarm.de/
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