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Ungeachtet der zentralen gesamtgesellschaftlichen Bedeutung der Agrarforschung werden an den Universitäten und in der Ressortforschung des Bundes seit einigen Jahren unkoordiniert Stellen in den Agrarwissenschaften abgebaut. Das hat zur Folge, dass vielfach nur noch in unterkritischen und international kaum wettbewerbsfähigen Forschungseinheiten gearbeitet werden kann. Um der institutionellen Zersplitterung der Agrarforschung in Deutschland entgegen zu wirken, hält der Wissenschaftsrat eine umfassende Strukturreform für dringend erforderlich.
- Ziel sollte in erster Linie eine Konzentration der agrarwissenschaftlichen Kapazitäten in Deutschland sein. Hierfür empfiehlt der Wissenschaftsrat, an Stelle der derzeit zehn Fakultäten, künftig etwa sechs leistungsfähige regionale Cluster zu bilden, in deren Zentrum jeweils eine universitäre Fakultät steht. Quantitativ unterkritische Standorte sollten aufgegeben und im Gegenzug andere Standorte, die einen namhaften Beitrag zur Agrarforschung und -lehre leisten können, gezielt gestärkt werden. Für drei Standorte, die keine Aussicht haben, zum Kern eines Clusters zu werden (HU Berlin, Universität Kassel, Universität Rostock), werden alternative Entwicklungen vorgeschlagen.
- Ein Koordinierungs- und Beratungsgremium des Bundes und der Länder ("Plattform") soll den Wettbewerb, der in den nächsten Jahren zu einer Reduktion der Zahl der Fakultäten und der Bildung von regionalen Clustern führen soll, begleiten. Bund, Länder und Wissenschaftsorganisationen sollten neue Formen der institutionellen Kooperation ins Auge fassen, die über das heute erreichte Maß hinausgehen und auch eine Vereinigung unterschiedlicher Einrichtungen unter einem gemeinsamen Dach mit gemeinsamer strategischer Ausrichtung vorsehen.
- Zusätzlich wird angeregt, die Kapazitäten der Agrarforschung durch eine stärkere Einbeziehung von Instituten der Helmholtz-Gemeinschaft (HGF) und der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) auf dem Gebiet der Agrarwissenschaften zu erweitern. So könnte in der HGF die Agrarforschung in ihren Schwerpunktbereichen Erde und Umwelt sowie Energie stärker einbezogen werden; Institute der Fraunhofer-Gesellschaft wiederum, die sich in geeigneten regionalen Verbünden und Clustern ansiedeln, könnten die technologische Umsetzung verstärken.
Empfehlungen zur künftigen Entwicklung der Gartenbau-, Forst- und Ernährungswissenschaften runden die vorliegende Empfehlung ab. In den Forst- und Ernährungswissenschaften sieht der Wissenschaftsrat dabei ein großes Potenzial für Kooperationen mit den Agrarwissenschaften, die deutlich über das heute bestehende Maß hinaus erweitert werden sollten.
"Die global zunehmende Unter- und Mangelernährung bei anhaltendem Bevölkerungswachstum, teilweise dramatischer Wassermangel, aber auch die Zerstörung von landwirtschaftlich und forstlich nutzbaren Flächen - all das sind Probleme, deren Lösung einen maßgeblichen Einsatz der Agrarwissenschaften erfordert. Umso wichtiger ist es deshalb, dass die Chancen, die in dieser Empfehlung für die Agrarwissenschaften in Deutschland liegen, jetzt von allen Beteiligten in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft genutzt werden", kommentiert der Vorsitzende, Professor Peter Strohschneider, die Ergebnisse.
Hinweis: Die "Empfehlungen zur Entwicklung der Agrarwissenschaften in Deutschland im Kontext benachbarter Fächer (Gartenbau-, Forst- und Ernährungswissenschaften)" (Drs. 7618-06) werden im Netz als Volltext (www.wissenschaftsrat.de) veröffentlicht, sie können aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates per E-Mail (post@wissenschaftsrat.de) angefordert werden.
Dr. Christiane Kling-Mathey | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.wissenschaftsrat.de
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