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Einhergehend mit den sich veränderten Verzehrgewohnheiten, der Züchtung fettarmer Rassen und einer intensiven Schweinehaltung verringerte sich der Bestand an Mangalitza jedoch drastisch. Innerhalb von 20 Jahren hat sich der Zuchtsauenbestand von etwa 17 000 (1955) auf etwas mehr als 30 Sauen verringert. Der Bestand dieser Schweinerasse, die sich nicht nur durch sehr schmackhaftes Fleisch sondern auch durch ihre gute Anpassungsfähigkeit an extreme Umwelt- und Haltungsbedingungen als Weideschwein in der Freilandhaltung auszeichnet, war extrem bedroht.
Mitte der 90er Jahre erfolgte eine Rückbesinnung auf die Mangalitza als eine bedeutende nationale und europäische Nutztierressource. Hemmnis darauf eingeleiteter Zuchtprogramme war deren geringe Fruchtbarkeit. 1998 begannen Wissenschaftler des Forschungsinstituts für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN) Dummerstorf und dem ungarischen Forschungsinstitut für Tierzucht und Tierernährung in Herceghalom unter der Leitung von Professor Klaus-Peter Brüssow und Professor Jozsef Rátky mit Untersuchungen zur Aufklärung der Ursachen für die geringe Fruchtbarkeit. Mit speziell für das Schwein entwickelten Methoden konnte das Potenzial der Eierstöcke und die Eizellenentwicklung untersucht werden. Weitere Schwerpunkte des Forschungsprogramms waren Untersuchungen zur Trächtigkeit, zu ernährungsbedingten Einflüssen auf die Fruchtbarkeit sowie die Vermehrung wertvoller Mangalitza-Sauen durch den Embryotransfer. Darüber hinaus erforschten Spezialisten für die Fleischqualität in der Gruppe von Professor Klaus Ender am FBN in Kooperation mit ungarischen Kollegen aus der Universität Kaposvar die Zusammensetzung und Qualität von Mangalitzafleisch.
Die erfolgreiche langfristige Zusammenarbeit deutscher und ungarischer Wissenschaftler hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Individuenzahl dieser bedrohten Schweinerasse 2005 wieder auf 7600 erhöht hat. In Ungarn entwickeln sich von Mangalitza stammende Nahrungsmittel zunehmend zu einem Qualitäts-Markenprodukt von agrarökonomischer Bedeutung. Insbesondere Salami, luftgetrockneter Schinken und Speck erobern als regionale Spezialitäten den europäischen Markt.
Das FBN Dummerstorf erforscht die funktionale Biodiversität von Nutztieren in ihrer Umwelt als Grundlage der Domestikation und als wesentliche Komponente einer nachhaltigen Landwirtschaft und der menschlichen Ernährung. Das FBN ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, der 84 außeruniversitäre Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung angehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute beschäftigen rund 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Da sie Vorhaben im gesamtstaatlichen Interesse betreiben, werden sie von Bund und Ländern gemeinsam gefördert.
Norbert K. Borowy | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.fbn-dummerstorf.de
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